Einige Wahlkreise hart umkämpft

1. Oktober 2006, 17:40
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BZÖ will Direktmandat in Kärnten - FPÖ in NÖ, OÖ oder Wien - Grüne in Wien oder Tirol

Wien - Seit der Wahlrechtsreform 1992 gibt es die Regionalwahlkreise und die dort verteilten Direktmandate. So viel wie heuer war aber noch vor keiner Wahl darüber zu lesen - hofft doch das BZÖ auf ein Direktmandat im Kärntner Wahlkreis Ost, um auch in den Nationalrat zu kommen, wenn weniger als vier Prozent der Wähler österreichweit orange wählen. Aber auch andere Wahlkreise sind hart umkämpft - und einige Direktmandate, vor allem der ÖVP, nur schwach abgesichert.

Pro Wahlkreis gibt es meist drei bis vier, im Extrem ein (Wahlkreis Osttirol) bzw. acht (Wahlkreis Hausruckviertel) Direktmandate. Verteilt werden sie mittels einer für jeweils das ganze Bundesland gültigen Wahlzahl - berechnet nach der Formel: Zahl der gültigen Stimmen im Bundesland dividiert durch Zahl der zu vergebenden Mandate pro Land. Bei der Wahl 2002 lagen diese Wahlzahlen zwischen 24.671 (Vorarlberg) und 28.186 Stimmen (NÖ).

Kärnten

In Kärnten hätte die - damals noch geeinte - FPÖ 26.715 Stimmen für ein Direktmandat gebraucht. Aber sie hat es weder in diesen noch in einem anderen Wahlkreisen geschafft. Von den 29 Direktmandaten der Wahl 1999 blieb ihr kein einziges. Denn kleinere Parteien - die FPÖ kam nur mehr auf 10,0 Prozent - haben es naturgemäß schwerer, die nötigen Stimmen in den relativ kleinen Wahlkreisen aufzubringen.

Im jetzt vom BZÖ ins Visier genommenen Wahlkreis "Kärnten Ost" fehlten der FPÖ 3.693 Stimmen auf das Direktmandat. Verteilt werden könnten dort vier, aber nur SPÖ und ÖVP schafften es.

In einem Wahlkreis, im oberösterreichischen Hausruckviertel, waren die Freiheitlichen 2002 näher am Mandat (2.887 Stimmen fehlten). Das motiviert allerdings weniger das BZÖ als vielmehr die FPÖ: Auch sie will - obwohl sie ziemlich sicher bundesweit über vier Prozent kommen wird - Direktmandate erobern und nennt neben Oberösterreich auch Wien und Niederösterreich als "Hoffnungsgebiete".

Wien-Süd: Duell zwischen Strache und Westenthaler

Zum direkten Duell der Spitzenkandidaten der zerbrochenen Partei, Heinz-Christian Strache und Peter Westenthaler, kommt es im Wahlkreis Wien-Süd - in dem die Arbeiterbezirke Favoriten, Meidling und Simmering zusammengefasst sind. Sieben Mandate sind dort zu vergeben. Die SPÖ bekam 2002 drei, die ÖVP eines - und der FPÖ fehlten 11.197 Stimmen auf die nötigen 25.856. 1995 war den Blauen, damals noch mitten im Aufschwung, allerdings ein Mandat in Wien-Süd gelungen, das sie 1999 auch halten konnten.

Ebenfalls seit langem intensiv umworben ist der Wiener Wahlkreis Innen-West (Innere Stadt, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund) - allerdings von SPÖ, ÖVP und Grünen. 1995 eroberte Caspar Einem für die SPÖ ein Direktmandat, 1999 kam keine Partei zum Zug und 2002 ging ein Direktmandat an die ÖVP unter Franz Morak. Einem und Morak treten heuer wieder an - und außerdem der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl. Er hat auf der Bundesliste kein sicheres Mandat und hofft auf die "Bobo"-Bezirke. 2002 fehlten den Grünen allerdings mehr als 4.000 Stimmen und der SPÖ mehr als 2.000 auf die nötigen 25.856.

Innen-West

Aus Sicht der ÖVP ist der Wahlkreis Innen-West recht gut "abgesichert": Sie hatte 2002 um 4.319 Stimmen mehr als für das Mandat nötig waren. Unter den 27 von der ÖVP 2002 "neu" eroberten Regionalwahlkreisen gibt es eine Reihe mit weit weniger dickem Polster: So hatte die Volkspartei in Kärnten West (1 Direktmandat) nur 95 Stimmen Überhang, im Mostviertel (3) 104, in Wien-Umgebung (2) 646 oder in Wien Innen-Süd (1) 1.640. Umgekehrt fehlten ihr im Wahlkreis Innsbruck nur 341 Stimmen auf ein Mandat.

Ebenfalls weniger als 1.000 Stimmen - nur 585 - fehlten der SPÖ 2002 auf das zweite Mandat in Niederösterreich-Süd. Die SPÖ konnte 2002 die Zahl ihrer Direktmandate nur geringfügig, um fünf auf 46, erhöhen. Die ÖVP holte sich die meisten der 29 Mandate, die die FPÖ verlor - und kam insgesamt auf 59 (1999: 32).

Die Grünen hatten noch nie einen direkt im Wahlkreis gewählten Abgeordneten. Kleinere Parteien kommen in der Regel über die Vier-Prozent-Hürde in den Nationalrat. Aber heuer bemüht sich Bundessprecher Alexander Van der Bellen persönlich: Er will als Spitzenkandidat im Wahlkreis Wien-Nordwest - also in den Bezirken Ottakring, Hernals, Währing und Döbling - das erste Direktmandat erobern. 2002 hatten es die Grünen hier um 3.622 Stimmen verpasst.

Nicht nur in Wien, auch in Tirol sind Direktmandate Wahlziele der Grünen. Dort fehlten ihnen allerdings 2002 doch beträchtlich viele Stimmen dafür: 10.391 waren es im Wahlkreis Innsbruck-Land - und sogar 23.509 in Osttirol.

Ähnlich sieht es bei der KPÖ aus, die auf ein Direktmandat im Wahlkreis Graz hofft: 2.800 Stimmen bekam die KPÖ dort bei der NR-Wahl 2002, gebraucht hätte sie 27.236. Und selbst die Stimmen, die die KPÖ bei ihrem überraschend guten Abschneiden bei der Landtagswahl 2005 (16.405) oder der Grazer Gemeinderatswahl 2003 (22.425) eroberte, hätten nicht gereicht. (APA)

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