Politische Nullbotschaften? - Von Niko Alm

von Redaktion  |  06. September 2006, 10:30
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Den WählerInnen drei Wochen vor der Wahl politische Konzepte erklären zu wollen, kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein

Mit Verwunderung habe ich den Artikel im STANDARD vom 5. September (S. 10, "Politische Nullbotschaften") gelesen, in dem von ExpertInnen an der Wahlwerbung grosso modo kein gutes Haar gelassen wird. Jetzt ist es nicht meine Aufgabe die Arbeit der MitbewerberInnen zu loben, aber es fiele mir in der Tat schwer, alles madig zu machen, wenn ich müsste. Ja es stimmt: Bei den Wahlplakaten handelt es sich um 'politische Nullbotschaften', wenn der Anspruch gestellt wird, dass in einem Slogan ein stark verkürztes Wahlprogramm vermittelt werden sollte. Ein Fehler, den die Grünen im übrigen dieses Mal vermieden haben, indem sie das Wahlprogramm einfach auf die Rückseite der 24-Bogen Plakate gedruckt haben.

Den WählerInnen drei Wochen vor der Wahl politische Konzepte erklären zu wollen, kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein.

Da muss ich mich schon sehr über die Naivität mancher Top-Werberinnen wundern, wenn das an dieser Stelle eingefordert wird, zumal ein Wahlkampf ja im Gegensatz zu kommerzieller Werbung nicht nur über Plakatwerbung alleine geführt wird. Die "Produkte", in diesem Fall PolitkerInnen, treten ja im Gegensatz zu Benco, der, wie ich mit Bedauern kürzlich feststellte, nicht stark und schlau macht, auch medial in Erscheinung.

Zurück zum Start: Dass die gesamte Wahlwerbung in Bausch und Bogen heruntergemacht wird, ist für mich vielmehr ein Indiz, dass wir es hier nicht mit sachlicher Kritik zu tun haben, sondern mit der Verbitterung einiger pensionsreifer WerberInnen. Dementsprechend halte ich einen Generationenwechsel in der Branche für angemessen.

Da lobe ich mir noch Wolf Haas, der sich als Werber selbst in Rente geschickt hat und launig analysiert, wonach "gute Menschen (nämlich die Grünen, Anm.) schlecht schreiben". Solange das auch so wahrgenommen wird, soll es mir recht sein.

Zur Person
Niko Alm (31) ist Pazifist, Geschäftsführer von Super-Fi und Herausgeber des Pop-Magazins The Gap. Super-Fi betreut den Nationalratswahlkampf der Grünen.

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20 Postings
piet birding
09.09.2006 00:18
das nicht nichtet

war da nicht mal was mit unterbewußtsein und "nicht-botschaften" ?
(7. klasse gym, sogar die aushilfspsychologielehrerin wußte das)
außerdem sind die "sujets" wirklich ganz toll gewählt.
diese lebensfreude der abgebildeten.
die in die (rosige) zukunft schweifenden blicke.
beides ein wahnsinn. echt. nicht.

Edgar Huber
06.09.2006 14:02
“...soll es mir recht sein."

Na dann wunderbar.
Honig um den eigenen Mund schmieren ist eine feine, noble Sache.

Gut, daß Sie hier Ihrer Verwunderung Ausdruck verliehen haben, Gott sei es gedankt möchte ich fast schon sagen.
Und ein Danke, daß Sie uns auf die Naivität mancher Top-Werberinnen aufmerksam gemacht haben.
Jetzt kann sich die Erde wieder weiterdrehen.

Sie müssen ein ganz besonders "guter Mensch" sein.
Hätten wir doch nur mehr von diesem Benco zum Frühstück getrunken, dann wären wir auch so stark und schlau.

Stefano Rosetti
06.09.2006 10:53
eine äußerst lasche Kampagne

Mit großer Aufmerksamkeit lese ich die diversen Einträge "großer" Werber und selbsternannter Gurus. Zur Kampagne der Grünen kann ich nur sagen, dass sich die Leere der politischen Botschaften in der Kampagne nahtlos fortsetzt.

Mit diesem Auftritt und den nichtvorhandenen politischen Konzepten muss ich heuer leider den Grünen den Rücken kehren und einer Partei die Stimme geben, die wirklich etwas bewegt hat.

piet birding
09.09.2006 00:11

ahhh ein weiterer KPÖ wähler!
gratulation!!!
ich überlegs mir auch (aber nicht weitersagen, sonst heißt es gleich wieder da wird wahlkampfgepostet)

the hypnotoad
08.09.2006 12:29

na GANZ meine rede. auch ich habe bitte den grünen JAHR-E-LANG den rücken gestärkt, aber das viele grün auf der neuen webseite haut einem ja die augen ein!? sorry aber da wähle ich doch heuer lieber wen anderen. vielleicht die spö, deren website ist wenigstens rot und weiß. die bzö-homepage aber sicher nicht, weil deren homepage schaut ja aus wie eine diskonter-wurfpost.

Slarti Bart
06.09.2006 08:54
häppy pepi

meiner meinung nach wird plakatwerbung insbesondere von werbemenschen total überschätzt. (herr alm hebt sich da ein wenig ab)
sie ist teil des gesamtkonzepts. aus irgendeinem grund reiben sich andere werber immer daran - verbunden mit einer viel zu hohen erwartungshaltung. insb. bei er politischen werbung. und wenn die grüne kampagne konkrete themem anspricht, ist das teil ihrer inhaltlichen ausrichtung. mit häppy peppi und wirsindallesoleiwand erzeugt man zwar auch stimmung, aber die grünen sind bitte derzeit in opposition.
mfg

hampelstrapsmaus 
05.09.2006 16:29

Es geht im Weblog darum zu provizieren und eine Diskussion anzuheizen. Insofern kann ich die Aussage zur Verbitterung einiger pensionsreifer WerberInnen gut verstehen. Und sicher ist es auch so, dass man das politische Programm nicht auf einem Plakat, geschweige denn in einem Claim erklären kann. Das ist doch gar keine Frage. Und darum ging es auch den wenigsten der als pensionsreife Werber angesprochenen Poster, denke ich. Vielmehr wurde diese Tendenz in Richtung lauwarmer Aufguss von schon hundertmal Dagewesenem kritisiert. Und die Aussagelosigkeit der Kampagnen (vor allem was das eigene Programm betrifft). Wo sind die Angebote an die Wähler? Oder wird in diesem Wahlkampf nur mit Dreck geworfen?
So what, Herr Alm?

solo1
05.09.2006 17:28
geh bitte

wir alle erleben gerade bei allen parteien die original erste welle der kommunikation.
da jetzt schon davon zu reden, dass "keine angebote" kommuniziert werden, ist "ein schas" (copyright vdb-sommergespräch).
keine ahnung was noch kommt, aber selbst die schwarzen werden die mauen schüssel-3eckständer noch zigmal überkleben. don't panic!

erwin meier
05.09.2006 15:59
erklären von Wahlprogrammen kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein?

ich stimme zu, doch warum wird sie dann mit Steuermillionen finanziert, wenn sie ohnehin ihren Zweck nicht erfüllen kann?

Niko Alm Infos zum Powerposten | 
05.09.2006 19:24
sie erfüllt ihren zweck

doch der liegt wie gesagt nicht in der verkürzung eines wahlprogramms.

erwin meier
06.09.2006 01:50

...sondern in der darstellung retuschierter köpfe mit austauschbaren phrasen?

Niko Alm Infos zum Powerposten | 
06.09.2006 10:31
totschlagargument

die austauschbarkeit von phrasen könnte leicht auf alle werbeplakate überhaupt ausgedehnt werden. sie stimmt trotzdem nicht.

ich bitte um ihre geschätzte analyse der aussagen der 5 grünen testimonials und beweisführung, herr meier.

erwin meier
07.09.2006 15:51

mache ich gern. ab wann hängen die?

Niko Alm Infos zum Powerposten | 
07.09.2006 16:07
ist leider schon soweit

das budget der grünen (die das ja als einzige partei auch veröffenlicht haben) bewegt sich nicht in den dimensionen, dass die außenwerbung an jeder ecke wahrnehmbar wäre. d.h. die plakate hängen schon...

the hypnotoad
05.09.2006 17:36
warum nicht?

... geld muss in schließlich bewegung bleiben, sonst wirds fäu. ;)

die unterhose
05.09.2006 15:02
der mann hat recht

"wer wenn nicht er" ist strategisch absolut richtig

bzö und fpö brachialstatements werden ihre wähler finden

nur die spö kampagne ist wirklich etwas mau

werber sind leider oftmals schwer betriebsblind

Walter Wolf
05.09.2006 14:05
also...

...ich bin dabei. Schluss mit der Wahlwerbung, was Massenmedien wie TV, Plakat etc anbelangt. Das Geld dorthin, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann. Ich will die Fressen nicht mehr sehen müssen und in den Nachrichten und Belanglossendungen haben die genug Gelegenheit, ihre Programme vorzustellen.

euernextertexter
05.09.2006 13:57

"...dass wir es hier nicht mit sachlicher Kritik zu tun haben, sondern mit der Verbitterung einiger pensionsreifer WerberInnen"

Wie sachlich. :-(

Vielleicht versuchen Sie es innerlich mit folgender Deutung: Es ist nicht allein die Schuld der Werber, dass Wahlwerbung platt ist, sondern liegt auch am Produkt. Und an den Produzenten des Produktes. Exceptionelles ist im Chor der Selbstähnlichen eher schwer herauszuarbeiten.

Wundert es Sie nicht, dass gerade die Wahlwerbung der Polter- und Grölpartei FPÖ nach werblichen Kriterien noch die griffigste ist? Man mag sich wie ich über den Inhalt in Schaudern krümmen, aber er ist anders und die Werbung der FPÖ selbst jodelt aus dem Sextett hervor wie nur was...

myUsername
05.09.2006 13:48

Das Wahlprogramm im Widerdruck? Bisher durften also nur Mitarbeiter der Druckerei, Plakatierer und Agenturmenschen über diesen Insider Witz lachen? Ein Schenkelklopfer ists aber allemal.

>>Den WählerInnen drei Wochen vor der Wahl politische Konzepte erklären zu wollen, kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein.<<

Ja, das bestimmt nicht. Aber wie lautet die Aufgabe? Erinnerung an die NR-Wahl? Dazu würde ein parteiunabhängiges Plakat wie etwa "NR-Wahl am dd/mm/yy" ausreichen.

Wieso eigentlich kein gesetzliches Verbot von Wahlplakaten? Nicht jeder ist so hartgesotten, diese Gesichter + Floskeln am frühen Morgen, auf dem Weg in die Arbeit bzw. zum Arbeitsamt, so ohne weiteres auszuhalten.

PedroNegro
05.09.2006 15:40
Wahlwerbung verbieten?

"Wieso eigentlich kein gesetzliches Verbot von Wahlplakaten?"

- Na aber HALLO! Sie wollen doch den armen Agenturchefs ala Luigi nicht die angenehmste und einfachste Einnahmequelle streichen! Diese Kampagnen sitzt ein durchschnittlicher Kreativer an einem Montag Nachmittag auf der linken A*schbacke ab. Und dafür gibts ein paar Hunderttausend.

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