Den WählerInnen drei Wochen vor der Wahl politische Konzepte erklären zu wollen, kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein
Mit Verwunderung habe ich den Artikel im STANDARD vom 5. September (
S. 10, "Politische Nullbotschaften") gelesen, in dem von ExpertInnen an der Wahlwerbung grosso modo kein gutes Haar gelassen wird. Jetzt ist es nicht meine Aufgabe die Arbeit der MitbewerberInnen zu loben, aber es fiele mir in der Tat schwer, alles madig zu machen, wenn ich müsste. Ja es stimmt: Bei den Wahlplakaten handelt es sich um 'politische Nullbotschaften', wenn der Anspruch gestellt wird, dass in einem Slogan ein stark verkürztes Wahlprogramm vermittelt werden sollte. Ein Fehler, den die Grünen im übrigen dieses Mal vermieden haben, indem sie das Wahlprogramm einfach auf die Rückseite der 24-Bogen Plakate gedruckt haben.
Den WählerInnen drei Wochen vor der Wahl politische Konzepte erklären zu wollen, kann nicht Aufgabe der Plakatwerbung sein.
Da muss ich mich schon sehr über die Naivität mancher Top-Werberinnen wundern, wenn das an dieser Stelle eingefordert wird, zumal ein Wahlkampf ja im Gegensatz zu kommerzieller Werbung nicht nur über Plakatwerbung alleine geführt wird. Die "Produkte", in diesem Fall PolitkerInnen, treten ja im Gegensatz zu Benco, der, wie ich mit Bedauern kürzlich feststellte, nicht stark und schlau macht, auch medial in Erscheinung.
Zurück zum Start: Dass die gesamte Wahlwerbung in Bausch und Bogen heruntergemacht wird, ist für mich vielmehr ein Indiz, dass wir es hier nicht mit sachlicher Kritik zu tun haben, sondern mit der Verbitterung einiger pensionsreifer WerberInnen. Dementsprechend halte ich einen Generationenwechsel in der Branche für angemessen.
Da lobe ich mir noch Wolf Haas, der sich als Werber selbst in Rente geschickt hat und launig analysiert, wonach "gute Menschen (nämlich die Grünen, Anm.) schlecht schreiben". Solange das auch so wahrgenommen wird, soll es mir recht sein.
Zur PersonNiko Alm (31) ist Pazifist, Geschäftsführer von Super-Fi und Herausgeber des Pop-Magazins The Gap. Super-Fi betreut den Nationalratswahlkampf der Grünen.
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