"Sprüche von den Plakaten finden sich im Alltag wieder"

27. November 2006, 15:56
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Der Verein Zara startet gemeinsam mit Wiener Jugendorganisationen die Kampagne "clean politics" gegen Rassismen im Wahlkampf

Meine Wahlempfehlung: "Keine Stimme für Rassismus", Hikmet Kayahan, Leiter der ZARA-Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassismus, macht seine Position klar. Folgt man seiner Wahlempfehlung, wird man in der Wahlkabine nur wenige Alternativen zur Auswahl haben, denn das Schüren von Ressentiments gegen "Ausländer" hat in diesem Wahlkampf einen fixen Platz auf der "Themenliste" vieler Parteien. Bestimmte nennt Kayahan "absichtlich" nicht, denn "Rassismen können überall vorkommen."

Jugend gegen Rassismen

Nicht nur deswegen wurde die Kampagne "clean politics" von ZARA, dem Verein Wiener Jugendzentren und wienXtra ins Leben gerufen. "Wir haben uns zu dieser Kampagne entschlossem, weil schon in der Wiener Gemeinderatswahl die Reaktionen der Jugendlichen auf das Thema Integrationspolitik sehr stark waren," informiert Andrea Heuermann, geschäftsführende Vorsitzende des Vereins WienXtra. "Vor allem für die zweite Generation von Einwanderen, die hier geboren wurden und die hier zu Hause sind, ist die pauschale Ablehnung, die ihnen entgegen gebracht wird, unverständlich." Dass der Wiener Wahlkampf 2005 zur Verschärfung der Lage beigetragen hat, daran besteht für sie und ihre Kollegin Gabriele Langer vom Verein Wiener Jugendzentren kein Zweifel. "Sprüche von den Plakaten finden sich im Alltag wieder", so Langer.

Petition und Free cards

Unter cleanpolitics kann gegen diese Praxis politischer Parteien eine Petition unterzeichnet werden. Diese Petition sollen alle Parteien mit der vehementen Forderung auf ihren Schreibtischen vorfinden, von Rassismus Abstand zu nehmen.

Auch eine laut Kayahan politisch "übergeordnete moralische Instanz" wird im Rahmen der Kampagne angerufen. Bundespräsident Heinz Fischer soll dazu beitragen, politischen Druck auf die Parteien auszuüben. 100.000 Postkarten gegen Rassismen in der Politik warten in Freecardständern und bei verschiedenen Partnerorganisationen darauf, an den Bundespräsidenten versandt zu werden. "Ich hoffe, dass wir in drei Wochen nachdrucken müssen," gibt sich Kayahan davon überzeugt, dass viele ÖsterreicherInnen ihrer Meinung mit Hilfe von "clean politics" eine Stimme verleihen werden.

Diskussionen und Veranstaltungen

Podiumsdiskussionen und verschiedenste Schwerpunktaktionen in Jugendzentren sollen die Kampagne abrunden, die Wahl aber nicht das natürliche Ende sein. "Das Thema bleibt auch nach der Wahl aktuell und "clean politics" eine Kampagne mit open end", so Kayahan, denn "eine solche Politik wie sie derzeit betrieben wird, ist eine Schande für Österreich." (mhe)

Link:
cleanpolitics

Veranstaltungen im Rahmen von "Clean politics":

7. September, ab 10 Uhr: "Rassismusfreie Zone im Wahlkampf" - Am Schöpfwerk 29, Auftakt.

15. September, ab 22 Uhr: clean politics beim City Night-Clubbing im Wiener Rathaus

  • Gabriele Langer und Hikmet Kayahan präsentieren die Kampagne "clean politics".

    Gabriele Langer und Hikmet Kayahan präsentieren die Kampagne "clean politics".

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