diekrone.at wehrt sich gegen Millionenklage der Kronen Zeitung

24. Juni 2000, 12:16

Betreiber Formanek möchte Verfahren "bis zum Offenbarungseid" durchkämpfen

Die Krone-Verlag GmbH& Co KG hat ihre Drohung wahr gemacht und rechtliche Schritte gegen den Betreiber der Parodie-Seite diekrone.at, den Internet-Dienstleister Ican und dessen Geschäftsführer Niko Formanek, ergriffen. Formanekt zeigte sich am Freitag vor Journalisten "entsetzt und niedergeschlagen" über die Klage und kündigte an, "die Sache bis zum Offenbarungseid" durchzukämpfen.

Die Klage lautet auf Unterlassung, Beseitigung und Rechnungslegung und umfasst einen Gesamtstreitwert von fünf Millionen Schilling, eine einstweilige Verfügung wurde beantragt. Die Kronen Zeitung fordert unter anderem die Herausgabe der Domain diekrone.at und beklagt Eingriffe in das Titel- und Markenrecht. Zitat aus der Anklageschrift: "Das Publikum könnte glauben, die Kläger wären in einem Anflug von Slebstironie selbst Medieninhaber von diekrone.at ..." Außerdem erhebt die Kronen Zeitung Schadensersatzforderungen und die Herausgabe des Gewinns, den die Betreiber von diekrone.at seit dem Start im Februar erwirtschafteten.

Ican-Chef Formanek, der nach eigenen Angaben diekrone.at "als eine Art Hobby" ohne Gewinnabsichten betreibt, versteht die Welt nicht mehr. Seiner Meinung nach dürfte gegen eine Satirewebsite überhaupt nicht vorgegangen werden. Den Anklagepunkt der Verwechslung kommentiert er so: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ein Printprodukt mit einer Website verwechseln kann." In Sachen Domain will Ican allerdings einlenken und diekrone.at schon bald unter einer anderen Webadresse – wahrscheinlich diekronen.at – publizieren. Formanek: "Den Vorwurf des Domain-Grabbings weise ich jedoch entschieden zurück, wie jeder sieht, habe ich die Domain nicht verkauft."

diekrone.at erscheint seit Februar im täuschend ähnlichen Krone-Layout und parodiert mit zunehmender Anhängerschaft Krone-Artikel, vor allem zu innenpolitischen und chronikalen Themen. Die mitunter recht deftigen Formulierungen oder die jüngst im Forum von einem Leser gepostete Auffoderung "Tötet Staberl" brachten der Site und damit auch dem Portal ican jede Menge Publicity. Formanek zum Vorwurf, das Ganze sei ein guter PR-Gag, um die Zugriffe zu steigern: "Ich will gar nicht leugnen, dass wir natürlich auch wirtschaftliche Absichten haben, der PR-Gag war vielleicht gut, könnte aber sehr teuer werden." Mittlerweile sei bereits ein Spendenkonto für den Rechtsstreit eingerichtet worden.

Trotz Verfahrens am Hals will Ican noch in diesem Jahr zwei weitere Parodie-Seiten im Internet mit den entlarvenden Titel "88sex.at" und "kronetv.at" ins Netz stellen. Inhaltlich dürften sie sich an die diekrone.at-Idee anlehnen. Am 29. Juni lädt das Internetportal alle diekrone.at-Fans zum Solidaritätsfest ein. "Knabbereien und Getränke sind selbst mitzubringen", so Formanek. Moralische Unterstützung erhoffen sich die Betreiber von der Aktion SOS Mitmensch oder Festwochen-Generalintendand Luc Bondy. (pte)

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