Autor Wolf Haas über Wahlslogans

9. Oktober 2006, 14:03
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Der Schriftsteller kennt sich mit Slogans gut aus - Er arbeitete früher in einer Werbeagentur

Wolf Haas (45) ist Schriftsteller und kennt sich mit Slogans gut aus. Er arbeitete früher in einer Werbeagentur.

"Weil er's kann" (ÖVP):

So wie man statt "Österreichische Volkspartei" kurz "ÖVP" schreibt, sollte man zugunsten des plakativen Effekts auch diesen Slogan abkürzen. Dann liest es sich "Schüssel wek!".

"Neue Fairness braucht das Land" (SPÖ):

Hui, da sieht man Freud lächeln. Ausgerechnet bei der letzten Wahl, wo die alte Frauen-Mobber-Truppe noch mal einen männlichen Kandidaten durchgeboxt hat, paraphrasieren sie Ina Deters feministischen Kampfsong. Wahrscheinlich wollten sie nur den Spieß umdrehen und gleich ein Lied nehmen, bevor Alf Poier wieder mit dem SPÖ-Slogan beim Songcontest auftritt. Hoffen wir nur, dass Ina Deter nicht das Copyright einklagt, sonst wird's teuer für uns alle.

"Wir für Österreich" (FPÖ):

Die Plakate waren schon gedruckt, als Mölzer ein Auge darauf warf und ihnen erklärte, "Bir für Österreich" schreibe man eigentlich mit ie. Dann war es grafisch leichter aus dem B ein W zu machen, als ein e einzufügen, was den ganzen Satz verzogen hätte.

"Ich wähle Grün, weil . . ." (Grüne):

So wie man sagt "Gute Menschen schreiben schlecht" gilt auch die Regel: Die Grünen haben immer eine schlechte Werbung. Aber wie alles an Van der Bellen wirkt auch das irgendwie sympathisch.

"Mut gewinnt" (BZÖ):

Wer ist dieser Mut? Der am Foto sieht doch aus wie Westenthaler? Oder hat er sich schon wieder umgetauft?

"Geben statt nehmen" (KPÖ):

Geben ist seliger als nehmen. Ich wusste immer schon, dass KPÖ für "katholischste Partei Österreichs" steht. (DER STANDARD; Printausgabe, 5.9.2006)

Wolf Haas (45) ist Schriftsteller und kennt sich mit Slogans gut aus. Er arbeitete früher in einer Werbeagentur.
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