Der Bergbau im Fusionsfieber

9. Oktober 2006, 12:04
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Kaum eine Branche macht derzeit so oft mit Großfusionen von sich reden wie der Bergbau. Die wachsende Nachfrage nach Rohstoffen aus China und Indien verspricht laufend steigende Gewinne

Berlin/London - In der Rohstoffbranche wird derzeit eine Großfusion nach der anderen geschmiedet: In der Vorwoche gab der kanadische Konzern Goldcorp bekannt, den Rivalen Glamis zu schlucken und so zum Weltmarktführer aufzusteigen. In Russland soll der größte Aluminiumhersteller der Welt entstehen. Das Thema gipfelt in Gerüchten um ei-ne Übernahme des Minenbetreibers Anglo American für 80 Milliarden Dollar.

"Wer derzeit schnell seine Kapazitäten ausbauen will, kommt an Zukäufen kaum vorbei", sagt Rohstoffexperte Klaus Matthies vom Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg (HWWA). Alternative wäre eine Erschließung neuer Vorkommen, was aber langwierig wäre. "Neue Bergwerke erschließt man nicht in ein oder zwei Jahren. Sieben Jahre sind der Horizont."

Aber gerade jetzt ist wegen der riesigen Nachfrage in China und Indien viel zu verdienen. Jaap van der Geest von ABN Amro sieht Vorteile bei einem Zukauf: "Du bekommst den Gewinn schon fast am nächsten Tag und musst nicht lange warten. Dann könnte die Hochpreisphase wieder vorbei sein."

Eine Übernahme bringt weitere Vorteile: Die Firmen holen sich dringend benötigte Fachleute an Bord, die auf dem freien Markt kaum zu haben sind. Auch haben Käufer nicht nur Förder- und Produktionsanlagen im Blick. "Man kauft auch Lagerbestände", sagt Matthies. Geld für Zukäufe ist dank der Rekordgewinne in der Branche reichlich vorhanden. "2005 war ein weiteres spektakuläres Jahr für die Minenbranche", heißt es in einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit dem Titel "Let the good times roll". Demnach stieg der Gewinn bei den 40 größten Firmen der Branche 2005 zusammen um 59 Prozent auf 45 Mrd. Dollar - rund achtmal mehr als 2002.

Aufgeheizte Preise

Vor allem die Preisexplosi-on an den Rohstoffmärkten heizt Gewinne und Fusionsfieber an. "Die Preise für Kupfer oder Nickel haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht", sagt Matthies. "So teuer wie zuletzt waren einige Rohstoffe noch nie." Der Goldpreis hat sich in fünf Jahren verdreifacht, Silber war so teuer wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Platin kletterte auf ein Rekordhoch, und der Kupferpreis hat sich zeitweise fast verfünffacht. Dies macht sogar viele bisher als unrentabel eingestufte Projekte gewinnträchtig. So erwägen etwa Goldfirmen die Ausbeutung inzwischen bereits dann, wenn eine Tonne Gestein nur ein oder zwei Gramm Gold enthält. Dabei gibt es aber oft politische Risiken: Lateinamerika etwa ist unsicherer geworden. PwC nennt hier Bolivien, Peru und Venezuela.

Bei dem Preisanstieg vieler Metalle spielen neben höherer Nachfrage auch schwindende Vorkommen eine Rolle. So wird im Internet darüber diskutiert, ob die Gold- und Silbervorkommen bereits 2026 erschöpft sind. Auch wenn viele Experten dies infrage stellen, die Unsicherheit ist hoch. Inmitten des Fusionsfiebers gibt es aber auch mahnende Stimmen. "Die Goldgräberstimmung täuscht", sagt etwa Heiko Leschhorn, Rohstoff-händler bei der LBBW. "Die Firmen müssen etwas tun, um nicht selbst geschluckt zu werden. " Damit wachse auch die Bereitschaft zum Risiko, zumal die Rohstoffpreise sehr schwankungsanfällig seien. Daher würden einige Firmen derzeit auch gezielt nach solchen Fusionspartnern suchen, mit denen sie ihr Geschäft weniger abhängig von nur einem Produkt machen. (Reuters, Ralf Bode Daniel Magnowski, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2006)

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    Ein Arbeiter in einer Gold- und Silbermine des kürzlich mit der kanadischen Konkurrenz Goldcorp verbundenen Glamis- Konzern in Guatemala.

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