Politische "Nullbotschaften"

9. Oktober 2006, 14:03
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Österreichs Werbe- landschaft ist seit kurzem um einige Polit-Slogans reicher - DER STANDARD ließ die Neuschöpfungen von Experten bewerten - Kein Lob, viel Kritik

"Nullbotschaften in schlechtem Deutsch mit kryptischen Inhalten und allgemeinen Plattheiten". Angelika Trachtenberg, Geschäftsführerin der Agentur BBDO Austria, ist von den Wahlslogans der Parteien alles andere als angetan. "Von Mut, Fairness und Können ist die Rede, und vor allem, was das Land so alles braucht. Wovon nicht die Rede ist: Was wird den Wählern gegeben? Genau das sollte aber der Inhalt eines guten Slogans sein."

Warum das Wort "neu"?

Nicht weniger kritisch sieht Tibor Barci, Präsident des Creativ Club Austria, die Botschaften auf den Wahlplakaten. "Warum etwa verwendet die SPÖ das Wort 'neu'?" Das sei eine Werbetexter-Marotte. "Das Wort 'Fairness' wäre ohne das 'neu' viel stärker gewesen."

Müder Abklatsch

Der Slogan der ÖVP ("Weil er's kann") ist für Barci nur ein müder Abklatsch der legendären Kampagne Bruno Kreiskys aus den Jahren 1975 und 1979: "Kreisky. Wer sonst?" Der Kampagnenexperte Thomas Hofer fühlt sich an das Jahr 2002 erinnert: "Die Kampagne der ÖVP ist eindeutig ein Remake von ,Wer, wenn nicht er' aus dem Jahr 2002. Das hat damals gut funktioniert, bietet allerdings auch Angriffsfläche." Angriffsfläche, die die SPÖ nutzen will - sie überfordere allerdings die potenziellen Wähler mit der Breite an Themen, glaubt Hofer.

Gar kein Slogan erkennbar

Bei den Grünen ("Van der Bellen vertrauen") kann Barci erst gar keinen Slogan erkennen. Hofer kann der grünen Idee, potenzielle Wähler zu plakatieren, einiges abgewinnen. "Ein interessanter Ansatz, der sicher eine Lehre aus dem eher unglücklichen Wiener Wahlkampf ist." Anders der Kommunikationsberater Christian Strasser, Dozent an der Werbeakademie: "Bei der Kommunikation entwickeln die Grünen leider immer einen Habitus wie der Fremdenverkehrsverein Maria Taferl, garniert mit ein wenig Margarine-Reklame."

"Wer 'gewinnt' sagen muss, hat schon verloren"

Beim BZÖ ("Mut gewinnt") stört Barci allein schon das Wort 'gewinnt': "Wer ,gewinnt' sagen muss, hat schon verloren." - "Hingehudelt und inhaltslos" findet Hofer die Plakate des BZÖ. "Die Abgrenzung von der FPÖ ist das Generalproblem des BZÖ. Mit diesen Plakaten schafft man das aber nicht." Die FPÖ wiederum versuche den Erfolg des Wiener Wahlkampfes auf den Bund auszudehnen - und zwar mit "grafisch überladenen und trashigen Plakaten."

Zweitdeutiges Lob

Zweideutiges Lob gibt es für die KPÖ ("Geben statt nehmen"). "Weil Stalin im Priesterseminar war, ist ein Bibelzitat nur würdig und recht", meint Strasser.

Wenig nachhaltig

In Summe seien die Plakatbotschaften "wenig nachhaltig", fasst Trachtenberg zusammen. "Signale und Botschaften, die nicht sofort eine relevante Emotion auslösen, haben ihre Chance vertan. Und so wird's wohl vielen dieser Slogans auch gehen." (Andrea Heigl Barbara Tóth/DER STANDARD; Printausgabe, 5.9.2006)

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    Alle vier Jahre wieder: Parteien versuchen ihre Botschaften auf den Punkt zu bringen – oder auch nicht.

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