"Klima außer Rand und Band": Kongress in Bad Ischl

2. Oktober 2006, 17:49
posten

Forscher prognostizieren Zunahme von "Hitzetagen" und warmen Wintertagen - und steigende Hochwassergefahr

Linz - Die Klimaforscher erwarten höhere Temperaturen im Sommer und im Winter und in der Folge ein Ansteigen der Hochwassergefahr. Das berichteten Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien Montagnachmittag beim internationalen Umweltkongress "Klima außer Rand und Band" in Bad Ischl.

Die beiden Wissenschafter verwiesen auf die bis zum Jahr 1762 zurückreichenden Messungen der Klimastation des Stiftes Kremsmünster. Demnach sind die Sommer- und die Wintertemperaturen bis 1900 gefallen. Danach gab es gegenläufige Entwicklungen in den beiden Jahrzehnten bis 1970. Seither steigen sie im Sommer und Winter deutlich an. Die besonders warmen Tage werden dabei häufiger. Früher hatten die "Hitzetage" - mit mehr als 30 Grad Celsius - einen Anteil von sechs Prozent, zuletzt waren es hingegen schon zwölf Prozent.

Vegetation von Verschiebung der Niederschlagszeiten betroffen

Gleichzeitig ergaben die Modellberechnungen eine Zunahme des Niederschlages im Alpenraum bis zum Ende des Jahrhunderts in den Wintermonaten um 15 bis 40 Prozent, in den Sommermonaten eine Abnahme um zehn bis 15 Prozent. Dabei dürften die über mehrere Tage hinweg dauernden Starkniederschläge im Winter häufiger werden, im Sommer steige die Wahrscheinlichkeit von Einzeltagen mit hohen Niederschlagsmengen.

Zusammen mit der Erwärmung und damit dem Anstieg der Schneefallgrenze erhöhe sich das Hochwasserrisiko im Tiefland und im Alpenvorland. Dazu komme eine wahrscheinliche Zunahme der Niederschlagsintensität bei Gewittern, die ebenfalls in kleinen Einzugsgebieten Hochwasser auslösen können, vermuten die Wissenschafter. Sie machten zudem darauf aufmerksam, dass der deutliche Temperaturanstieg im Sommer bei gleichzeitiger Niederschlagsverlagerung aus der Vegetationsperiode in den Winter die alpine Vegetation, insbesondere die Wälder voraussichtlich stark beansprucht werde. Sollte es zu großräumigen Vegetationsverschiebungen kommen werde sich auch das Abflussverhalten speziell alpiner Einzugebiete verändern. Zusätzlich erhöhe sich die Erosion. Das könnte die Zahl der Murenabgänge erhöhen und das Geschiebe bei Hochwasser und die Wasserspeicherung der Böden nachhaltig reduzieren, warnten Kromp-Kolb und Formayer.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klima-Expertin Helga Kromp-Kolb

Share if you care.