Musikwandertag zu einigen Klängen und visueller Wut

11. Oktober 2006, 14:32
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Konzertserie "Some Sounds And Some Fury" zeigt echte Musiker und Computer generierte Klänge und Bilder in Konfrontation und Kollaboration

Man sitzt zu viel rum. Vor dem Computer, in Konzerten und Theater, vor dem Fernseher. Bei der Ars Electronica hieß es am Sonntagabend jedoch Wandern: Vom Lentos über den Klangpark bei der Donau bis ins Brucknerhaus führte die Konzertserie "Some Sounds And Some Fury", die echte Musiker und Computer generierte Klänge und Bilder in Konfrontation und Kollaboration zeigte. Wobei sich die letztgenannte Wut vor allem auf den Leinwänden rumtummelte, auf denen den Klängen gleichberechtigte Visuals die verschiedenen Konzertorte zum doppelmedialen Musikraum komplettierten.

Im voll gepackten Lentos war die erste Station. Maki Namekawa raufte sich bei Ludger Brümmers "Move" durch die hämmernden, rasant tröpfelnden Klavierklänge, die wiederum in Echtzeit eine Reaktion eines Computer-Instrumentalisten hervorriefen, der knarrige Elektroniksounds und wüste Bilder kreierte. Farbstürme und schwarze Löcher auf der Leinwand, und das Bewusstsein, dass die Nase rümpfende Ablehnung derartiger Kombinationen von Musik und elektronischer Bildgebung keine Berechtigung hat, wenn beide Elemente auf hohem Niveau ablaufen, nahm man auf den Weg ins Brucknerhaus mit.

Dort gaben das Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies Philippe Manourys "Sound and Fury" für großes Orchester, mit Bildern von "InOut". Da war es gut, einen Sitzplatz in der Mitte zu bekommen: Denn die Computer basierte Komposition glänzte mit herumwogenden Rechts/Links-Raumeffekten. Hernach, wieder mit Namekawa am Klavier, John Cages "Concerto For Prepared Piano and Chamber Orchestra", und dazu die vom Abstrakten sich immer mehr ins Menschlich-Figurative entwickelten weiß strahlenden Bilder von Jorn Ebner.

Und dann, nachdem schon die Dauer eines gewöhnlichen Konzertes vorüber war, kam im Klangpark für so manchen Festivalbesucher der große Einbruch der mit Musik untermalten wohligen Erschöpfung, nach Tagen des Herumlaufens, Gespräche, Meinungen, Ideen und Eindrücke Sammelns. Dort, im Gras liegend, mit dem Kopf auf der Laptoptasche und all den vielen neu gesammelten Daten darin, den knarzenden, dröhnenden Klängen von David Behrman lauschend, dabei den Pöstlingberg im Blickfeld und die Stadt rundherum, da war klar: "Simplicity" ist einfach, wenn alles abgedreht ist.

Aber das ist kein Dauerzustand: Also auf zu den nächsten Konzerten. Oder doch einfach liegen bleiben. Nur noch ein bisschen. Wer sich dennoch aufraffte, auf den warteten noch Konzerte und Bilder von Charles Amirkhanian ("Loudspeakers"), Ryoichi Kurokawa ("audiovisual crossmedia concert") und das musikalische Duell von Naut Humon und Ulrich Maiss bei "Re-Machinations". Ein langer Abend, eine relative neue und geglückte Ergänzung im Ars Electronica-Programm.(Von Georg Leyrer/APA)

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