Kommentar der anderen: Abschiedsdebüt für "Österreich"

9. Oktober 2006, 15:15
3 Postings

Nach der Lektüre des Kulturteils sehe ich mich veranlasst, meinen ersten Beitrag (genauer gesagt: mein Abschiedsdebüt) gleich heute zu liefern - Von Robert Menasse

"Sehr geehrter Herr Fellner! Ich wurde in den letzten Wochen mehrfach eingeladen, Beiträge für den Kulturteil Ihrer neuen Zeitung zu schreiben, eine Kolumne oder Literaturtipps.

Nun ist die erste Ausgabe von Österreich erschienen. Nach der Lektüre des Kulturteils sehe ich mich veranlasst, meinen ersten Beitrag (genauer gesagt: mein Abschiedsdebüt) gleich heute zu liefern: eine Richtigstellung.

In der Ausgabe Nr. 1 der Tageszeitung Österreich führte Christoph Hirschmann ein Interview mit Klaus Bachler. In diesem Interview behauptete Herr Hirschmann: "Ihr Spezialfeind ist Robert Menasse, dessen Stück Sie nicht aufgeführt haben und der Sie verbal zu vernichten droht."

Wenn auch aufgrund der Hirschmann'schen Grammatik nicht klar verständlich ist, wer nun wessen Feind sei oder ob es sich um eine wechselseitige Feindschaft handle, so weiß ich doch eines mit Sicherheit: Ich bin kein Feind von Klaus Bachler. Die Tatsache, dass ich Klaus Bachler einmal öffentlich kritisiert habe, ermächtigt Herrn Hirschmann nicht, eine Feindschaft zu konstruieren, die zumindest ich nicht empfinde. "Feindschaft" ist ein großes Wort und "Spezialfeindschaft" ein Wort, das ich gar nicht kenne. Sollte sich die Hirschmann-Methode der Wortbestimmung durchsetzen und künftig "Kritik" als Synonym für "Feindschaft" gelten, dann schlage ich vor, den Titel Ihrer Zeitung in "Gute Nacht, Österreich" zu ändern.

Ich habe auch nie "gedroht", Klaus Bachler "verbal zu vernichten". Diese Drohung muss nonverbal gewesen sein, also ein Produkt von Hirschmanns redaktionellen Tagträumen. Ich habe weder den Wunsch noch die Möglichkeiten, jemanden zu "vernichten". Die Art und Weise, wie Bachler auf Hirschmanns Behauptung reagierte ("biblischer Hass", "Todesstrafe") ist als nahe liegender Reflex das Produkt genau dieser Art von Journalismus, den ich weder hinnehmen noch bedienen möchte.

Robert Menasse

1. September 2006

(DER STANDARD; Printausgabe, 4.9.2006)

Share if you care.