"Goldene Nicas" zum 20. Mal vergeben

11. Oktober 2006, 14:32
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Morak: "Es kann keine Verweigerung der E-World geben."

Zum 20. Mal wurden am Freitagabend in Linz die Goldenen Nicas des Prix Ars Electronica vergeben, und es gab leichte Ohrfeigen für Direktor Gerfried Stocker. Doch diese waren nicht böse gemeint, sondern Teil der Performance von "Freqtric Drums", wo bei jeder Hautberührung ein Trommelsound erklingt. Lob für Stockers Arbeit kam bei der Gala im Brucknerhaus von Kunststaatssekretär Franz Morak (V): "Wenn es die Ars Electronica nicht geben würde, müsste man sie erfinden".

Einfachheit ein anzustrebendes Ziel

Angesichts des Festivalthemas "Simplicity" stellte Morak fest, dass Einfachheit ein anzustrebendes Ziel ist. Doch "es kann keine Verweigerung der E-World geben." Die Kultur des Digitalen umgebe alle Menschen, und sei damit "unentrinnbar". Umso wichtiger sei, diese sozialen und technischen Veränderungen kritisch zu hinterfragen - und dies sei Aufgabe des Linzer Festivals. "Oft ist das Einfache nur über komplexe Wege zu erreichen."

Die Verleihung

3.177 Projekte aus 71 Ländern wurden heuer zum Wettbewerb eingereicht. Insgesamt 117.500 Euro an Preisgeldern gehen an die Gewinner der sechs "Nicas". Zusätzlich wurden zwölf Auszeichnungen und 73 Anerkennungen ausgesprochen.

Kategorien

Die "Nica" in der Kategorie "Computeranimation/Visual Effects" gewinnt mit "458nm" ein Film von Ilija Brunck, Tom Weber und Jan Blitzer von der Filmakademie Baden-Württemberg. Den Liebestaumel zweier semitransparenter Schneckenmaschinen und ihr plötzliches Ende zeigt der nur wenige Minuten lange Siegerfilm.

Interaktive Kunst

Mit der Installation "The Messenger", die die Geschichte der elektronischen Informationsübertragung thematisiert, gewann Paul DeMarinis die Nica im Bereich "Interaktive Kunst". Dabei werden, in Anlehnung an die Anfänge der Telegrafie, Emails an den Künstler von drei witzig-skurrilen Setups wiedergegeben: Von 26 kleinen Skeletten etwa, die jedes für einen Buchstaben des Alphabets stehen und durch einen elektronischen Impuls zum "Tanzen" angeregt werden, wenn der entsprechende Laut im Text vorkommt.

Digital Musics

Eine Pionierin der elektroakustischen Musik erhält die Auszeichnung im Bereich "Digital Musics": Die Französin Eliane Radigue hat bereits seit den 60er Jahren Synthesizer-Musik erarbeitet und wurde nun für ihr Werk "L'ile re-sonante" gewürdigt. In der Kategorie "Net Vision", die sich mit der Zukunft des Webs auseinander setzt, hat sich die japanische Gruppe "Exonemo" durchgesetzt. Diese hat eine Reise durch Japan mit einem "Road Movie" der ungewöhnlicheren Art dokumentiert: Alle fünf Minuten aufgenommene Ansichten von der Reise auf einer Origami-Faltvorlage für einen Mini-Reisebus können ausgedruckt werden und dann gefaltet werden - und so wird die Tour des "MobLab" auf einer Reihe von Bus-Papiermodellen nachvollziehbar.

Digital Communities

Die immer mehr an Bedeutung zunehmenden "Digital Communities" werden ebenfalls mit einer Nica gewürdigt. Ausgezeichnet wurde canal*ACCESSIBLE, eine Website, auf der behinderte Menschen mit Handy-Fotokameras Hindernisse in Barcelona aufnehmen und Information dazu online stellen.

Jugendwettbewerb

Die Linzer Alexander Niederklapfer, David und Magdalena Wurm sowie Ehrentraud Hager gewinnen mit der Animation "Abenteuer Arbeitsweg" den Jugendwettbewerb U-19, bei dem heuer sechs erst dreijährige Teilnehmer verzeichnet wurden.

Moon Ride

Beim Verlassen des Brucknerhauses erwartete die Gäste dann der Vollmond - obwohl dies nicht zum Kalender passt. Denn beim Projekt "Moon Ride" wurde am Freitagnachmittag die Energie vieler Radfahrer gespeichert, und diese erhellte am Abend einen Ballon über der Stadt. (apa)

  • „THE MESSENGER“
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    „THE MESSENGER“

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