Berater erwarten Boom

9. Oktober 2006, 14:45
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Auf Organisationsberatung entfallen in Österreich 30 Prozent des Umsatzes. Die Zukunft liegt in der Strategieberatung für den Mittelstand

Intensive Veränderungen habe die Branche erfahren, so Alexander Exner und Alexander Doujak, beide Managing-Partner der Beratergruppe Neuwaldegg, anlässlich eines aktuellen Überblicks zum Beratermarkt in Österreich und Europa. Der Trend gehe weg vom Kapazitätsersatz und hin zum Berater als Sparring-Partner auf Managementebene. Zudem wurden zahlreiche interne Beraterteams aufgebaut - vor allem für die Bereiche Mergers & Acquisition, Restrukturierung und Change Management. Ein neues Feld, auch für die "Neuwaldegger": So habe man zum Aufbau dieser Teams u. a. bei SAP oder BMW beigetragen. Nicht zuletzt werde Prozessberatung - als nachhaltige Unterstützung - vor allem durch längere Phasen von Veränderungen stärker nachgefragt als früher, so die Experten. Man stehe vor der paradoxen Entwicklung, die stärker werdende Nachfrage nach kurzfristigen Prozessen und jene nach langfristiger Kundenorientierung zu managen, sagt Doujak. Grundsätzlich aber, teile sich der Beratermarkt immer noch in zwei Gruppen: Jene ab einem Umsatz von 45 Mio. Euro und eine Vielzahl anderer.

Strategie für KMUs

Im europäischen Vergleich ist der Anteil des österreichischen Beratermarktes klein. Vom Branchengesamtumsatz, der für den europäischen Beratungsmarkt 2005 mit rund 61 Milliarden Euro zu Buche schlägt, entfallen knappe 1,3 Prozent auf Österreich und seine 4000 Berater. Deutschlands 70.000 Berater schneiden hier mit rund 27 Prozent weitaus besser ab. Ähnlich stellt sich dieses Verhältnis angesichts des Beratungsanteiles am BIP dar: 0,27 Prozent in Österreich, 0,60 Prozent in Deutschland (siehe Grafik).

Aber: Österreichs Beratermarkt wachse schneller als jener der Deutschen. Im Jahr 2004 um 7,4 Prozent auf 640 Millionen Euro Gesamtumsatz. Die Zahlen von 2005 ließen - laut Wirtschaftskammer Österreich - weitere leichte Steigerungen im Umsatz erkennen. Zahlen für 2006 liegen noch keine vor.

Vor allem in der bis jetzt eher marginal behandelten Strategieberatung - der Anteil für Österreich stehe aktuell bei 0,4 im Vergleich zu Deutschlands 30 Prozent - liege reichlich Potenzial brach. Der Beratungsboom in Österreich liege, so die Experten, daher erst vor uns. Denn: Auch der Mittelstand müsse sich der Internationalisierung stellen, die Konkurrenz auf immer engeren Märkten mache dies notwendig. Unter den für den jüngsten Neuwaldegger Management Survey befragten Führungskräften in Österreich, Deutschland und der Schweiz gaben 66 Prozent an, in den nächsten drei Jahren internationale Geschäfte in Europa vorantreiben zu wollen - 22 Prozent darunter in Osteuropa - und je 15 Prozent in China, im Mittleren Osten und dem Raum Asia/Pacific. Und: 53 Prozent wollen hierfür externe Berater zu Rate ziehen. "Es gibt also keine KMUs, für die Strategieberatung nicht relevant ist", freut sich Alexander Doujak auf den erwarteten Boom.

Für die sich verändernden Bedürfnisse der Kunden wie für die Wettbewerbsfähigkeit der Beratergruppe selbst sei es wichtig, die Qualität der Arbeit laufend upzudaten. Dies gelte auch für erfahrende Senior-Berater, so Alexander Exner, der vor rund 20 Jahren das Neuwaldegger Weiterbildungsprogramm gegründet hat. Der nächste Lehrgang starte im Jänner 2007. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe 2./3.9.2006)

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