[dag] Ein oranger Kuli

3. Oktober 2006, 17:36
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Was seit Tagen dargeboten und plakatiert wird, nennt man tatsächlich bereits Wahlkampf: Der Titelverteidiger will alles, nur nichts sagen. Der Herausforderer darf alles, nur nicht schweigen. Themen gibt es - keine. Außer, unverwüstlich: "Natascha K.", aber das lässt sich parteipolitisch beim besten Willen nicht ausschlachten. Zudem legt das Mädchen im Alleingang die Meinungsforschung lahm: Alle spekulieren, was mit dem Kind war, keiner will wissen, was aus Österreich wird. (Kleiner Tipp: Wer als Erster erkennt, wie billig es ist, gewinnt bei Wolfgang Fellner ein Traumhaus.)

Zurück zum müden Wahlkampf. Besonders tragisch - die Sommergespräche: Neben Gesprächen fehlte auch noch der Sommer. Die Menschen, die in einem Monat ihre Stimme abgegeben sollen, mussten sich in der Augustkälte mit dem aufwendig angeheizten Diskurs begnügen, wie viel Freiheitlichkeit zwei Miniparteien nach der Zellteilung anrechenbar ist.

Wahlgekämpft hat bisher nur ein junges Pärchen bei der Uni - um einen orangen Kugelschreiber. Sie: "Bist deppert, wirf ihn weg, da steht BZÖ drauf." Er: "Na und? Hauptsache, er schreibt." Sie: "Dir is' echt nix zu peinlich." (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2006)

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