Frischer Wind mit Risiko

15. Jänner 2007, 09:40
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Bei der s Immo AG werden in den nächsten Monaten insgesamt 400 Millionen Euro in neue Immobilien fließen. Die beiden Vorstände im Interview

Im Gespräch mit Gerhard Rodler erklären die beiden Vorstände Ernst Vejdovszky und Holger Schmidtmayr, weshalb man jetzt ins Developmentrisiko geht.

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STANDARD: Die meisten Immobilieninvestoren stürzen sich auf die gleichen Objekte. Da müssten Sie als kleinerer Player ja Sorgen haben: Wohin mit dem vielen Geld?

Ernst Vejdovszky: Ganz so ist das nicht. Wir haben den Ankauf neuer Objekte im Wert von insgesamt 400 Millionen Euro bereits vorvereinbart. Es ist ja nicht so, dass wir zuerst das Geld einsammeln und dann erst darüber nachdenken, wie wir es veranlagen können.

STANDARD: Wo sind die neuen Objekte?

Vejdovszky: Die größte Akquisition ist der Kauf einer Liegenschaft mit 118.000 Quadratmetern in Bukarest, wo ein Shoppingcenter mit 2300 Parkplätzen entstehen wird. Das ist ein Investitionsvolumen von 130 bis 140 Millionen Euro. Auch in Sofia entsteht demnächst ein riesiges Shoppingcenter, hier beträgt das Investitionsvolumen über 100 Millionen Euro.

STANDARD: Sie haben Einkaufszentren erworben, die es noch gar nicht gibt?

Holger Schmidtmayr: Wir haben natürlich die Grundstücke und auch jeweils die entsprechende Baugenehmigung. Der Grund für den verstärkten Einstieg ins Development ist folgender: In Märkten, wo uns fertige Objekte zu teuer erscheinen bzw. wo das Renditeniveau unseren Ankaufskriterien entspricht, werden wir selbst entsprechende Objekte entwickeln. Mit geringem Risiko, denn bei den beiden angeführten Beispielen sind 60 Prozent der Flächen bereits fix vermietet, und die Rendite liegt bei rund elf Prozent.

STANDARD: Trotzdem passt ein noch nicht gebautes rumänisches Einkaufszentrum nicht zum konservativen Bild, das Sie immer von der s Immo AG zeichnen.

Vejdovszky: Wir verstehen uns als konservativ veranlagende Immobiliengesellschaft, und dabei bleibt es auch. Wir haben aber auch immer gesagt, dass wir unsere Veranlagungen breit fächern. Ziel ist eine Streuung von rund 35 Prozent in Büros und je 20 Prozent in Wohnungen, Hotel- und Handelsimmobilien.

STANDARD: Trotzdem – ist Ihren Aktionären bewusst, dass die s Immo AG auch Developmentrisiko eingeht?

Vejdovszky: Ein Developmentrisiko ist unserer Meinung nach ein wesentlich geringeres Risiko, als beispielsweise zu teuer einzukaufen – insofern entspricht es genau unserer Strategie! Wir arbeiten an einem Projekt, bei dem wir gemeinsam mit der Immorent als Projektpartner ein Development gestartet haben, nämlich in Prag. Die s Immo AG hat dort schon vor zwei Jahren 15.000 Quadratmeter Grund erworben. Jetzt haben wir die Immorent beauftragt, dort ein Bürohaus zu realisieren.

STANDARD: Sie versprechen den Anlegern eine relativ sichere, konservative Veranlagung in Immobilien und gehen dann Bauträgerrisiko ein?

Vejdovszky: Wir gehen das nur bei Projekten ein, wo wir hundertprozentig sicher sind, und auch dann nur mit entsprechend erfahrenen Partnern wie der Immorent. Auf der anderen Seite werden wir dafür mit einer um gut 60 Prozent höheren Rendite belohnt.

STANDARD: Auf welchen Märkten würden Sie ein Bauträgerrisiko eingehen?

Schmidtmayr: Beispielsweise in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine. Wo immer wir hingehen, bauen wir uns eine Mannschaft vor Ort auf. Denn bevor wir etwas zu teuer kaufen, bauen wir es lieber selbst. Eigentlich ist es ja nicht mehr nachvollziehbar, warum Büroimmobilien in Sofia bereits teurer sind als in Deutschland. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.9.2006)

  • Holger Schmidtmayr, Ernst Vejdovszky (v.l.)
    foto: s immo

    Holger Schmidtmayr, Ernst Vejdovszky (v.l.)

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