Dietmar Ecker, ein Medienprofi für alle Härtefälle

9. Oktober 2006, 16:41
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Der 42-Jährige koordiniert Natascha Kampuschs Medienkontakte

Jene, die schon mit ihm zu tun hatten, wundern sich keineswegs, dass Dietmar Ecker den derzeit heikelsten Job der Beraterbranche bekam. Der 42-Jährige koordiniert ab sofort alle Medienkontakte von Natascha Kampusch - natürlich honorarfrei, wie er gleich auf der Internet-Startseite seiner Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying, ecker & partner, vermelden lässt. Er wolle keinesfalls an der jungen Frau verdienen, sagt er - und er wolle sie auch, so gut es gehe, davor schützen, dass andere an ihr verdienen. Umgekehrt: Dagegen, dass sie, nach all dem Elend, an dem Rummel um ihre Person ein wenig verdient, hat er nichts einzuwenden. Allerdings: "Geld allein gibt nicht den Ausschlag."

Der exzellent vernetzte Medienberater war, nach eigenem Bekunden, vom Betreuerteam der 18-Jährigen gebeten worden, diese "Schutzfunktion" zu übernehmen. Das war wohl auch nötig, über 300 Interview-Anfragen aus dem In- und Ausland gibt es bereits. Wer mit Frau Kampusch reden wolle, sagt Ecker, müsse sich einem "bestimmten Verhaltenskodex unterwerfen, der normalerweise für Medien nicht üblich ist".

"Großes politisches Gespür"

Die Medien kennt Dietmar Ecker gut aus seiner Politik-Zeit in den 90er-Jahren. Als Pressesprecher von Exfinanzminister Ferdinand Lacina und als Kommunikationschef der SPÖ unter Bundesgeschäftsführerin Brigitte Ederer schärfte er jene "soft skills", die auch seine jetzigen Kunden an ihm schätzen: Er sei "unglaublich rasch im Erfassen von Situationen", er habe "großes politisches Gespür" und eine "sehr hohe soziale Intelligenz", heißt es. Er erfand im Wahlkampf 1995 den berühmten "Brief" von Bundeskanzler Franz Vranitzky an alle Pensionisten, der die ÖVP zum Schäumen und der SPÖ den Wahlsieg brachte.

Dass er mit Nachfolger Klima so wenig konnte, dass er lieber in die Privatwirtschaft wechselte, redete er sich selbst schön, indem er sagte, er habe zeigen wollen, dass man auch auf sozial anständige Weise Geld verdienen könne.

Das ist ihm gelungen. Auf Aufträge aus der Politik (die er von der SPÖ ohnehin nicht bekam) ist Ecker längst nicht angewiesen, sein Kundenstock reicht von Almdudler über die Stadt Wien bis hin zu den Vereinigten Bühnen. Dass er in der Bawag-Krise den ÖGB beriet, begründete er mit "Sorge" und "Sentimentalität".

"Arbeiterbub aus Wels"

Denn Ecker hört es immer noch gern, wenn man ihn einen "Arbeiterbuben aus Wels" nennt. Dass er das längst nicht mehr ist, ist ihm mitunter fast peinlich. Der Unternehmer Ecker ist wohlhabend geworden: Er züchtet mit seiner Lebensgefährtin Dressurpferde auf seinem Gut in der Hinterbrühl und fährt einen schnittigen Porsche. Der Medienprofi Ecker stapelt nämlich in eigener Sache lieber tief: "Daheim bin ich nur der Holzarbeiter." (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2006)

  • Exzellent vernetzter Medienberater:  Dietmar Ecker.
    foto: standard/hendrich

    Exzellent vernetzter Medienberater: Dietmar Ecker.

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