Schweizer Steuerstreit bei EURO 2008

31. August 2006, 18:44
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Österreichs Finanzministerium strebt eine "gemeinsame Lösung" an

Als dieser Tage Robbie Williams im Berner Stade de Suisse vor zweimal 40.000 Zuschauern auftrat, freute das auch das Berner Steueramt: Denn von seiner Gage muss er einen Teil als Quellensteuer abliefern. Genauso ist es, wenn die Tennis-Stars in Gstaad oder die Leichtathleten bei "Weltklasse in Zürich" antreten: Der Fiskus behält einen Teil der Prämien ein.

Doch wenn bei der EURO 2008 die besten europäischen Fußballer in den Stadien der Schweiz und Österreichs um den Europameistertitel kicken, dann könnte dies anders sein. "Bei der Euro 04 in Portugal wurden die Prämien der Spieler und der Mannschaften in den jeweiligen Herkunftsländern versteuert und nicht in Portugal", sagt Wolfgang Eichler, Sprecher des EURO 2008-Veranstaltungskomitees, zum STANDARD. Man sei diesbezüglich nun in Verhandlungen für eine unbürokratische Lösung und nehme zur Zeit nicht weiter Stellung, so Eichler.

Kommt nicht in Frage

In der Schweiz stößt das Anliegen der UEFA auf klare Ablehnung: "Es kommt absolut nicht in Frage, dass die Schweiz auf die Quellensteuer verzichtet", sagt Dieter Leutwyler, der Sprecher des Eidgenössischen Finanzdepartementes. "Geld, das hier verdient wird, muss auch hier besteuert werden. Es gibt keine gesetzliche Grundlage, um diese Steuern zu erlassen. Eine Steuerbefreiung für die EURO 2008 wäre rein willkürlich", so Leutwyler.

Nach Schätzungen der Zürcher Sonntags-Zeitung geht es dabei um Steuereinnahmen von 15 bis 50 Millionen Franken (zehn bis 32 Mio. Euro). Die Zeitung hatte als erste darüber berichtet, dass die UEFA in der Schweiz keine Quellensteuer bezahlen wolle. Dies mit der Begründung, auch bei Champions-League-Spielen würden die Prämien im Herkunftsland der Spieler versteuert und nicht im Veranstalterland. Der Schweizer Fußballverband SFV habe sich gegenüber der UEFA verpflichtet, "optimale steuerliche Voraussetzungen zu schaffen", zitiert das Blatt einen UEFA-Vertreter.

Politik weist Ansinnen zurück

Nicht nur die Schweizer Finanzbehörden, auch die Politik weist das Ansinnen zurück. "Bei der Beratung der Kredite für die EURO 2008 war nie von einer Steuerbefreiung die Rede", sagt die sozialdemokratische Abgeordnete Hildegard Fässler auf Anfrage des STANDARD. In der Schweiz bezahle die öffentliche Hand bereits rund 160 Millionen Franken (100 Mio. Euro) an die Stadien, die Infrastruktur und die Sicherheitsmaßnahmen für die EURO 2008. Deshalb sei es das Mindeste, dass die Schweiz auch die entsprechenden Steuereinnahmen erhalte, so Fässler, die Vize-Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Abgaben im Schweizer Nationalrat.

Im Gleichschritt

Das österreichische Finanzministerium beobachtet der Schweizer Steuerstreit, zu einer eigenen Position in der Frage hat man sich nicht durchgerungen, man wartet ab. Ein Sprecher sagte: "Wir wollen im Gleichklang mit der Schweiz handeln, aber dort ist die Vorgangsweise noch nicht endgültig entschieden worden." Sollte die Schweizer Position klar geworden sein, wolle man das Steuerproblem mit den Kollegen diskutieren und dann zu einer "gemeinsamen Lösung" kommen. Um welche Einnahmen-Größenordnungen es sich hierbei für den österreichischen Fiskus drehe, sei nicht bekannt. (Klaus Bonanomi aus Bern, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2006)

  • Die Schweiz will auf die Steuereinnahmen bei der Fußballeuropameisterschaft 2008 nicht verzichten. Österreich wartet vorerst zu.
    foto: cordis/collage: lux

    Die Schweiz will auf die Steuereinnahmen bei der Fußballeuropameisterschaft 2008 nicht verzichten. Österreich wartet vorerst zu.

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