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Mit schrägen Bänkelliedern "in Mozart hineinkriechen"

8. Oktober 2007, 15:27
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Die musikalischen Exzentriker Tiger Lillies zeigen vor, wie man auf den im Nebenzimmer komponierenden W.A.M. reagieren kann

"Schräg", "exzentrisch" mit einer ordentlichen Portion "schwarzen Humors": Das ist wohl die kürzeste Beschreibung für sowohl Musik als auch die Protagonisten des Londoner Trios Tiger Lillies.

Gegründet wurden die dreiköpfige, zunächst als Geheimtipp gehandelte und zur Kult-Band avancierte Gruppe 1989 in London. International bekannt wurden sie durch ihre musikalische Umsetzung des Struwwelpeters ("Shockhead Peter", 2001), für das sie 2002 mit zwei "Sir Laurence Olivier Awards", den hoch angesehenen Theaterpreisen der Gesellschaft der Londoner Theater, ausgezeichnet wurden.

Unverwechselbar und rabenschwarz

Seitdem touren sie mit Ihrer Mischung aus Varieté, Kabarett, Oper-, Zigeunermusik und rabenschwarzem Humor durch die ganze Welt: Die eindringliche Falsett-Stimme von Sänger und Komponist Martyn Jacques und die nostalgisch anmutenden Instrumente machen ihren Sound unverwechselbar.

Inzwischen hat die Band mit ihren surrealen und durchaus kontroversiellen Liedern, die Geschichten von Prostituierten, Drogenabhängigen, Schaustellern, Gauklern, Magiern und anderen Verlierern am Rande der Gesellschaft erzählen, ganze 16 Alben gefüllt. 2003 wurde "The Gorey End", eine Zusammenarbeit mit dem Autor und Illustrator Edward Gorey und dem Kronos Quartet, sogar mit einer Grammy-Nominierung belohnt.

Makaber und düster

Und erst in diesem Jahr machten sie mit einem ebenso extravaganten Projekt "Mountains of Madness" (2006) von sich reden. Gemeinsam mit dem Bassisten der Einstürzenden Neubauten Alexander Hacke und der Berliner Künstlerin Danielle de Picciotto entwarfen sie im Hamburger Schmidt Theater eine Show, die die makabren Geschichten des Grusel-Klassikers H. P. Lovecraft düster und bildgewaltig in Szene setzte: "Brecht und Weill winken von Ferne, Tom Waits aus der Nähe. Ganz dicht dran bejubelt das Publikum eine hinreißende Vorstellung", lobte der Berliner Tagesspiegel.

Zum 50. Todestag von Bertolt Brecht im vergangenen Monat gestalteten die Tiger Lillies für das Brecht-Fest des Berliner Ensembles einen phantasievollen und makabren Abend unter dem Titel "The Two Penny Opera".

Mit Mozart im Nebenzimmer

Gänzlich neu und überaus spannungsvoll war bei "Mountains of Madness" in Hamburg die Umrahmung ihrer Musik mit den elektronischen Sounds von Alexander Hacke. Auch bei den Weberischen ergeben sich wieder interessante musikalische Kontraste, denn aus dem Bühnen-Off - quasi dem Komponierstübchen von W.A.M. - schwappen immer wieder Mozart-Kompositionen herüber. - Autor Felix Mitterer schwärmt im derStandard.at-Interview: "Die Musik von Mozart und von Martyn Jaques ist etwas vollkommen gegensätzliches, aber gerade aus dieser Spannung heraus entsteht ganz Wunderbares. Kommt hinzu, dass Martyn Jaques mit seinen Bänkelliedern in Mozart förmlich hinein kriecht." (red)

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