Klare Kosten-Unterschiede bei Dienstverträgen

24. September 2007, 14:59
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Aus ArbeitgeberInnen-Sicht sei der Werk­vertrag günstiger als der freie Dienst-Vertrag, erklärt Wirtschaftsprüfer Franz Kros im derStandard.at-Interview

derStandard.at: Unter vielen UnternehmerInnen herrscht das Vorurteil, es sei generell günstiger, neue MitarbeiterInnen als freie DienstnehmerInnen zu beschäftigen, als sie mit einem "echten" Dienstnehmervertrag anzustellen. Ist diese Auffassung richtig?

Kros: Meiner Meinung nach handelt es sich hier nicht um ein Vorurteil. Es bestehen eben für den Unternehmer viele arbeitsrechtliche, sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Vorteile.

derStandard.at: Welche sind das?

Kros: Ein besonderer Vorteil ist, dass die Beiträge zur Sozialversicherung sowohl für den Dienstgeber als auch für den Dienstnehmer niedriger sind. Für den Dienstgeber besteht ein weiterer Vorteil darin, dass auf den freien Dienstvertrag kein Kollektivvertrag anzuwenden ist und er keine Abfertigung zahlen muss. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber für echte Dienstverhältnisse Beiträge für die Mitarbeitervorsorgekasse zu leisten und außerdem noch den Dienstgeberbeitrag, den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag und die Kommunalsteuer zu bezahlen. Insgesamt belaufen sich diese zusätzlichen Beiträge auf fast zehn Prozent des Nettoeinkommens.

derStandard.at: Was sind Vorteile und Nachteile des Werkvertrags im Vergleich zum freiem Dienstvertrag?

Kros: Der Werkvertrag ist für den Dienstgeber besser als der freie Dienstvertrag - sowohl von der Kostenseite als auch von den anderen Bestimmungen her. Der Werkvertrag verursacht für den Auftraggeber keine weiteren Kosten, während beim freien Dienstvertrag der Arbeitgeberanteil an die Sozialversicherung zu zahlen ist. Darüber hinaus trägt der Werkvertragnehmer das Risiko der ordnungsgemäßen Erfüllung des geschuldeten Erfolges und haftet für die Gewährleistung, falls sein Werk mangelhaft ist. Im Gegensatz dazu schuldet der freie Dienstnehmer nur sein "Bemühen".

derStandard.at: Was ist unter einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis zu verstehen? Kann es günstiger sein, mehrere DienstnehmerInnen geringfügig einzustellen, als eineN DienstnehmerIn im vollen Ausmaß?

Besser mehrere geringfügige Beschäftigte

Kros: Geringfügige Beschäftigung liegt vor, wenn ein Dienstverhältnis auf unbestimmte Zeit oder für mindestens einen Kalendermonat vereinbart ist und das Monatsentgelt nicht mehr als 333,16 Euro ausmacht. Wird das Dienstverhältnis für eine kürzere Zeit als einen Kalendermonat vereinbart, so darf das Entgelt pro Arbeitstag den Betrag von € 25,59 nicht übersteigen. Das gilt sowohl für echte als auch für freie Dienstverhältnisse.

Stellt ein Arbeitgeber an Stelle eines vollbeschäftigten Dienstnehmers mehrere geringfügig Beschäftigte an, so ist dies für ihn insofern von Vorteil, als die Beiträge zur Sozialversicherung für ihn niedriger sind.

derStandard.at: Was sind, aus Ihrer Erfahrung in der Praxis, die häufigsten Fehler beim Gestalten neuer Beschäftigungsverträge?

Kros: Es kommt nicht auf die Überschrift des Vertrages an, sondern auf den Inhalt, und darauf, dass der Vertrag auch so gelebt wird.

derStandard.at: Freie DienstnehmerInnen, die auf eine Anstellung klagen – ist das, Ihrer Beobachtung nach, ein in der Praxis häufig vorkommendes Phänomen? Glauben Sie, dass dieses Problem von den ArbeitgeberInnen unterschätzt wird?

Kros: Das habe ich in der Praxis noch nicht erlebt. Es könnte aber – gerade wenn dies in den Medien angesprochen wird – durchaus in Zukunft passieren. (Maria Sterkl)

  • Franz W. Kros ist Geschäftsführer der GT-KMU Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-GmbH in Wien
    foto: privat

    Franz W. Kros ist Geschäftsführer der GT-KMU Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-GmbH in Wien

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