Ex-Präsident Alfonsin verteidigt Amnestiegesetze

26. Oktober 2006, 09:06
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Nach Machtübergabe sei Verfolgung von einfachen Soldaten wegen Folter und Mords an Regimegegnern unmöglich gewesen

Buenos Aires - Der erste Präsident Argentiniens nach dem Zusammenbruch der Militärdiktatur, Raul Alfonsin, hat seine Amnestie für Schergen der Junta verteidigt. Nach der Machtübergabe sei es unmöglich gewesen, auch einfache Soldaten etwa wegen Folter und Mords an Regimegegnern zu verfolgen, sagte der 1983 gewählte Alfonsin am Mittwoch als Zeuge in einem Gerichtsverfahren gegen einen ehemaligen Polizeichef.

"Es kann vernünftigerweise niemanden einfallen, wir hätten 1.000 aktive Militärangehörige zu jener Zeit verfolgen können, weil wir einfach nicht die nötige Stärke hatten." Solche Verfahren hätten seiner Darstellung nach einen Aufstand des Militärs verursacht. "Die militärische Situation war sehr kompliziert."

Die unter Alfonsin beschlossenen Amnestiegesetze begrenzten die Strafverfolgung wegen Menschenrechtsverletzungen zur Zeit der Militärdiktatur 1976 bis 1983 auf die ranghöchsten Offiziere. Einer unabhängigen Kommission zufolge wurden damals 11.000 Menschen getötet, weil sie angeblich linke Aktivisten waren. Menschenrechtsgruppen schätzen die Zahl der Opfer auf 30.000. Obwohl das Oberste Gericht Argentiniens die Straferlassgesetze 2005 kippte, sind bisher die meisten Täter nicht verurteilt worden.(APA/Reuters)

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