Blaue Franken im Römerland

11. Juli 2007, 15:40
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Die Weingärten am Spitzerberg erleben eine neue Blütezeit, was das Rotwein-Spektrum um eine spannende Facette erweitert

Seit kurzem fallen bei Carnuntum-Verkostungen immer wieder Blaufränkische mit der Bezeichnung "Spitzerberg" auf: Sie bestechen durch intensive und vielschichtige Fruchtaromen, zeigen einiges an Struktur und viel Eleganz und unterschieden sich deutlich von dem, was das Weinbaugebiet bekannt gemacht hat: rote Powerweine mit kräftigem Holzeinsatz, süffig und zugänglich. Bis in die 1970er machte der Blaufränkisch aus Prellenkirchen am Fuße des Spitzerbergs, der zu den Hainburger Bergen gehört, einiges her. Und das seit mehr als 250 Jahren, wenn man an die Jahreszahlen auf den Portalsteinen der wunderschönen Weinkeller zwischen Prellenkirchen und Edelstal denkt, die nicht selten mit 17.. beginnen.

Vor etwa hundert Jahren zählte Prellenkirchen mit rund 1000 Hektar Weingärten zu den großen Weinorten in Österreich, heute sind knappe 140 übrig geblieben. Wein hat an der Südflanke des Spitzerbergs also sehr lange eine tragende Rolle gespielt, anders als in den heute wesentlich bekannteren Orten von Carnuntum, wo der Weingarten bis vor etwa 20 Jahren oft nur ein kleiner Teil von gemischt landwirtschaftlichen Betrieben war. Anfang der 90er erst wurde man sich bewusst, welches Potenzial hier ruht, das Gebiet hob ab: vor allem mit Zweigelt, aber auch mit anderen Rotweinsorten wie Sankt Laurent, Merlot oder Pinot Noir, relativ selten mit Blaufränkisch, für den die schweren Böden rund um Göttlesbrunn nicht ideal sind - ganz im Gegensatz zu Prellenkirchen.

Blaufränkisch aus Prellenkirchen

Der Blaufränkisch aus Prellenkirchen war hochgeschätzt und weit verbreitet. Mitte der Fünfziger wurde die Winzergenossenschaft Prellenkirchen gegründet, die so gut wie den gesamten Trauben-Output der Nebenerwerbswinzer und gemischten Landwirtschaften "aufsaugte". Sie erfuhr das Schicksal vieler Winzergenossenschaften: "Sie lief sich tot", wie es Josef Dietrich ausdrückt, einer der ortsansässigen Winzer. Die Weinqualitäten wurden immer schlechter, weil man die guten Trauben für sich behielt und die schlechten ablieferte. "In dieser Zeit gab es andere Schwerpunkte. Ein guter Hauer hatte halt in erster Linie viel zu produzieren", so Dietrich. Die Bezahlung nach Qualität und Fläche war noch unüblich. Qualitätsprobleme, die logischerweise Absatzprobleme nach sich zogen und sich auch den Preis drückten, bedeuteten das Ende vom Lied.

Dass dieses Weinbaugebiet am Spitzerberg jetzt eine Wiederbelebung erfährt, ist einigen Neuankömmlingen zu verdanken, die im Verbund mit Winzern vor Ort zeigen, dass Carnuntum nicht ausschließlich um Zweigelt und Zweigelt-basierte Cuvées kreist. Die Akteure sind Josef Dietrich und sein Sohn Christian, die Familie Gratzer-Sandriester, alteingesessen in Prellenkirchen, Willi Schenzel aus Bruck an der Leitha, Johannes Trapl, aufstrebender Jungwinzer aus Stixneusiedl, und Dorli Muhr, Inhaberin einer bekannten Wein-Agentur, deren Familie aus der Gegend stammt, mit ihrem Ehemann Dirk van der Niepoort, Top-Weinmacher aus dem portugiesischen Dourotal. Die beiden gründeten 2002 das Projekt D & D: Dabei konnten sie auf 25-, 30-jährigen Weingärten aufbauen, deren Rebstöcke durch ihre tiefe Verwurzelung den Weinen eine ganz eigene, komplexe Würzigkeit verleihen, alte Anlagen also wie sie in anderen Teilen Carnuntums nicht häufig zu finden sind.

Beste Voraussetzungen

Die besten Voraussetzungen für Blaufränkisch findet man an den Südhängen der aus mehreren Erhebungen bestehenden Hainburger Berge. Sie sind geologisch den Karpaten zuzurechnen und weisen völlig andere Bodenverhältnisse auf (Granitgneis, Glimmerschiefer und Sand) als das Arbesthaler Hügelland. Horst Pelzmann, Winzer in Berg, einem kleinen Ort mit direktem Blick auf Petrzalka, die Satellitenstadt von Bratislava, macht bereits seit sechs, sieben Jahren mit eleganten, strukturierten Blaufränkischen auf sich aufmerksam, die an den südexponierten Hängen der Königswarte wachsen. Wie sehr das Potenzial dieser Lagen geschätzt wird, zeigt sich auch daran, dass Carnuntum-Winzer von "außerhalb" der Hainburger Berge in den 90ern dort für Blaufränkisch Traubenproduzenten "rekrutierten", deren Erzeugnisse unter dem Namen des zukaufenden Winzers vermarktet werden.

Dietrich sieht die weitere Entwicklung voller Optimismus: Das Unterfangen findet Anklang, "die Winzer haben wieder mehr Freude an ihrem Schaffen, auch weil sie sehen, dass Qualität ankommt und dass dieses Produkt etwas wert ist." (Luzia Schrampf, Der Standard/rondo/1/9/2006)

  • Weingärten und Brachen bestimmen die Landschaft am Spitzerberg, Kellergassen finden sich überall.
    www.tiscover.at

    Weingärten und Brachen bestimmen die Landschaft am Spitzerberg, Kellergassen finden sich überall.

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