Ausklang: Zum Raum wird die Saline

20. Juli 2007, 16:45
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Musikalisches Festspiel-Finale auf der Perner-Insel

Hallein - Zwei unterschiedliche, dabei gleich spannende Wege, einen Raum zum Klingen zu bringen, wiesen Matthias Pintscher und Helmut Lachenmann beim "Festspiel-Finale I" mit dem Klangforum Wien auf der Perner-Insel.

Die Halle präsentierte sich erstmals seit Jahren ohne eingebaute Tribüne in ihrer beeindruckenden Größe, die beiden Werke schienen den Dimensionen auf den Leib geschrieben: Matthias Pintschers Verzeichnete Spur für Kontrabass, drei Violoncelli, Instrumente und Live-Elektronik, ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und der Ars Musica Brüssel, wurde bereits im März in Brüssel uraufgeführt und erlebte seine Erstaufführung. Dabei schien gerade dieses Stück mit seinen klangsinnlichen, fein ziselierten Elementen die Theater-"Vergangenheit" des Saales zu beschwören. Die durch die tiefen Instrumente gleichsam geerdeten Klangmotive kommen in Verzeichnete Spur großteils sehr ruhig daher, werden von der Live-Elektronik aufgegriffen, verwandelt und an den Raum zurückgegeben. Nur schien der Klang von den Wänden erinnerte Farbe und gelebtes Leben mitzunehmen.

Solch außermusikalische Bilder drängten sich im Falle von Helmut Lachenmanns Concertini für Ensemble von 2004/05 nicht auf. Hier entstand die spannende Raum-Klang-Beziehung "einfach" durch verteilte Ensemble-Gruppen und die grandiose Instrumentierung. Der dramaturgische Aufbau mit langsamer Steigerung, Höhepunkt und Abgesang trägt theatralische Momente ohnehin in sich - und so konzentrierte man sich darauf, das Über-, Neben- und Miteinander der überraschenden Klangwirkungen, etwa der Gitarre von rechts hinten, zu verfolgen.

Ebenfalls ein Auftragswerk der Festspiele ist Contretemps von Georges Aperghis: ein flirrendes Bravourstück, das von einer Sopranistin höchste Präzision in der Artikulation verlangt. Donatienne Michel-Dansac meisterte im Verein mit dem Klangforum Wien (Johannes Kalitzke) bravourös die Herausforderung. (Heidemarie Klabacher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2006)

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