ORF versteht Kanzlers Kneifen

2. Oktober 2006, 13:08
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Draxler hat Verständnis für dichten Terminkalender der Parteichefs - Grüne: "Brüskiert Publikum"

"Wolfgang Schüssel tut, als wäre kein Wahlkampf, als schwebte er über den Dinge": Sagt Grünen-Chef Alexander Van der Bellen dem Standard, weil er Dienstag im ORF mit dem parteifreien Finanzminister Karl-Heinz Grasser statt mit dem ÖVP-Chef diskutiert. "Überheblich, arrogant und abgehoben" findet das Van der Bellens Vize Eva Glawischnig vom Kanzler. Er "brüskiert damit die TV-Zuschauer", die zu Recht erfahren wollen, was der Kanzler gegen "Pflegenotstand, Arbeitslosigkeit, Bildungsmisere" tue. Allein: "Der Kanzler kneift."

Originell an Schüssels parteiloser Vertretung: "Der ORF lädt anlässlich der Nationalratswahl die im Nationalrat vertretenen Parteien zu einer Reihe von Fernsehdiskussionen bzw. Zweier-Konfrontationen ins ORF-Zentrum auf den Küniglberg", schrieb TV-Chefredakteur Werner Mück den Parteisekretären: "Wir gehen davon aus, dass die Parteien nach Möglichkeit ihre Spitzenkandidaten entsenden." Andernfalls "hochrangige Vertretung Ihres Spitzenkandidaten", über den oder die "das Einvernehmen mit dem ORF hergestellt" sein soll.

"Dichter Terminkalender"

Schüssels Vertretung verkündete Dienstag nicht die Anstalt, sondern die Kanzlersprecherin. "Hat der ORF seine Programmgestaltung ans Kanzleramt abgegeben?", fragt Glawischnig. ORF-Infodirektor Gerhard Draxler zeigt Verständnis wegen "Kürze des Wahlkampfs und dichter Terminkalender der Parteichefs".

Schüssel selbst will wie berichtet nur gegen SP-Chef Alfred Gusenbauer und in der Runde aller Parteichefs auftreten. Er versuche, sich "wo es geht, zu drücken", sagte dazu SP-Klubchef Josef Cap. VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka verteidigte Schüssel: Seine Partei habe "nicht nur einen Profi".

Im ORF kursierte, Jörg Haider könnte nun Peter Westenthaler (BZÖ) vertreten. "Höre ich zum ersten Mal", sagte Westenthalers Sprecher. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 31.8.2006)

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