9. Oktober 2006, 15:11
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Keine Mitsprache mehr im Magazinkonzern für die Medienbrüder. Auch die Mehrheit an der News Networld müssen sie nun an Gruner+Jahr abgeben. Andernfalls hätten die Deutschen sie vor ein Pariser Schiedsgericht gebracht.

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Wolfgang und Helmuth Fellner hätten Stunden vor dem Start ihrer Tageszeitung anderes zu tun gehabt. Doch für Mittwoch, 15 Uhr, rief der Mehrheitsgesellschafter der Verlagsgruppe News, Gruner+Jahr. Bis in die Mittwochnacht feilten die Anwälte. Ergebnis: Die Fellners verzichten auf ihre Mitspracherechte im Magazinkonzern und treten G+J die Mehrheit an der News Networld ab.

Torsten-Jörn Klein, Vorstand von G+J, hatte nach Infos des STANDARD ein praktisches Druckmittel: Als die Bertelsmanntochter 1998 die Mehrheit an der Verlagsgruppe News kaufte, unterschrieben die Fellners eine Konkurrenzklausel. Sie verpflichteten sich, keine anderen Magazine zu gründen oder zu betreiben, solange sie an der News-Gruppe beteiligt sind.

Die Tageszeitung der Brüder verspricht einen täglichen Magazinteil, Wolfgang Fellner zudem Magazingestaltung im Blatt. Das griffen die Hamburger auf und winkten vehement mit dem Vertrag aus 1998. Denn massive Abwerbungen, Fellner-Promotion als Gründer von "News", "tv-media" und "Woman" sowie ohne Genehmigung verwendete Fotos aus "Woman" hatten den Grant von G+J verschärft. Die Fellners lenkten offenbar ein.

Für die Medienszene durchaus schade: Gruner+Jahr drohte den Brüdern nach Infos des Standard, die Causa vor ein Schiedsgericht zu bringen.

Pariser Schiedsgericht

Freilich keines jener Schweizer Tribunale, vor denen die "Krone"- Gesellschafter Hans Dichand und WAZ ständig streiten. Die Verträge zwischen den Fellner-Brüdern und Gruner+Jahr sehen zur Abwechslung ein Schiedsgericht in Paris vor.

Entscheidungen solcher Schiedsrichter sind bindend. Theoretisch könnten sie den Fellners Magazinelemente in ihrer Tageszeitung oder gar das ganze tägliche Magazinprojekt untersagen. Wiewohl wenig realistisch, mochten die beiden das Risiko offenbar nicht eingehen. Ihre Anteile an der News-Gruppe wollten sie auch nicht abgeben.

Voigt führt Networld

Die Brüder halten über die Medienbeteiligungen Privatstiftung und eine gemeinsame Gesellschaft mit G+J noch 18,675 Prozent am News-Konzern. Gruner+Jahr gehören 56,025 Prozent. Dem "Kurier" (Raiffeisen/WAZ) die übrigen 25,3 Prozent. "Sie bekommen den testierten Jahresbericht und sehen, wie sich ihr Vermögen entwickelt hat – das war's", beschreibt ein Insider die künftige Rolle der Fellners im Magazinkonzern.

Der Deal verschafft den Hamburgern auch die Kontrolle über die Onlineplattform News Networld, die bisher zu je 50 Prozent Gruner+Jahr und Fellners gehörte. Die Brüder geben weitere 25 Prozent an die Bertelsmänner ab.

Am Donnerstagnachmittag stellte sich Oliver Voigt dem Networld-Team als neuer Chef vor. Der Vorsitzende der News-Verlagsführung ist nun auch Vorstand der Networld. Fellner-Vertraute Silvia Haider muss den Job abgeben.

Donnerstagabend feierten 200 Führungskräfte von Bertelsmann in Wien, Vorstandschef Gunther Thielen und Gruner+Jahr-Boss Bernd Kundrun inklusive. Freilich nicht den etwas sumpfigen Start der Fellnerzeitung auf der Wiener Galopprennbahn Freudenau, sondern mit einer Gala im Palais Liechtenstein.

Die Bertelsmänner bilden sich in Wien mit internationalen Kapazundern in Marketingfragen weiter. Fellners sind nicht darunter. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2006)

  • Hoppla: Torsten-Jörn Klein, Auslandsvorstand von Gruner + Jahr, nimmt ...
    foto: g+j

    Hoppla: Torsten-Jörn Klein, Auslandsvorstand von Gruner + Jahr, nimmt ...

  • ... Wolfgang und Uschi Fellner   Mitspracherechte in der Verlagsgruppe News und Anteile an der News Networld.
    foto: standard/corn

    ... Wolfgang und Uschi Fellner Mitspracherechte in der Verlagsgruppe News und Anteile an der News Networld.

  • Grafik: Beteiligungen Verlagsgruppe News und News Networld.

    Grafik: Beteiligungen Verlagsgruppe News und News Networld.

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