Töne wie Feuerfunken: Die English Baroque Soloists

20. Juli 2007, 16:45
posten

Mit Robert Levin und Bernarda Fink unter John Eliot Gardiner in der Felsenreitschule

Salzburg - Das "letzte" Mozart-Klavierkonzert, die "letzte" Mozart-Arie, die "letzte" Symphonie dieses Sommers spielten und sangen die English Baroque Soloists, der Pianist Robert Levin und die Mezzosopranistin Bernarda Fink unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner in der Felsenreitschule. Es war der 37. Festspieltag - und man hörte vom ersten Takt an so gebannt und begeistert zu, als hätte man eine Mozart-Durststrecke doppelter Länge hinter sich.

Vom Konzert für Violine, Klavier und Orchester D-Dur KV 315 ist nur ein Allegro fragmentarisch erhalten. Das hat der Pianist Robert Levin ergänzt und zusammen mit Kati Debretzeni, der Konzermeisterin der English Baroque Soloists, mit Verve präsentiert: ein charmanter Auftakt.

Zur Vollform aufgelaufen ist Levin freilich erst mit dem Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 503. Sorge angesichts der zarten Beine eines Hammerflügels unnötig: Das Klangvolumen, zu dem Robert Levin das Instrument erschließt, verdankt sich technischer Präzision und "Materialkenntnis" und nicht polterndem Tastendonner. Man sieht schon die zarten Hämmerchen fliegen - und dann sind es doch nur Töne wie Feuerfunken, die dieser Zauberer aus dem Klavier schlägt.

Selbst die Wahnsinns-Kadenz im ersten Satz blieb scharf akzentuiert. Bei Robert Levin erübrigt sich auch der obligate Anruf im künstlerischen Betriebsbüro, wessen Kadenzen der Künstler denn nun gespielt habe.

Wie Federbälle waren die Dialoge etwa zwischen den Bläsern und dem Solisten. Bevor die Bläser mit unheimlich pochenden Tönen die Stimmung trüben konnten, kam auch schon das Klavier dazwischen und vertrieb die Wolken. Wunderbar auch, etwa im dritten Satz, im Orchester die Übergänge zu den kleinen Bläsermotiven, die sich wie zufällig mit dem Klavier treffen ... Gardiner sorgte für perfekte Balance in der Lautstärke: Die Klangverschmelzung zwischen Orchester und Soloinstrument war vollkommen.

Die Arien "Vade, ma dove? o Dei!" KV 583 und "Non temer, amato bene" KV 505 waren in den letzten Wochen mehr als einmal zu hören. Bernarda Finks Interpretation fiel durch Zurückhaltung und Verinnerlichung auf. Die "letzte Linzer", Symphonie C-Dur KV 425, war ein hinreißender Kehraus aus der "klassischen" Programmschiene des Festspieljahres 2006. (Heidemarie Klabacher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.8.2006)

Share if you care.