Ebay: Deal mit Google soll Skype profitabel machen

18. Oktober 2006, 11:43
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Europa ist schwieriger Markt für Click-to-Call

Vom jüngsten Werbe-Deal mit dem führenden Suchmaschinenbetreiber Google erhofft sich das Internet-Auktionshaus Ebay die Einnahmen seiner Tochter Skype in Schwung zu bringen. Ebay und Google, die mit ihrer mehrjährigen Kooperation das Werbemodell Click-to-Call auf breiter Basis einführen wollen, rechnen damit, dass dieses Werbemodell der Internettelefonie zum Durchbruch verhelfen werde. Experten bezweifeln jedoch, dass Zielgruppen bereit seien vom klassischen Telefon auf die Internettelefonie umzusteigen. "Es handelt sich zwar um ein vernünftiges Konzept, dennoch ist der europäische Markt komplizierter als der in den USA, wo eine andere Geschäftskultur herrscht", betont Philipp Bohn, Analyst beim Marktforscher Berlecon, im pressetext-Gespräch.

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Studien in den USA haben ergeben, dass bestimmte Gruppen, etwa Immobilienmakler, großes Interesse an Click-to-Call haben. Diese wären sogar bereit acht bis 15 Dollar für den Anruf eines Interessenten aus dem Internet zahlen. Die Zahlungsbereitschaft sei also zehn Mal so hoch, wie die für einen Klick auf die firmeneigene Website, berichtet die New York Times. Die Gebühr, die Werber für Skype-Anrufe entrichten, wollen sich Google und Ebay teilen, wobei die Unternehmen nicht verrieten, wer welchen Anteil erhält. Nutzer können auch Googles eigenen Internettelefonie-Dienst Google Talk verwenden.

Direkter Kontakt

Das Click-to-Call-Modell ermöglicht es Käufer und Verkäufer in direkten Kontakt zu treten. Der Klick auf ein Werbebanner lässt entweder eine Telefonnummer erscheinen oder der User lässt sich vom Werber anrufen, anstatt wie bisher auf der Website zu landen. Einige Ebay-Verkäufer führen bereits einen "Skype-Button" und können so vom Interessenten angerufen werden. Das Service könnte vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, wie etwa Installateure, von Nutzen sein, ist Matt Booth, Analyst bei der Kelsey Group, überzeugt. Bohn gibt jedoch zu Bedenken, dass die organisatorischen und personellen Kapazitäten von Kleinunternehmen mit wenigen Mitarbeitern hierfür nicht ausreichen würden.

"Die meisten Ebay-Verkäufer empfinden die 'Skype Me'-Anwendung als aufgezwungen"

"Die meisten Ebay-Verkäufer empfinden die 'Skype Me'-Anwendung als aufgezwungen", kritisiert wiederum Ina Steiner, Herausgeberin des Newsletters Auction Bytes. Sie habe den Eindruck, dass Ebay seine Website als Milchkuh verwende, um in PayPal und die 2,6 Mrd. Dollar teure Anschaffung Skype zu investieren. Auch die Werbeschaltungen auf den Ebay-Produktseiten seien den Verkäufern ein Dorn im Auge, meint Steiner, denn sie würden mit den Produkten der Auktionäre konkurrieren. Für seine US-Website hat Ebay im Mai dieses Jahres einen exklusiven Werbevertrag mit Google-Mitbewerber Yahoo geschlossen. Um diese Konkurrenzsituation zu vermeiden, versuche Ebay jedoch Werbung mit ergänzenden Produkten zu schalten, heißt es in der New York Times.(pte)

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