Legendäres zur Marille...

19. Juni 2007, 09:46
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...sowie einige botanische und historische Anmerkungen zur besonderen Prunus Armeniaca aus der Wachau

Die besondere unverwechselbare Qualität der Marille (Prunus Armeniaca) aus dem Gebiet der Wachau hat ihre Ursachen in den verwendeten Sorten und Unterlagen. Die Produktionsfläche von derzeit ca. 100 000 Marillenbäumen wurde teilweise bereits in den Krisenjahren des Weinbaues, ab etwa 1925 ausgepflanzt. Der erwerbsmäßige Marillenanbau wurde ab etwa 1900 betrieben. Besondere Bedeutung wurde dabei von den Marillenbauern und im Gebiet ansässige Marillenbaumschulen auf die Selektion und die Vermehrung der besten Klone der „Klosterneuburger Marille“ gelegt, die heute zu fast 100 % den Bestand bildet.

Die Selektionen sind neben den klimatischen Bedingungen und den verwendeten Veredelungsunterlagen der Grund für die besonderen Geschmackseigenschaften, die sowohl beim Frischgenuss als auch bei der Verarbeitung geschätzt werden. Bei den derzeit getätigten Auspflanzungen wird ebenfalls auf die altbewährten Selektionen zurückgegriffen. Als Unterlage wurden und werden nach wie vor der Marillensämling und teilweise verschiedenen Prunusarten verwendet.

Bei der Erziehungsform der Bäume dominiert weiterhin die Rundkrone mit einer Stammhöhe von 0,60 bis 1,20 m und ausreichender Standweite, die eine gute Belichtung von allen Seiten gewährleistet. Dies wirkt sich auf den Geschmack günstig aus und vermindert die Krankheitsanfälligkeit.

Beim Zucker- und Säuregehalt zeichnet sich die Wachauer Marille bei beiden Parametern durch die höchsten Werte aus (Löschnig-Passecker). Gerade das Zusammenspiel von hohen Zucker- und Säurewerten bedingt zusätzlich die einzigartigen aromatischen wie geschmacklichen Eigenschaften.

Was die Marille alles enthält...

Drei Viertel der rund 200 in der Marille enthaltenen Inhaltsstoffe - Bioflavonoide - sind in ihren Wirkungen noch nicht ausreichend erforscht. Aber: Marillen sind die Karotten des Obstgartens, kein heimisches Obst hat mehr Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, das für gutes Sehen, gesunde Haut und Schleimhaut und die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen verantwortlich ist. Die Wirkstoffkombination von Folsäure, Kupfer und Eisen macht Marillen auch zum idealen Obst für blasse, blutarme Menschen.

Hervorzuheben sind auch die hohen Werte an Niacin (für Nerven und Spannkraft), Vitamin C (Immunsystem) und Kalium (Wasserhaushalt, Muskelkontraktionen). 100 Gramm Marillen haben 43 Kalorien/180 Kilojoule.

Gut für die Gesundheit

Dem Bergvolk der Hunza aus dem pakistanischen Himalayagebiet werden legendäre Eigenschaften zugesprochen. Im „Tal der Hundertjährigen“ erfreuen sich die Bewohner meist bis zu Ihrem Lebensende, das nicht selten weit über 100 Lebensjahren liegt, einer hervorragenden Gesundheit bei anhaltender Vitalität. Als „Geheimnis“ ihres langen Lebens wird angeführt: Im Hunzatal werden drei Dutzend verschiedene Marillensorten angebaut, die Einwohner ernähren sich schon seit Jahrhunderten von getrockneten Marillen und Beeren, Getreide, Nüssen und dem Öl der Marillenkerne, in das sie ihr Brot tauchen.

Betrachtet man die Heilwirkung von Marillen, so ist es kein Wunder, dass die Hunza eine längere Lebenserwartung haben: Marillen verlangsamen den Alterungsprozess, beschleunigen die Zellbildung, binden freie Radikale und verbessern das Blutbild. Sie helfen gegen Müdigkeit und Konzentrationsschwäche und sollen selbst schlechte Laune wegwischen. Außerdem kräftigen sie Schleimhaut, Haare, Haut und Nägel. Manche Hunza sollen eine so feine Haut haben, dass man das Blut in den Adern fließen sieht. Zusätzlich haben frische Marillen eine leicht kühlende und abführende Wirkung.

Ernte und Reifegrad

Nur baumreif geerntete Früchte haben einen voll entwickelten Geschmack. Bei früherer Ernte, wie sie für den Handel meist notwendig ist, bleibt die Frucht hart, trocken und aromaarm. Will man die Marillen sofort genießen, sucht man sich am besten vollreife und weiche Früchte aus - die schmecken am besten. Die Ernte in der Wachau dauert von etwa Mitte Juni (eher selten) bis Ende Juli.

Lagerung und Einfrieren

Marillen kühl lagern, sofern sie nicht innerhalb von 24 Stunden verzehrt oder verarbeitet werden. Marillen eignen sich auch sehr gut zum Einfrieren - ihr Aroma geht dabei kaum verloren. Damit eingefrorene Marillen nicht aneinander kleben, die Früchte zuerst lose auf einem Blech in den Gefrierschrank legen. Sobald sie gefroren sind, rasch in Plastiksackerl umfüllen. (Vene Maier)

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    foto: brennerei rochelt
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