So viel Super-Marillen wie noch nie

19. Juni 2007, 09:46
posten

Die Marillenernte 2006 ist so etwas wie ein botanisches Wunder: Qualität und Quantität wie noch nie wird aus den wichtigsten Anbaugebieten gemeldet. Eine Bestandsaufnahme von Vene Maier

Manchmal fragt man sich ja echt, ob da wirklich immer drin ist, was drauf steht: nämlich Wachauer Marillen. Aber immerhin können wir Sie – für heuer zumindest – beruhigen. Heuer ist alles besser, schöner und größer.

Zumindest was die Schnaps brennende Szene betrifft, sind alle Produzenten hochzufrieden. So viele und so schöne Früchte mit ganz tollen Aromawerten wurden schon lang, lang, lang nicht eingebracht. Das betrifft zwar nicht nur das Anbaugebiet der Wachau, aber nachdem die Marke „Wachauer Marille“ bekanntlich EU-mäßig geschützt ist, interessiert dieses Gebiet besonders.

„Wir hatten heuer die beste Ernte seit vielen Jahren“, sagt der Obmann der Wachauer Marillenbauern, Franz Reisinger. „Das betrifft sowohl die Qualität als auch die Quantität: Während die Durchschnittsernte der letzten 5 Jahre jeweils ca 2,5 Millionen Kilogramm betrug, hatten wir heuer eine Ernte von sensationellen 3,6 Millionen Kilo.“ Immerhin eine Steigerung um fast ein Drittel.

Drin ist, was draufsteht

Umgerechnet ergibt das die durchaus beachtliche Menge von 3.600 Tonnen. Was, wie man so sagt, kein Lercherl ist. So gesehen lässt sich auch leichter nachvollziehen, dass tatsächlich in all den vielen Marmelade-Gläsern und Schnapsflaschen das drin ist, was draufsteht.

Nehmen wir dazu ein paar Beispiele. Karl Holzapfel etwa hat ja schon immer nur Wachauer Marillen für seinen superben Schnaps verwendet. Bei ihm, der inmitten tausender Marillenbäume lebt, ist das weiter kein Wunder. Gleiches gilt natürlich auch für die Kamptaler Schnapsbrenner, namentlich für Otto Hotzy und Reinhard Wetter. „Wir hatten eine dermaßen tolle Ernte, dass die letzten verregneten Ernte-Tage nicht weiter ins Gewicht fallen“, sagt Hotzy, alias Prof. Mugen, dazu. „Wir hatten drei Wochen lange Hochsommer während der Erntezeit. Das ergab vollreife, hocharomatische und gesunde (null Fäulnis!) Marillen – besser geht's nicht, trotz der großen Ernte.“ Und fügt dann noch hinzu: „Wer heuer keinen gescheiten Marillenbrand zusammenbringt, ist selber schuld!“

Vom Baum direkt eingemaischt

Da sind aber auch Schnapsbrenner, die weit ab von der Wachau ihrer Profession nachgehen. Und trotzdem nur Wachauer Marillen brennen. Eines der glänzenden Beispiele dafür ist Tirols Edelbrenner Günter Rochelt. Schon seit vielen Jahren erntet er die Marillen in der Wachau, die gleich vor Ort, konkret unterm Baum, eingemaischt und im Maischbehälter nach Fritzens transportiert werden. Heuer war Rochelt, dem seit einigen Jahren mit Alexander Rainer ein junger Auskenner (und Schwiegersohn) zur Seite steht, fast an der Grenze seiner Kapazitäten angekommen. Das liest sich so:

„Das erste Mal erntete die Brennerei Rochelt heuer sowohl in der westlichen (Spitz und Spitzer Graben) als auch in der östlichen Wachau (Region Krems und Mautern). Beide Regionen verzeichneten dieses Jahr besonders hohe Erntemengen, begünstigt durch den durchwegs kalten Winter, die etwas spätere und problemfreie Blüte, und die Sonnenwochen im Juni und Juli. Die Früchte waren heuer sehr saftig und mit viel Aroma ausgestattet, hatten aber nur einen eher durchschnittlichen Zuckergehalt von cirka 13 KMW, was wir auf den verregneten Mai zurückführen.“

Das Aroma muss passen

Es ist natürlich schade für den Schnapsbrenner, wenn der Zuckergehalt etwas niedrig ausfällt, schließlich reduziert das die alkoholische Ausbeute. Wenn aber das Aroma passt, dann merkt das der Schnaps liebende Kunde nicht. Wenn gleichzeitig die Erntemenge groß ist, bleibt ja sowieso genug übrig.

„112 000 kg Marillen haben wir heuer eingebracht, soviel wie noch nie!“, freut sich Alexander Rainer. „Zum Vergleich die Ernte 2004: 11 000 kg, und 2005: 16 000 kg. Durch die vielen Sonnentage konnte die Marille sehr schön ausreifen, obwohl die Bäume aufgrund der hohen Fruchtmengen nicht in der Lage waren, alle Früchte auszureifen (grüne Marillen gab’s noch im August). Die Früchte waren sehr saftig und aromatisch, die Zuckergrade halt eher durchschnittlich. Was nicht weiter störte, die Gärung verlief kontrolliert ruhig und zügig – bereits nach knapp zwei Wochen konnte kein Zucker mehr in der Maische nachgewiesen werden.“

Großer Jahrgang kündigt sich an

Ist ja echt toll, kann man da nur sagen. Soviel Marille war noch nie, auch wenn die Ausbeute pro Kilo etwas geringer ausfällt. Aber wer’s richtig anlegt, kann sich seinen Anteil an Wachauer Marillen eben sichern. Und bei aller gesteigerten Menge, die schon fast das Zehnfache früherer Jahre ausmacht, beträgt der Anteil der Rocheltschen Marillen an der Gesamternte letztlich doch nur bescheidene 2,8 Prozent.

Und noch eins muss – wir erinnern an die Meinung von Prof. Mugen – gesagt werden: „Die ersten Feinbrände,“ stellt Rainer fest, „lassen auf einen großen Jahrgang schließen.“ Bei Rochelt allerdings frühestens 2009, vielleicht auch erst im Jahre 2011 erhältlich. Weil die Marille will etwas Ruhe, damit sie sich vom Streß der Ernte und der Verbrennung erholen kann.

Vom Vinschgau nach Lienz

Aber Marillen wachsen natürlich nicht nur in der Wachau und im Kamptal, sondern auch im Burgenland, in Ungarn und in Südtirol. Aus dem Vinschgau etwa lässt sich Rudolf Schwarzer die Marillen nach Lienz liefern, und auch er ist ob der Qualität der Früchte sehr erfreut: „Ich beziehe seit letztem Jahr die Marillen aus dem hinteren Vinschgau in Südtirol. Durch die Höhenlage (bis fast 1000 m) haben die Marillen etwas länger Zeit zu reifen (bis Mitte August). Dadurch haben die Früchte in der Regel einen wesentlich höheren Zuckergehalt (bis zu 17-18 Brix) als die Marillen aus dem Burgenland oder aus Ungarn.

Das Problem heuer war, dass die Reifefase zwar super begonnen hat (im Juli erwarteten alle eine Reife jenseits von Gut und Böse), aber leider hat es in der Endphase, den letzten beiden Ernte-Wochen, hineingeregnet. So ist der Zuckergehalt der Früchte bei 13-15 Brix stehen geblieben. Aber: Die Marillen sind trotzdem gleichmäßig ausgereift und es wird einen feinen Marillenbrand 2006 geben!“

Gut für die Konsumenten

Wir als Konsumenten freuen uns darob ebenso wie die Produzenten. Die Probe aufs Exempel machen wir dann nächstes Jahr, wenn die erste Phase der Ruhe und Veresterung einmal abgeschlossen ist. Aber nachdem Marillenbrände sich eher wie gute Bordeauxweine verhalten und je länger gelagert desto besser werden, können wir Schnapsliebhaber uns auf mehrere Jahre hohen Trinkvergnügens ohne wirklichen Engpass einstellen. Schöne Aussichten. (Vene Maier)

Zum Weiterlesen

Legendäres zur Marille

  • Artikelbild
    foto: brennerei rochelt
  • Artikelbild
    foto: brennerei rochelt
Share if you care.