Geyer: "Bedaure diese Entwicklung"

29. August 2006, 17:05
posten

Der Generaldirektor der Wiener Städtischen hält die weit gehenden Rechte der Refco-Gläubiger für "unangebracht"

Wien - Für den Chef der Wiener Städtischen Versicherung, Günter Geyer, ist das Thema BAWAG erledigt. "Wir haben die Verkaufsunterlagen studiert, Gespräche geführt", schilderte Geyer. Dann aber erfuhr er Unerfreuliches aus den USA: Dass den amerikanischen Refco-Gläubigern nämlich nicht nur Informationsrechte beim BAWAG-Verkauf, sondern darüber hinaus Einflussnahme auf die Preisfeststzung eingeräumt wurden. "Unangebracht", findet Geyer. Die Erste Bank sehe das so ähnlich.

Geyer wollte "österreichische Lösung"

"Ich bedaure diese Entwicklung", sagte Geyer. Noch dazu, wo in der BAWAG P.S.K. die Republik Österreich mehrfach involviert sei. Nicht nur wegen der Staatsgarantien, sondern vor allem weil über die Bank (seit der Übernahme der Postsparkasse) die Zahlungsverkehrskonten des Bundes liefen. Auch mit Blick darauf hätte Geyer eine "österreichische Lösung" für angebracht gesehen.

Die Absagegründe im BAWAG-Bieterverfahren will Geyer aber als "Paket" verstanden wissen. "Wir wären bereit gewesen, einen fairen Preis zu zahlen", sagte der Städtische-Generaldirektor. Er berichtete von "Signalen" aus der BAWAG, wonach eine Beteiligung der Städtischen an dem viertgrößten Bankhaus Österreichs dort sehr positiv gesehen worden wäre - als "langfristig österreichische BAWAG", wie Geyer es ausdrückt. Auch in Verbindung mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund.

Strategische Überlegungen weniger wichtig

In der Wiener Städtischen Versicherung wird bezweifelt, dass der in Finanznöten steckende ÖGB eine andere Wahl haben wird, als einen Höchstbieter für die BAWAG zum neuen Eigentümer zu machen. Geyer jedenfalls sieht angesichts des geringen finanziellen Spielraums des ÖGB den Spielraum für Interessenten, für die nicht nur der Preis, sondern vor allem das weitere strategische Konzept ausschlaggebend ist, als gering an.

Was den Preis für die BAWAG betrifft, so sieht der Vergleich mit den Amerikanern in der Insolvenzcausa Refco wie berichtet vor, dass 30 Prozent des 1,8 Mrd. Euro übersteigenden Verkaufserlöses an die Vergleichspartner zu zahlen sind. Dieser Betrag ist mit maximal 200 Mio. Dollar gedeckelt.

Kursziel erhöht

Die Investmentbank UBS hatte vor kurzem das Kursziel für die Aktie der Wiener Städtischen Versicherung nur von 55 auf 60 Euro erhöht und dazu von einem "BAWAG-Abschlag" gesprochen. Geyer dazu: Bei aller Wertschätzung für Analysten sollten derartige Formulierungen nicht überbewertet werden. "Davon lasse ich mich jedenfalls nicht beeinflussen".

Die Aktie der Wiener Städtischen hat an der Wiener Börse am Dienstag kurz vor 13 Uhr mit 48 Euro zunächst unverändert zu gestern notiert. (APA)

  • Wiener Städtische-Chef Günter Geyer sieht sich von Bawag PSK und Morgan Stanley benachteiligt
    foto: standard/andy urban

    Wiener Städtische-Chef Günter Geyer sieht sich von Bawag PSK und Morgan Stanley benachteiligt

Share if you care.