Salzburg will das ganze Jahr über Saison haben

30. August 2006, 09:50
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Salzburgs Touristiker legen sich die Latte hoch: Bis 2015 soll das Land zur Ganzjahresdestination werden

Salzburg - "Weg von der Zwei-Saisonen-Gesellschaft - Salzburg wird bis 2015 zur Ganzjahresdestination." So fasst Landeshauptmannstellvertreter Wilfried Haslauer (VP) das im neuen Tourismus-Strategieplan formulierte ehrgeizige Ziel der Salzburger Fremdenverkehrswirtschaft zusammen. Auch die Schallmauer von 23 Millionen Übernachtungen soll laut Haslauer bald durchbrochen sein. Im Tourismusjahr 2004/05 wurden landesweit rund 22,7 Millionen Nächtigungen gezählt.

Der Weg zur Dauerauslastung führt notwendigerweise über die charmant als "Nebensaison" umschriebenen schwachen Monate. Dabei kann Salzburg bereits auf ein erfolgreiches Produkt verweisen: Mit dem "Bauernherbst" ist es gelungen, den touristischen Sommer bis weit in den Herbst hinein zu ziehen. Während in den Nachbarbundesländern die Nächtigungen im September und Oktober seit 1996 gesunken sind, kann sich Salzburg über ein Plus von 3,6 Prozent freuen. Für den am Wochenende eröffneten 11. Bauernherbst sind heuer bis 26. Oktober rund 2000 Veranstaltungen geplant.

Kongresstourismus

Dem Messe- und Kongresstourismus wollen die Salzburger ebenfalls mehr Augenmerk schenken: Es entstanden vor Kurzem und entstehen nach wie vor in mehreren größeren Bezirksstädten wie etwa im Pinzgauer Saalfelden moderne Kongresszentren. Fremdenverkehrsressortchef Haslauer geht sogar davon aus, dass die Messen in Summe mehr Nächtigungen brächten als die Festspiele. Mit Zahlen belegen kann er dies derzeit freilich nicht, die Daten würden erst erhoben.

Auch bei anderen Themen will Salzburg seine Koordinaten etwas verschieben - etwa im Kulturbereich. Bestehende Festivals sollen zwar "abgesichert" werden, aber gerade für die Überseemärkte etwa wäre die Bewerbung mit dem Herz-Schmerz-Film "Sound of Music" von eminenter Bedeutung, merken Praktiker aus den Tourismusregionen an. Auch die Themen "Advent" und "Stille Nacht" sollen in Zukunft stärker ausgeschlachtet werden. Laut Strategieplan ist es jedenfalls dringend notwendig, neue Märkte zu gewinnen. Trotz einiger Erfolge in Osteuropa sei man immer noch zu sehr von den deutschen Gästen abhängig.

Im Angebotsbereich soll ebenfalls nachjustiert werden: Während das Hochpreissegment der Vier- oder Fünf-Sterne-Häuser boomt, bricht das Mittelsegment der Drei-Sterne-Kategorie langsam ein. Angebotsverbesserung bedeutet aber auch verbesserte Infrastruktur: So sind im Winter Leistungen wie Zubringerdienste in die Skiregionen tälerweise flächendeckend organisiert, für den sommerlichen Wandertouristen würden derartige Dienstleistungsketten nahezu vollkommen fehlen, heißt es vonseiten der Hoteliers aus traditionellen Wandergebieten. Immerhin gelten aber knapp die Hälfte der Sommertouristen als "Wanderfrischler". (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 29.08.2006)

  • Die Festspiele bringen Salzburg viel, der Kongresstourismus angeblich aber mehr
    foto: neumayr

    Die Festspiele bringen Salzburg viel, der Kongresstourismus angeblich aber mehr

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