Unfreiwilliges Betthupferl

9. Oktober 2006, 15:09
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"Offen gesagt" ist gescheitert - Kein Wunder, dass immer wieder Rufe nach dem legendären Club 2 laut werden

Angesichts des anstehenden Wechsels in der ORF- Führung hat DER STANDARD kürzlich in dieser Glosse seine LeserInnen aufgerufen, im etat.at-Forum (siehe dazu Postings zu Die Hoffnung lebt) mitzuteilen, was sie sich von der neuen ORF-Leitung wünschen würden.

"palantine", ein User von derStandard.at, hat folgendes Anliegen formuliert: "Die Plastiksendung Offen gesagt sollte abgestellt und durch ein kontroversielles Format ersetzt werden."

Allerdings! Es ist evident, dass Offen gesagt gescheitert ist. Das Publikum, dem offenbar ein Schweigegelöbnis abgenommen wurde, sitzt dekorativ sinnlos im Hintergrund und kämpft gegen den Schlaf. Wie am Sonntag zum Fall Kampusch wieder zu sehen war, sitzen, an unkommunikativen Hochtischen aufgefädelt, Gäste, denen Moderatoren Themenhäppchen zuwerfen und dabei oft wirken, als wären sie hierher strafversetzt worden. Kein Wunder, dass immer wieder Rufe nach dem legendären Club 2 laut werden.

Auch wenn es das nicht spielen wird – der ORF täte gut daran, wieder eine Diskussionsplattform zu etablieren, in der spannende Moderatoren ebensolche Themen diskutieren. Dann würde er auch wieder Diskutanten bekommen, von denen man nicht den Eindruck gewinnt, sie wären bestenfalls dritte oder vierte Wahl auf der Wunschgästeliste gewesen.

Gerade bei politischen Themen bekommt Offen gesagt ja kaum einen halbwegs relevanten Namen vor die Kamera. So gesehen ist es nicht mehr als ein unfreiwilliges Betthupferl für Erwachsene. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 29.8.2006)

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