Pille danach in Österreich zugelassen

21. Juni 2000, 18:30

Ungewollte Schwangerschaft kann bis zu 95 Prozent verhindert werden

Ein neues Präperat namens Vikela soll Frauen zukünftig nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr Schutz vor Schwangerschaft bieten. Die Pille danach www.pille-danach.at muss innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden, insgesamt werden zwei Tabletten verabreicht. Das Hormonpräperat enthält als Wirkstoff Levonorgestrel und ist in Österreich um 179 Schilling rezeptpflichtig in jeder Apotheke erhältlich.

Bis jetzt gab es in Österreich diesbezüglich keine tatsächlich zugelassenen Medikamente: Alternativ wurden von den Ärzten hochdosierte Pillen als Pille danach verabreicht.

Diskussion um die Rezeptpflichtigkeit

Diskussion herrscht nach wie vor rund um die Rezeptpflichtigkeit von Vikela: "In Frankreich ist es beispielsweise ohne Rezept in Apotheken erhältlich," sagte Franz Fischl von der Wiener Univ.-Klinik für Frauenheilkunde heute, Mittwoch, in Wien. Obwohl in Österreich die Gefahr eines Missbrauch angesichts der Krankenscheinpflicht und der Aufklärung in den Praxen weniger bestehe, sei, so Fischl, einem allzu leichtfertigen Umgang mit dem Medikament skeptisch gegenüberzustehen. "Das Lesen des Beipackzettels ist einfach zu wenig", ist Fischl überzeugt. Schließlich werden den Frauen hochkonzentrierte Hormonpillen mit Nebenwirkungen verabreicht, die Pille danach sei demnach keinesfalls als alternative Verhütungsmethode zu verstehen. Andererseits stellt der Krankenschein oft einen Zeitfaktor dar.

"Die Einnahme des Medikaments ist aus medizinischer Sicht keine Abtreibung, die für Frauen, vor allem für junge Mädchen, eine große psychische als auch physische Belastung darstellt", so Daniela Dörfler-Grassauer von der Wiener Univ.-Klinik für Frauenheilkunde. Immerhin seien ein Fünftel der Abtreibungspatientinnen in den westlichen Industriestaaten Teenager.

Die Pille danach verhindert den Eisprung bzw. das Einnisten des befruchteten Eis in die Gebärmutterschleimhaut, eine bereits bestehende Schwangerschaft könne aber nicht unterbrochen werden. Idealerweise erfolge die Einnahme der ersten Pille innerhalb von 24 Stunden, die zweite Tablette wird 12 bis 24 Stunden später eingenommen. Auf diese Weise könne, so Marion Kerschbaumer von Gerot Pharmazeutika, eine ungewollte Schwangerschaft zu 95 Prozent verhindert werden.

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr beträgt das Risiko schwanger zu werden 33 Prozent. Drei von zehn Frauen werden trotz Verhütung mindestens einmal im Leben ungewollt schwanger. Die meisten Abtreibungen werden von 25-Jährigen Frauen durchgeführt (40 Prozent). Levonorgestrel ist bis auf Spanien und Portugal im gesamten EU-Raum zugelassen. Weitere Information und Beratung für Teenager bezüglich Sexualität und Aufklärung gibt es unter: www.Firstlove.at (pte)

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