"Bawag beeinträchtigt SP-Wähler nicht"

31. August 2006, 09:13
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Gernot Polak, Bildungsreferent in Wien Ottakring, im derStandard.at-Interview über SPÖ-Basisarbeit

Liebknecht-Gasse, Wien Ottakring: Hier befinden sich die Sektionen "Sandleiten" und "Fuchsenloch" der SPÖ und hier verrichtet das Parteimitglied Gernot Polak (34) als Bildungsreferent Basisarbeit. Der gebürtige Burgenländer, den GenossInnen und FreundInnen "Kiefer" nennen (als "DJ Cifa" legt er auch Platten auf), hat das WU-Studium und diverse Bürojobs geschmissen, bei der Partei ist er geblieben. Im Brotberuf arbeitet er heute am Flughafen Wien-Schwechat beim Bodenpersonal - also auch an der Basis. Im Interview mit derStandard.at erklärt er, warum er sich politisch gerade für die SPÖ einsetzt und was er besser machen würde, hätte "Kiefer" mehr zu sagen. Das Gespräch führte Rainer Schüller.

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derStandard.at: Wieso engagieren Sie sich politisch?

Polak: Der Grund meiner politischen Tätigkeit ist mein Demokratieverständnis. Österreich war bekanntlich nicht immer eine Demokratie. Wenn man die Zeit nach 1945 betrachtet, sehe ich eine große Erfolgsstory bei der SPÖ, weil sie sich für den Menschen eingesetzt hat, vor allem für die Arbeiter.

derStandard.at: Wieso sind Sie Parteimitglied?

Polak: Weil ich denke, dass es einer aktiven Unterstützung der Partei und ihrer demokratiepolitischen Bestrebungen bedarf.

derStandard.at: Wie sind Sie politisch sozialisiert worden?

Polak: Mein Vater war Parteikassier, mein Großvater aus Neufeld an der Leitha war Maurer und Parteimitglied, mein Großvater mütterlicherseits aus Müllendorf war Landwirt und auch bei der Partei.

Nach meinem Wohnungswechsel nach Wien Ottakring hat sich die Nähe zur Partei bei mir durch Besuche von Veranstaltungen des Sektionslokales verfestigt. Der Sektionsleiter hat mich dann in einem Gespräch überzeugt, dass ich Parteimitglied werde sollte.

derStandard.at: Seit wann sind Sie genau Mitglied?

Polak: Seit 1.1.2003. Mein erster Versuch war jedoch schon am 11.11.2002, am Landesfeiertag meines Heimatlandes Burgenland, über Internet. Das hat damals aber leider nicht geklappt, weil unsere Partei noch nicht so internet-fit war.

derStandard.at: Haben Sie schon einmal einer anderen Partei Ihre Stimme gegeben?

Polak: Habe ich sehr wohl. Nachdem ich mich anfänglich an der Wirtschaftsuniversität versucht habe, kann ich ganz offen und ehrlich sagen, dass ich dem Liberalen Forum meine Stimme gegeben habe.

derStandard.at: Eine verlorene Stimme?

Polak: Nein, da ich die analytische Schärfe von Frau Dr. Schmidt sehr schätze.

derStandard.at: Wie wichtig sind für Sie Partei-Veranstaltungen?

Polak: Sehr wichtig. Wir hatten vor kurzem eine Bertolt Brecht-Veranstaltung, die für mich persönlich sehr interessant war. Vom kulturellen Standpunkt erspare ich mir dadurch den Weg ins Burgtheater. Ich muss aus dem 16. also gar nicht rausfahren.

derStandard.at: Die Veranstaltungen sind alle gratis?

Polak: Freier Eintritt und Spendemöglichkeit.

derStandard.at: Ist die Anrede "Genosse" und "Genossin" bzw. "Freundschaft" noch innerhalb der Sektion noch angesagt?

Polak: Durchaus.

derStandard.at: Werben sie auch selbst um neue Parteimitglieder?

Polak: Ja. Mein Ziel ist es, jedes Monat ein neues Mitglied zu werben. Das konnte ich bis jetzt einhalten.

derStandard.at: Das wären dann aber schon eine ganze Menge. Können Sie das auch belegen?

Polak: Ok. Ich muss zugeben, dass ich mein Ziel nicht ganz erreicht habe, aber ich gebe mir Mühe. Bis jetzt habe ich 11 geschafft.

derStandard.at: Ist es durch die Bawag-Affäre schwieriger geworden, Leute für die SPÖ zu begeistern?

Polak: Nein. Ich würde, sagen, das beeinträchtigt einen traditionellen SPÖ-Wähler nicht. Schließlich hat sich damals auch Konsum nicht ausgewirkt.

derStandard.at: Wenn Sie in der Partei mehr mitzureden hätten, was wäre Ihnen am wichtigsten?

Polak: Ich kann da nur unseren Vorsitzenden Alfred Gusenbauer zitieren, der gemeint hat, dass sich die Gewerkschaft und die Partei auf ihre ureigenste Arbeit konzentrieren sollen.

derStandard.at: Nun kandidieren aber entgegen Gusenbauers Aufforderung doch Spitzen-Gewerkschafter bei der Nationalratswahl. Kein Widerspruch?

Polak: Nein. Die werden sich nach der Wahl entscheiden müssen: Entweder Nationalratsmandat oder Gewerkschaftsposten.

derStandard.at: Gusenbauer ist mit seinem Ausschluss von Spitzengewerkschaftern aus dem Parlament ziemlich vorgeprescht. Fühlt man sich da als "einfaches Parteimitglied" übergangen, weil sowieso das passiert, was der "Große Vorsitzende" verkündet?

Polak: In der Sektion 15 war Franz Riepl eingeladen, der gleichzeitig im Nationalrat sitzt und Gewerkschafter ist, und der hat hier die Basis zu spüren bekommen.

derStandard.at: Inwiefern?

Polak: Indem ihm ganz klar gesagt worden ist, was viele von der Basis von den Vorfällen rund um ÖGB und Bawag halten.

derStandard.at: Und was halten sie davon?

Polak: Es ist offensichtlich, dass ein Herr Elsner sich hier bereichert hat. Aber das werden die Gerichte nun entscheiden.

derStandard.at: FPÖ-Chef Strache kann sich eine Bundeskanzlerin Gabi Burgstaller vorstellen. Sie auch?

Polak: Ich möchte die Meinung des Herrn Strache nicht kommentieren.

derStandard.at: Burgstaller hat gemeint, dass die SPÖ auch als Zweite in die Regierung soll. Soll sie?

Polak: Hier möchte ich dem Wählervotum nicht vorgreifen. Die SPÖ wird am 1. Oktober als die stimmenstärkste Partei hervorgehen und damit auch Regierungsverantwortung übernehmen.

derStandard.at: Wie hat Ihnen der SPÖ-Wahlkampf-Auftakt in der Stadthalle gefallen?

Polak: Prinzipiell sehr gut. Nur diese Signation mit dem Golfspielen hat mir nicht gefallen. Golf ist einfach zu teuer, das kann sich ja ein normaler Arbeiter nicht leisten. Das war mir zu abgehoben. Ich hätte da eher Fußball oder Tennis genommen. Ich muss das mal bei Gelegenheit mit dem Hans (Niessl, Landeshauptmann des Burgenlandes, Anm.) besprechen.

  • Gernot Polak, Bildungsreferent, vor der Sektion 15
    foto: derstandard.at/schueller

    Gernot Polak, Bildungsreferent, vor der Sektion 15

  • Polak: "Mein Ziel ist es, jedes Monat ein neues Mitglied zu werben."
    foto: derstandard.at/schueller

    Polak: "Mein Ziel ist es, jedes Monat ein neues Mitglied zu werben."

  • Bruno Kreisky und Viktor Adler an der Wand des Sektionsraumes
    foto: derstandard.at/schueller

    Bruno Kreisky und Viktor Adler an der Wand des Sektionsraumes

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