"Größtes Wirtschaftsverbrechen der Zweiten Republik"

21. Juni 2000, 17:24

Schadenersatzforderungen gegen die Gutachter geprüft

Eisenstadt - Die Bank Burgenland sei eindeutig Opfer eines der größten Kriminalfälle der Wirtschaftsgeschichte der Zweiten Republik und "eines der größten Wirtschaftsverbrechen des Burgenlandes", konstatierte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bank Burgenland, der Industrielle Werner Frantsits, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den erst vor zwei Monaten bestellten neuen Vorständen des Institutes, Gerold Stagl und Oswald Koller, am Mittwoch in Eisenstadt. Man sei von Walter Alexander Thom alias Gualterio Alejandro Hom-Rusch "tatsächlich perfekt getäuscht worden".

Laut Frantsits hat es alle üblichen Vorlagen gegeben, die man bei Krediten an Unternehmen einfordert. Tatsächlich hat Hom-Rusch nur vorgetäuscht, dass die Bilanzen von einem namhaften Wirtschaftsprüfer testiert wurden. Im Zuge der Erstellung des Jahresabschlusses 1999 musste festgestellt werden, dass die Wirtschaftsprüfungskanzlei 1994 oder 1995 lediglich eine Gründungsprüfung durchgeführt hat. "So dürfte die Firma in den Besitz der Stampiglie und der Unterschrift gekommen sein", vermutet Vorstandsdirektor Stagl.

Neben der Fälschung von Bilanzen und Bilanztestaten hat es auch die Fälschung von Anwaltsbriefen sowie unrichtige Sachverständigengutachten über Liegenschaften - sie sind nur zehn Prozent der in den Gutachten genannten Summen wert - gegeben. In diesem Zusammenhang werden Schadenersatzforderungen gegen die Gutachter geprüft. Die Bank wurde auch über das eingebrachte Eigenkapital getäuscht. Frantsits: "Laut Bilanzen fast 500 Mill. S - fast ein Eigenkapitalkaiser." Tatsächlich wiesen die Unternehmen hohe Verluste auf.

Die Großaktionäre werden, solange negative Salden aus Hom-Rusch resultieren, keine Dividende bekommen. Der Aufsichtsratschef geht auch davon aus, dass dem Steuerzahler keine Kosten entstehen. Die Ansicht, dass 2,3 Mrd. S an Steuergeldern aufzuwenden seien, sei grundfalsch, betonte er. (APA)

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