Paul Smart und die Frau Lektorin

20. Februar 2007, 20:21
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Ein jetzt schon kultiges Motorrad von Ducati - Streng limitiert auf 2000 Stück - Guido Gluschitsch durfte wieder einmal

Ich sitze in der Redaktion und gebe mich gemütlich dem Nachmittagsschläfchen hin, als das Telefon scheppert. Himmel aber auch. Dran ist eine Frau, die ich schon länger nicht getroffen habe. Auch nicht gesehen. Gar nix. "Was ist, Brezenbär, gehört die Ducati vor der Tür dir?" Ich sammle mich und frage einmal, wie ich zu der Ehre komme, angerufen zu werden. "Lenk nicht ab, Buberl, bist du mit der Paul Smart unterwegs?"

Ich erklär der gnä’ Frau, dass, ja, Ducati mir eine der auf 2000 Stück limitierten Ducs zur Verfügung gestellt hat. "Setz deinen Helm auf, Kapernsucher, aber bevor du aus der Tür kommst, und lass dich von mir herbrennen."

Eh klar. Da steht unten vor der Tür eine Frau, die mir seit Jahren jeden klaren Gedanken unmöglich macht. Sie sitzt auf ihrem Eisen und will mir zeigen, wo der Herr Bartl sein Vergorenes (Most sagt man, und herrenlos. Anm. d. Frau Lektorin) holt. "Gnädigste, wissen S’, es ist grad ein bisserl ungünstig. Ich muss arbeiten und danach sollte ich ein paar Fotos machen, mit dem Eisen. Nicht, dass ich Ihnen nicht gerne die Ehre geben würde ...".

Die gnä’ Frau weiß aber eh, dass ich zu ihr nie "Nein" sagen kann. Sie räuspert sich. Das ist das Zeichen, mich auf den Weg zu machen.

Bei der Ducati angekommen, versuche ich, Madame zu begrüßen. "Sülz nicht herum, Kleiner, das hat dich bei mir noch nie weiter gebracht," sagt sie, bevor sie ihr Eisen anwirft. Mit dem Drehmoment von 91,1 Nm aus 992 ccm (Zweizylinder in L-Form mit zwei desmodromisch gesteuerten Ventilen pro Zylinder) hatte ich gute Karten. Mit den 92 PS würde ich auch leistungsmäßig das schwarze Gift der harschen Schönheit locker im Sack haben.

Wir verlassen Wien in Richtung einer gepflegten Koffeintankstelle. Doppelter Vorteil: man wird dort nicht mit dem üblichen Gschlodder abgeschasselt und der Weg dorthin ist kurvenreich. Bei einem Bahnübergang taucht eine schwarze Superduke neben uns auf. Der Pilot versucht, sich dezent im Hintergrund zu halten. Ich weiß, was der will. Mitspielen. Ob wir ihn lassen sollen?

Der Zug fährt durch, die Schranken öffnen sich, wir zuckeln durch das Ortsgebiet. Die Duke immer brav im Schatten. Nur, jede Ortschaft geht irgendwann zu Ende. Am Schild mit dem durchgestrichenen Kaffnamen drücken die Hübsche und ich die Ellenbogen rasch Richtung Boden. Eine wilde Kurvenhatz beginnt. Die Duke ist wenige Kurven später nicht mehr zu sehen.

Nur mehr ein Duell ist im Gange. Ausgestreckt auf der Ducati – die Sitzposition ist extrem, irgendwo zwischen supersportlich und Streckbank, sehr fein, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat – versuche ich, mit der wilden Hübschen mitzuhalten.

Die Paul Smart macht gute Figur. Ich meine, abgesehen davon, dass sie unendlich edel aussieht. Retro ist ja nicht jedermanns Sache. Meine auch nicht. Aber die Ducati? Na locker. Die würde schon ganz gut in die Garage des Erstgeborenen meiner Eltern passen. Ich steh auf den grünen Gitterrohrrahmen, der ziemlich weich aussieht und in echt aber steif ist, dass Pfizer neidisch wird. Vielleicht hätten sie auch eher ins Grüne färben sollen. Egal, mir zumindest.

Wo waren wir? Ach ja, Rahmen. Na, wenn S’ mich auch immer ablenken. Jedenfalls, nach dem Rahmen kommt die Schwinge: Oversize Stahlrohr mit 60 mm. Monoshock links. Von Öhlins. Verrichtet ausgezeichnet sein Werk. Zur Rechten haben wir dagegen zwei schwarze Doppelschalldämpfer. Nicht ganz so schmuck wie der Rest von der Paul Smart, aber ok. Geschmacksache.

>>>Nicht voll im Bilde

Vorne spielt eine Up-Side-Down-Gabel ihre Stärken aus. Auch Öhlins. Tod und Teufel haben die verbaut. Die Instrumente schauen klassisch aus, verrichten aber ihren Dienst nach heutigen Maßstäben. Sogar die Halbschale kann mehr als nur gut aussehen. Ah ja, ich sollte natürlich erwähnen, dass die Retro-Duc von der 750er Imola inspiriert ist, mit welcher der smarte Paul 1972, als ich noch im Wurstkessel wütete, schon die 200 Meilen von Imola gewonnen hat.

Jetzt muss das schon edel aussehen, wenn dir so ein vermeintliches Uraltgefährt um die Ohren tscheppert. Das ist der Genuss, den ich mir nicht gönnte. Aber auf dem Weg zum Wirten haben wir alles gerichtet, was sich in den Weg stellte. Gegenwehr zwecklos. Müssen S’ Ihnen nämlich vorstellen, dass die Paul Smart schon zu fahren ist wie ein ganz modernes Motorrad. Doppelscheiben-Bremsen vorne, Scheibenbremsen hinten, der steife Rahmen. Das hat nix mit der Retro-Nudlerei auf einer W 650 zu tun. Die Duc macht keine halbe Sachen.

Einziger Nachteil bei der kleinen Ausfahrt war, dass ich keine Kamera mit hatte. Es also keine Fotos davon geben würde. So gesehen störte es eigentlich gar nicht, dass ein neuerliches, schrilles Telefonscheppern mein genüssliches Nachmittagsschläfchen beendete. Die Frau Lektorin. Befiehlt mich eiskalt vors Türl in der Herrengasse. Und schimpft fürchterlich über das in ihren Augen riesige Manko der Paul Smart. "Die haben nicht wirklich einen Einsitzer gebaut, oder?" Doch, haben sie.

Der Herr Smart Pauli hat ja seine Liebste damit in Imola nicht zum Bauernmarkt geführt. Da war hinten kein Kuscheleck erforderlich. Packelträger unnotwendig (Du willst damit aber nicht ausdrücken, dass du mit MIR ein Pinkerl zu tragen hättest, Pfeife? Anm. d. Frau Lektorin). Da geht es um schnell und schön.

Apropos schön: die Frau Lektorin sollte mir noch in anderer Hinsicht sehr nützlich sein, ohne mein Gestammel korrigieren zu müssen. Denn die Kamera lag bei der wilden Ausfahrt im Schreibtischladl. Kurzerhand hab ich die Frau Lektorin gezwungen, ein bisserl auf der Ducati zu posen. Sex sells (Schauma, obst die Leser net fadisierst. Anm. d. Frau Lektorin). Und jetzt braucht mich wenigstens niemand mehr fragen, wie sie denn aussehe, die Korrigierende.

Wie gut die Paul Smart in den Kurven liegt, hab ich ihr halt nur erzählen können. Dass ich sie (die Paul Smart, oder? Anm. d. Frau Lektorin) gerne auf der Rennstrecke gefahren wäre, auch. Aber ist eh besser, dass nicht. Weil wenn mir das Radl in einer Kurve auskommert würderte, taterte ich schon ein wenig herumraunzen (Nein, das lass ich, soll nur jeder sehen, welch schwere Bürde ICH allwöchentlich zu tragen hab. Anm. d. Frau Lektorin). Limiteds zerstört man nicht. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 29.8.2006)

Ducati Paul Smart

Preis: EUR 17.495,-

Motor: Luftgekühlter V2-Zyl. Motor. Hubraum: 992 ccm. Leistung: 67,7 kW/92 PS bei 8000 U/min. Max. Drehmoment: 91,1 Nm bei 6000 U/min. Antrieb: Kette, 6-Gang-Getriebe. Bremsen: Zwei Scheiben vorne, eine hinten. Sitzhöhe: 825 mm. Trockengewicht: 181 kg. Tank: 15 l.

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Ducati

  • Drei, die sich verstehn: Duden, Duc, Lektorin.
    foto: gluschitsch

    Drei, die sich verstehn: Duden, Duc, Lektorin.

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