Sparsam statt moralinsauer

31. August 2006, 15:41
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Die Auto-Umweltliste sorgte früher für Streit zwischen Grünbewegten und Autolobby - Heute finden sich im Ranking auch spaßorientierte Sparmodelle

Vor fast 20 Jahren veröffentlichte der Verkehrsclub Schweiz erstmals seine Auto-Umweltliste. Sie wirkte ein wenig handgestrickt und rief bei Autoexperten helle Empörung hervor. Gerade erst war durch die Katalysatoreinführung ein großer Sprung in Richtung schadstoffärmere Fahrzeuge geschafft: Zehn neue Autos produzierten so viele Schadstoffe wie ein altes. Und dann das: ein weiterer Schrei nach schadstoffärmeren Autos.

Der folgende Verlauf der Geschichte zeigt, dass diese Forderungen alles andere als utopisch waren. Heutige Abgasgrenzwerte sind noch um ein Vielfaches strenger als damals.

Keine Ruhe

Und jetzt? Der schweizerische, der deutsche und der österreichische Verkehrsclub geben noch immer keine Ruhe. Aus Sicht der Autofahrerlobby gelten die Grünbewegten weiterhin als äußerst unbequem. Die Umweltliste gibt es nach wie vor. Das Engagement zur Verbesserung der Umweltsituation bleibt ungebrochen.

Allerdings: Die Clubs sind mit ihrer Aufgaben gewachsen. Sie schießen immer wieder einen Ball weit in den gegnerischen Strafraum, um dann ein tapferes Match zu spielen, mit kleinen Fouls auf beiden Seiten. Jüngste Annäherung: Dieselautos waren wegen des Rußpartikelausstoßes bei den Verkehrsclubs verpönt, fanden trotz geringster Verbräuche nicht einmal Aufnahme in die Auto-Umweltliste. Mit zunehmender Verbreitung des Partikelfilters haben nun auch Dieselfahrzeuge ei-ne Chance, unter den umweltfreundlichsten Autos mitzumischen.

Stärker als Gesetz

Bei allen Diskussionen im Detail, die Generalrichtung stimmt offenbar: Es ist von den Verkehrsclubs ausgegangen, dass heute Dieselautos ohne Partikelfilter nur mehr schwer verkäuflich sind. Was als Marketingtrick französischer Autohersteller (erster serienmäßiger Rußfilter von Peugeot/Citroën) begann, hat sich zu einer öffentlichen Meinung hochgeschaukelt, die stärker ist als das Gesetz.

Was mit den Appellen der Appellvereine, von den klassischen Autofahrerklubs bis zum Kuratorium für Verkehrssicherheit nicht gelingt, schaffen offenbar die Aktivisten der Verkehrsclubs, ohne den Begriff Sparsamkeit an den Autobahnen zu plakatieren, ohne überhaupt auf die Straße zu gehen.

Effiziente Arbeit

Das Geheimnis: Eine außergewöhnlich effiziente Öffentlichkeitsarbeit und engagiertes Lobbying an der Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Politik. Der VCÖ schafft es mit einem vergleichsweise winzigen Team öfter in die Schlagzeilen als die mächtigen Apparate einseitiger Interessenvertretungen.

>>>Kein Masochismus

Deshalb wird auch die gerade erst erschienene Auto-Umweltliste nicht nur Feinstaub aufwirbeln. Das Ergebnis vorab: Die beiden Hybrid-konzepte von Honda und Toyota sind eindeutige Sieger. Echte Schwächen kann man der Bewertung heute nur mehr schwer nachsagen. Die Kriterien wurden im Auftrag des VCD 1997 vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) neu entwickelt und mehrmals verfeinert.

Allein aufgrund der auch für puristische Autoexperten nachvollziehbaren Ergebnisse ist anzunehmen, dass diese Liste über alle ideologischen Grenzen hinweg ernst genommen wird. Was aber besonders wichtig ist: Sie ist eine wirklich brauchbare Entscheidungshilfe für umweltbewegte Autofahrerinnen.

Ein Hang zum Verzicht oder gar zu autofahrerischem Masochismus ist nicht mehr notwendig, ganz im Gegenteil, da sind schon sehr fröhliche und auch imageträchtige Autos darunter, etwa der Audi A3 TDI Hatchback (vierter unter den Kompakten) oder der Mercedes A 150 (achter unter den Kompakten).

Gesamtsieger Honda Civic

Selbstverständlich liegen die modernen Kleinwagen in der Gesamtwertung ganz vorn, zusätzlich eben Toyota Prius Hybrid als bestes Familienauto und Gesamtzweiter oder der Honda Civic Hybrid als bester Kompakter und Gesamtsieger.

Abschließende Bemerkungen zur Hybridtechnik: Der technische Aufwand ist groß, auch der Preis liegt ausstattungsbereinigt deutlich über der herkömmlichen Konkurrenz.

Vorteile im Stadtverkehr

Unschlagbar im Verbrauch und Abgasverhalten sind die beiden im zähen Stadtverkehr. Für 130-km/h-Autobahn-Langstreckenpendler bringen sie wenig. Angesichts unabsehbar steigender Spritpreise rentiert sich der hohe technische Aufwand für Sparkonzepte immer öfter. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 25.8.2006)

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    collage: carl lux
  • Führt die Umweltliste an: Der Honda Civic Hybrid.
    foto: werk

    Führt die Umweltliste an: Der Honda Civic Hybrid.

  • Bei den Familienautos voran: der Toyota Prius.
    foto: werk

    Bei den Familienautos voran: der Toyota Prius.

  • Die Top Ten des VCD.
    quelle: vcd

    Die Top Ten des VCD.

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