Eine runde Sache

26. August 2006, 17:00
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Mozartkugeln im Test: Fast ein Dutzend sind in Österreich erhältlich. Alle unterscheiden sich in der Aufmachung und im Geschmack

Vier unerschrockene Süßmäuler haben sich durch das Sortiment gekostet, um herauszufinden, welcher die goldene Kugel gebührt. Bei der Verkostung wurden folgende Kriterien berücksichtigt: Verpackung (Eignung als Mitbringsel), Handling (Lösbarkeit des Stanniolpapiers von der Kugel), Form der nackten Kugel, der Aufbau im Inneren und - natürlich am wichtigsten - der Geschmack. Zur Bewertung wurden schließlich jeweils 0 bis 4 Kugeln vergeben und der Durchschnitt daraus ermittelt.

Die Enttäuschung: Hofbauer

Der Name Hofbauer bürgt für Qualität, nur in Sachen Mozartkugeln kann der Groß-Confiserieerzeuger aus der Lindt-&- Sprüngli-Gruppe mit der Konkurrenz leider nicht mithalten. Die Verpackung ist sehr ansprechend und steht in zwei Varianten zur Verfügung: Die rote Hülle beherbergt Kugeln mit Zartbitterschokoladenüberzug, die blaue Milchschokolade. Die Kugel selbst hat eher die Form einer Mini-Schwedenbombe. Was aber schwerer wiegt, ist der winzige Nougatkern im Inneren und der tiefe Griff in den Marzipanbottich rundherum: Die Hofbauer-Kugel wird geschmacklich vom Marzipan vereinnahmt, mundet fast etwas mehlig, scharf im Abgang und konnte keinen der Tester überzeugen. 1 angebissene Kugel

Die besoffene Geschichte: Die "echte Reber"

Es gibt neben der gemeinsamen Sprache etliche Dinge, die Deutsche und Österreicher voneinander trennen. Dazu gehört vermutlich auch die Vorstellung davon, wie Süßigkeiten im Allgemeinen und Mozartkugeln im Speziellen schmecken sollten. Die "echte Reber-Mozartkugel" aus Bad Reichenhall ist die meistverkaufte Mozartkugel in Deutschland. Auf dem Einwickelpapier steht provokativ in Richtung österreichisches Nationalheiligtum: "Mozart war Europäer", auch die Form ist etwas verunglückt (siehe Mini-Schwedenbombe). Unter der Schokoladenschicht wird ein recht großer Nougatkern von einer Hälfte hellem und einer Hälfte grünem Marzipan eingefasst. So weit, so gut. Die große Überraschung erlebt man aber, wenn man hineinbeißt, denn irgendjemand ist bei Reber auf die Idee gekommen, die Mozartkugel mit (Mandel?-)Likör zu verfeinern, dessen Geschmack sich im Mund bitter ausbreitet. Gewöhnungsbedürftig. 1 ausgepackte Kugel

Das Grazer Kuckucksei: "Mozart(?)Kugel"

So wie Mozart frei von der Leber(-wurst) weg von der Lebensmittelindustrie vereinnahmt wird, versucht nun die Performance-Künstlerin Irene Andessner Terrain zurückzugewinnen: Sie brachte im Jänner 2006 im Rahmen eines Kunstprojekts der "Werkstadt Graz" eine händisch gefertigte "Mozart(?)Kugel" auf den Markt. Auf der edlen Staniolhülle prangt allerdings nicht Mozarts Konterfei, sondern das von Irene Andessner in Mozart-Pose. Die Kugel selbst ist so groß wie ein Golfball, riecht nach Kochschokolade und enthält einen kleinen Marzipankern in einer Nougathülle, in der kleine Pistazienstückchen stecken. Geschmacklich dominiert die Haselnuss, in der Konsistenz das Überüppige. 1 ½ Kugeln

Mittlere Mozartkompetenz: Manners Austria

Die Manner AG hat zweifellos große Schnittenkompetenz, ihre mit dem Hause Victor Schmidt zugekaufte Mozartkugelkompetenz ist allerdings eher dürftig. Das Äußere der "Austria Mozart- kugel" ist nicht souvenirtauglich: Die Kugeln sind so schlecht eingewickelt, dass Mozart auf den verwuzelten Bildern schielt und wie ein Schwachkopf aussieht. Auch die Gestalt der Kugeln, die sich in den 20-Stück-Verkaufssäckchen durch ihr Eigengewicht deformieren, tendiert ins Eierhafte. Im Querschnitt fällt auf, dass der zweifärbige Marzipanmantel um den Nougatkern von zwei dünnen Schichten Schokolade umgeben ist: Einer dunklen außen und einer hellen innen. Das ist schön anzusehen und schmeckt auch brauchbar, vor allem nach Haselnuss, Marzipan und wieder Marzipan. 1 ½ Kugeln

Die fast Echte: Hofers Salzburger Kugel

Die Firma "Rajsigl" im Salzburgerland firmiert als Erzeugerin der "Salzburger Mozartkugel", die bei Hofer erhältlich ist. Dahinter verbirgt sich - Überraschung! - die Firma Mirabell, die Mutter aller österreichischen Mozartkugeln. Die Hofer-Kugeln sind schlicht verpackt und von der Form her so rund, dass sie sich auch als Ersatzball beim Tischfußball eignen würden. Der Mozart auf dem Kugelbild ist ziemlich hässlich, es dürfte sich also um ein authentisches Abbild handeln. Im Querschnitt enthüllt sich ein Nougatkern, der von Marzipan und dunkler Schokolade der billigeren Art eingefasst wird. Auch geschmacklich dominiert der Nougat, umspielt von einem Geschmack wie nach Lebkuchengewürz. Sehr süß, sehr zuckrig und etwas scharf im Nachgeschmack. 2 Kugeln, davon 1 ausgewickelt

Die Lidl-Undercoverkugel

Die bei Lidl erhältliche "Mozart-Kugel" ist die Einzige, die auf ein Porträt des Komponisten auf dem Staniolpapier verzichtet. Auf den ersten Blick macht sie einen entsetzlichen Eindruck ("grauslich zertatschgert!"), vom Geruch her erinnert sie an eingeschmolzene Schoko-Osterhasen, die in Marzipan getunkt wurden, und aufgeschnitten kann sie nicht mehr verhehlen, dass sie aus der gleichen Fabrik stammt wie die "Austria Mozartkugel": Da wie dort findet sich helleres und dunkleres Marzipan als Mantel um den Nougatkern, da wie dort zwei dünne Schokoschichten drumherum, nur dass der Nougatkern in der Lidl-Variante dunkler ausfällt als in der Austria-Variante. Freunde des Marzipans kommen bei der Lidl-Kugel voll auf ihren Geschmack. Die Tester waren sich einig, dass die Lidl- der Austria-Kugel am Gaumen um eine Spur überlegen ist. "Unausgewogen, aber gut", meinte ein Tester. 2 Kugeln

Die so genannte Echte: Mirabell

Wenn es um die Eignung als Souvenir geht, dann ist "Die echte Salzburger Mozartkugel" von Mirabell kaum zu schlagen. Sie ist ansprechend eingewickelt, in vielen verschiedenen, hübschen Verpackungsvarianten erhältlich und praktisch überall zu kaufen. An der Kugelform wurde offenbar jahrelang getüftelt - sie kann als perfekt gelten; und auch das Innenleben enthüllt, dass man einen besonderen Anspruch zu verwirklichen trachtet: Im Innersten wird die Mirabell-Kugel nicht von einem Nougat-, sondern - wie sich's gehört - von einem Marzipankern zusammengehalten. Dieser Kern wird von eine Schicht dunklem Nougat und einer Schicht hellem Nougat umhüllt, und das Ganze ist mit dunkler Schokolade versiegelt, die wohlwollende Kindheitserinnerungen an Schoko-Adventkalender und Christbaum-Süßigkeiten weckt. Der Geschmack der Mirabell-Kugel wird deutlich, aber nicht ungut, von der Haselnuss dominiert. Insgesamt empfiehlt sich diese Mozartkugel allen, die an akutem Zuckernotstand leiden, denn sie ist sehr, sehr süß. 3 Kugeln, davon 1 angebissen

Die Mozartplombe: Heindl's Praline

Nicht nur, dass Mozartkugeln nichts mit Mozart zu tun haben; manche von ihnen haben auch mit der Kugel nichts zu tun. Im vorliegenden Fall ist das unerheblich, denn diese "Mozartkugel" aus dem Hause Walter Heindl überzeugt durch ihren Geschmack und dezidiert nicht durch ihre Form, die an einen Heizkörper-Thermostatknopf in Miniaturausführung erinnert. Auch der Mozart auf der Verpackung ähnelt eher dem französischen Schauspieler Daniel Auteuil denn dem österreichischen Komponisten. Die Schokoplombe, mit der je eine weiche Schicht Nougat und Pistazien-Marzipan versiegelt ist, bricht beim Reinbeißen regelrecht auf, aber auch das sieht man der Heindl-Praline nach: Sie ist die saftigste von allen und weckt ein ausgewogenes Marzipan-Nuss-Schokoempfinden im Mund, das entfernt an Marzipan-Dominosteine erinnert. Kurz: Sie schmeckt köstlich! Originell ist dafür die Angabe der Zutaten auf der Verpackung. Dort steht nämlich nach der Aufzählung "Zucker, Kakaomasse, Mandeln, Haselnüsse" etc. noch im Nachsatz: Kann Spuren von Nüssen enthalten. - Na, hoffen wir's. 3 abgeflachte Kugeln

Die Eine und Einzige: Fürst's Original

In einem Punkt bringt dieser Test nichts Neues, nämlich in dem Ergebnis, dass in vergleichbaren Versuchsanordnungen die "Original Mozartkugel" der Konditorei Fürst in Salzburg die Konkurrenz stets hinter sich lässt. Dies ist das Vorbild aller anderen Mozartkugeln, und wenn man die Fürst'sche Kugel einmal gekostet hat, dann weiß man endlich, warum die Mozartkugel an sich überhaupt so beliebt werden konnte, wie sie ist. Die nach einem Originalrezept des Urgroßvaters nach wie vor handgefertigte Delikatesse zeichnet sich durch eine sehr dünne, cremige Bitterschokoladenschicht aus, unter der eine leichte, schokoladige Nougatschicht liegt, die wiederum einen Pistazienkern birgt. Alles ist von edelster Qualität: Die Schokolade schmeckt nicht nach Kochen, sondern nach Kakao, und sie kleidet den Mundraum samtig aus, auf dass sich die Aromen von Nougat und Marzipan dort leidenschaftlich vereinigen können. Das Zartbittere und das Süße halten sich harmonisch die Waage, mit nur einem Biss wird man in eine schönere Welt versetzt. "Das ist das wahre Leben!", rief einer der Tester spontan aus. Fazit: Besser geht's nicht. 5 von 4 möglichen Kugeln.

Resümee: Nehmen Sie davon Abstand, diesen Test zu Hause nachmachen zu wollen! Nach drei Mozartkugeln beginnt der Magen seltsam zu reagieren, nach vier Kugeln ist Ihnen garantiert schlecht. Ungefähr bei dieser Dosis führt auch der gefährlich überhöhte Blutzuckerspiegel zu unkontrollierten Heiterkeitsanfällen. Interessanterweise verkehrte sich die Liebe zu Mozartkugeln bei den Testpersonen in ihr jeweiliges Gegenteil: "Vor dem Test haben mir alle Mozartkugeln geschmeckt. Jetzt wird es nie mehr so sein!", meinte eine Testerin. Umgekehrt erging es jenen beiden Versuchspersonen, die als Mozartkugelskeptiker ins Rennen gingen: Sie wissen nun, welche Mozartkugeln tatsächlich Suchtfaktor in sich bergen. (Werner Schandor, Der Standard, Printausgabe 26./27.8.2006)

Der Autor leitet eine PR-Agentur in Graz und isst nur noch Zuckerln. Herzlichen Dank an die Testesser Bettina Absenger, Almut Schandor und Hannes Luxbacher! *Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der Autorinnen wider.
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