Verwahrlosung im ORF - "Thema Spezial" zum Fall Natascha Kampusch

9. Oktober 2006, 15:09
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Quotengierig, also ohne jede Scham und Pietät dem Thema gegenüber, wurden hier Dinge ans Licht gezerrt und als Berichterstattung verkauft

Eine oftmals fehlende Widerstandskraft gegenüber dem Unterirdischen ist man beim ORF ja gewohnt: Siehe etwa Arabella Kiesbauer, die wegen ihrer Einsatzbereitschaft für alles und jedes in dieser Glosse oftmals "Spezialistin für alles" genannt wurde.

Was bei Sendungen wie Starmania und ähnlich seichten Lackerln zwar auch schon ein Zeichen für die qualitative Verwahrlosung des ORF bedeutete, aber sich wenigstens immer wieder selbst überführte. Wir erinnern uns nicht ohne Schadenfreude an ihre Frage an Hubert von Goisern, ob er in Tibet auch den Dalai-Lama getroffen habe ...

Wie sehr diese Verwahrlosung selbst noch halbwegs Qualität versprechende Sendungen erfasst hat, zeigte am Donnerstagabend ein "Thema Spezial" zum Fall Natascha Kampusch.

Quotengierig, also ohne jede Scham und Pietät dem Thema gegenüber, wurden hier Dinge ans Licht gezerrt und als Berichterstattung verkauft. Der Tiefpunkt: Ein Interview mit einer jungen Polizistin, die Kontakt mit der von der Öffentlichkeit abgeschirmten Natascha Kampusch hatte und deshalb vom ORF gleich als "Spezialistin" befragt wurde. Hier brüllte erstens die Frage aus dem Fernseher, wer dieser Beamtin das Recht gibt, zu laufenden Ermittlungen quasi ihr eigenes Auskunftsbüro zu betreiben.

Zweitens: Wie informationsnotgeil muss der ORF sein, dass er einer selbst etwas überfordert wirkenden und sprachlich – na ja – mäßig eloquenten Beamtin die Frage stellt, ob Natascha Kampusch ihrer Meinung nach missbraucht worden sei oder nicht. Um anschließend die Kaffeesudleserei dieser "Expertin" ins ganze Land auszustrahlen. Unfassbar! (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.8.2006)

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