"Ich fand Dr. Sommer toll"

22. Juni 2007, 14:39
76 Postings

"Ist mein Glied zu klein?" - Für Eveline von Arx vom Dr. Sommer-Team immer wieder spannend, erklärte sie im STANDARD-Interview

STANDARD: Laut "Bravo"-Studie glauben zwölf Prozent der Jugendlichen, vom Küssen könne man Aids bekommen. Was haben Sie falsch gemacht?

Arx: Aids kommt in den Medien nicht mehr so oft vor. Das ist der Auftrag an uns, das Thema nicht zu vernachlässigen.

STANDARD: Trotzdem: Zwölf Prozent sind falsch informiert.

Arx: Sie wissen es einfach nicht. Ich halte es für bedenklicher, dass sich 42 Prozent dazu überhaupt keine Gedanken machen.

STANDARD: Warum die Gleichgültigkeit?

Arx: Jugendliche haben heute viele Sorgen und Ängste. Wir nehmen das immer wieder auf, vor allem wenn es um Verhütung geht, informieren wir immer, dass nur das Kondom vor einer Infektion schützt.

STANDARD: Dann kommen Ihre Ratschläge einfach nicht an?

Arx: Das Dr.-Sommer-Team ist immerhin auf Platz drei der Informationsquellen in Sachen Aufklärung.

STANDARD: 30 Prozent der Mädchen spielen einen Orgasmus vor. So richtig scheint auch die sexuelle Befreiung noch nicht gegriffen zu haben?

Arx: In dem Alter geht es bei den Buben sehr schnell beim Sex, und wenn die Mädchen in der kurzen Zeit nicht zum Orgasmus kommen, denken sie gleich, sie seien nicht normal.

STANDARD: Wie oft im Jahr darf das Problem „Alle hatten schon Sex, nur ich nicht" behandelt werden?

Arx: Es gibt keine Regel. Wir schauen, dass wir die Themen nicht von Ausgabe zu Ausgabe wiederholen. Aber wenn die Fragen sich häufen, behandeln wir das Thema auch schnell wieder.

STANDARD: Wie viele Briefe bekommen Sie pro Woche?

Arx: Mehrere hundert, in den Ferien ist es meistens ein bisschen ruhiger.

STANDARD: Die meisten Fragen drehen sich ums "erste Mal"?

Arx: Gar nicht. Es geht hauptsächlich um Gefühle, ums Schwärmen: Mir gefällt ein Mädchen, wie soll ich es ansprechen? Aber auch Pubertät, Sexualität, Angst vorm ersten Mal, Verhütung, Probleme mit den Eltern, in der Schule, mit Freunden und Geschwistern.

STANDARD: Mädchen fragen mehr?

Arx: Tendenziell ja. Freunde spielen für beide eine große Rolle, aber Buben machen mehr mit sich selber aus.

STANDARD: Gibt es Fragen, die Sie überfordern?

Arx: Wir kennen unsere Grenzen. Bei komplexen Problemen empfehlen wir fachliche Hilfe vor Ort.

STANDARD: Und was, wenn Sie merken, es geht um Leben und Tod?

Arx: Seit ich hier bin, ist mir das zum Glück noch nicht passiert. Ich hatte aber schon total verzweifelte Jugendliche am Telefon, die davon sprachen, sich etwas antun zu wollen, dann aber doch in der Kommunikation blieben.

STANDARD: Die Stars in "Bravo" erlauben sich manchmal Körperkorrekturen. Wie sehr folgen Sie in Ihren Empfehlungen den "Bravo"-Vorbildern?

Arx: Wir versuchen herauszufinden, warum die Person das machen will. Dann klären wir auf: "Du hast recht, es gibt diese Möglichkeit", und erklären Verlauf und Risken einer solchen OP. Wir appellieren ans Selbstwertgefühl, dass das Mädchen etwa nicht nur auf ihren Busen schauen soll.

STANDARD: Haben Sie als Teenager "Bravo" gelesen?

Arx: Vor allem die Dr.-Sommer-Seiten. Ich fand sie toll.

STANDARD: Haben Sie auch geschrieben?

Arx: Nein, aber wir haben als Kinder einmal Dr. Sommer gespielt. Ich spielte Sommer.

STANDARD: Wer hat denn Sie aufgeklärt?

Arx: Auch „Bravo", Freunde und Eltern spielten eine wichtige Rolle. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.8.2006)

Zur Person
Hinter dem Pseudonym Dr. Jochen Sommer, der seit 1969 in "Bravo" den Teenagern in Liebesfragen zur Seite stand, verbarg sich in den ersten Jahren Martin Goldstein. 2003 übernahm die Schweizer Pädagogin Eveline von Arx (31) die Kolumne und beantwortet seither mit ihrem "Dr.-Sommer-Team" brennende Fragen jugendlicher Leser.
  • Eveline von Arx vom "Dr. Sommer-Team" beantwortet die Fragen der "Bravo"-LeserInnen.
    foto: bauer verlag

    Eveline von Arx vom "Dr. Sommer-Team" beantwortet die Fragen der "Bravo"-LeserInnen.

Share if you care.