Eine Klamm – frisch renoviert

25. August 2006, 17:35
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Gießenbach, Strudl, Wirbel: Wasserkraft einmal anders

Die Steiganlagen in der Stillensteinklamm bei Grein mussten schon mehrmals in Stand gesetzt oder gar erneuert werden, denn der kleine Gießenbach richtet bei Hochwasser enorme Schäden an und macht die im harten Urgestein liegende Schlucht unpassierbar.

So gibt es von Zeit zu Zeit eine „Neueröffnung“ mit renovierten Treppen und Brücken, damit die zu Recht sehr beliebte Klamm wieder begehbar ist. Was der Bach anrichtet, lässt sich anhand vieler Fotos im Schauraum beim Mühlenimbiss am Klammeingang leicht feststellen.

Stille Wasser

Jetzt ist der Tobel sogar „möbliert“, und Informationstafeln verweisen auf Interessantes und Geschichtliches auf dem Weg. Beim eindrucksvollen Stillenstein, beispielsweise – der seinen Namen der Tatsache verdankt, dass das Gewässer dort unter einem alten Felssturz verschwindet und sein Rauschen kaum noch zu hören ist –, kann man eine Sage nachlesen, die von gutherzigen Menschen, einem unterirdischen Reich und heilkräftigen Kräutern berichtet. Nach dem Stausee – eigentlich eher ein Stauteich – gibt sich der Bach idyllisch und romantisch, als wollte er seine Harmlosigkeit unter Beweis stellen.

An Romantik und Abwechslung fehlt es also beim Aufstieg durch die Klamm in keiner Weise. Und auch beim Abstieg hat die Route dem Wanderer einiges zu bieten:_Wählt man den Weg über die Klammleiten, so gelangt man zum „Werfensteinblick“, einem überaus beeindruckenden Aussichtspunkt. Zu Füßen des Wanderers liegen der östliche Teil der Insel Wörth, der Zusammenfluss von Donau und Hößgang sowie die Burg Werfenstein.

Früher gab es dort die berüchtigten Schifffahrtshindernisse Strudl und Wirbel, die viele Opfer forderten. Selbst die spätere Kaiserin Elisabeth geriet dort auf ihrer Brautfahrt zu Franz Joseph nach Wien in Lebensgefahr. Zwischen 1860 und 1885 havarierten nicht weniger als zehn Dampfer und 34 Schlepper in dieser gefährlichen Zone des Flusses, vier Dampfer und sechs Schlepper sanken. Heute liegt der Bereich im Stauraum des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug und stellt dadurch keine Gefahr mehr dar.

Die Wanderung ist wenig anstrengend und auch nicht schwierig, bei höherem Wasserstand des Gießenbachs aber unmöglich.

Die Route: Der Eingang der Stillensteinklamm liegt etwas stromaufwärts der Ortschaft Struden. Der gut gewartete Weg führt gemütlich den Bach entlang aufwärts, und erst kurz vor dem Stillenstein wird es etwas steiler. Nach dem Stausee folgt man dem rot markierten Weg Nummer 9 zum Gasthof Aumühle. Gehzeit 1½ Stunden.

Auf der Anstiegsroute geht es zurück zum Stausee, kurz darauf wechselt man auf den Weg Nummer 9a über die Klammleiten. Im leichten Gefälle wandert man bis zum Werfensteinblick und steigt dann in mehreren Serpentinen zum Eingang der Klamm ab. Gehzeit ab Aumühle 1½ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. August 2006)

Gesamtgehzeit 3 Stunden, Höhendifferenz rund 200 m.
Gasthof Aumühle (Montag Ruhetag) und Imbissstube beim Klammeingang.
Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 35 (Königswiesen) und 53 (Amstetten)

  • Artikelbild
    foto: www.tiscover.at
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