Raubersgeschichten 2: Die Galerie

28. August 2006, 09:15
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Die Fotos der Putzdrachen wären in der "WG" gelandet – und dann sei ganz gezielt eingebrochen und abtransportiert worden.

Es war am selben Tag. Aber wir hatten G. nicht geglaubt. Und ihre Einbrechergeschichte in der Kategorie als urbanen Mythos abgetan. Weil G. nämlich nicht genauer sagen konnte, woher sie das denn hätte – und die Quellenangabe (Freund der Schwester der Cousine oder so) dann halt doch ein bisserl vage klang. Und weil die Sache mit den Fotos am Flohmarkt dann noch eine zusätzliche Unschärfe einbrachten.

Aber am nächsten Tag meinten die Kollegen der Chronik-Redaktion vor dem Kaffeeautomaten, dass die Sache so abwegig nicht sei – und sie die Geschichte in der einen oder anderen Version auch schon aus Polizeikreisen gehört hätten. Das mit dem Flohmarkt verstünden sie zwar auch nicht ganz, aber am Kern der Sache ändere das nichts.

G. hatte nämlich im Laufe der Einbrecherreferate bei dem Geburtstagsabendessen (siehe auch die vorige Stadtgeschichte) erzählt, dass ein Um-Drei-Ecken-Bekannter am Flohmarkt in einer Schachtel voller alter Fotos und Ansichtskarten ein paar gar nicht so alte Bilder gefunden habe, die ihm bekannt vorgekommen seien. Weil da nämlich sein Wohnzimmer und sein Arbeitszimmer abfotografiert gewesen wären. Aus verschiedenen Perspektiven – plus Detailbilder. Und das sei dem Nicht-Persönlich-Bekannten ein bisserl komisch vorgekommen.

Shootingmysterium

Weil er sich zum einen nicht daran erinnern konnte, dass seine Wohnung je so durchgeknipst worden wäre und es zum anderen auch dann erstaunlich gewesen wäre, dass diese Bilder am Flohmarkt auftauchten. Also kaufte er ein paar der Fotos – und verständigte die Polizei.

Die, erzählte G., habe dann den Standler einvernommen. Der habe erklärt, die Bilder bei einer Wohnungsräumung in einer Kiste gefunden zu haben. In der Wohnung, habe sich dann herausgestellt, habe ein Freund der Putzfrau des Nicht-Bekannten gewohnt. In einer Art WG – und die sei aufgelöst worden, als der Hauptmieter und zwei Mitbewohner ins Gefängnis gingen und die Miete nicht mehr bezahlt worden war.

Knipsen und putzen

Verurteilt, so G., wären die Herren worden, weil sie beim Einbrechen erwischt worden seien. Der Bruder der Putzfrau sei seither untergetaucht und auch die Zimmerfee sei, aber das habe sich der Nicht-Bekannte eben erst im Nachhinein zusammengereimt – genau zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufgetaucht. Sicherheitshalber habe seine Freundin damals aber die Schlösser auswechseln lassen – und auch wenn er sie da ausgelacht hätte, wusste G. zu erzählen, sei er darüber nun, Monate später, sehr froh. Denn die Fotos seiner Wohnung dürfte die Reinigungskraft angefertigt haben.

Jedenfalls soll die Polizei in den Kisten das Flohmarkters noch andere Inventarfotos aus Wiener Haushalten gefunden haben. Und dann, erzählte G., habe sich herausgestellt, dass es da ein Netzwerk an fotografierenden Putzdrachen gegeben habe. Die Fotos wären in der "WG" gelandet – und dann sei ganz gezielt eingebrochen und abtransportiert worden.

Unglauben

Wir hatten die Köpfe geschüttelt. Eben, weil der Flohmarkt und die postgerichtliche Erkenntnisfindung so ganz weither geholt klangen. Aber am nächsten tag plauderte ich dann trotzdem mit den Chronikmenschen. Und die nickten. Wissend und weise.

Die Geschichte sagte klänge plausibel. Sie hätten sie ähnlich gehört: Von einem Mann, der in einem Altwarenladen auf der Suche nach alten Möbeln Fotos vorgelegt bekommen habe – mit der Anmerkung, das wären Möbel, die binnen zwei Wochen auf Bestellung lieferbar wären. Der Kunde soll heftig geschluckt haben – war das, was da vor ihm lag doch eine Aufnahme seines eigenen Wohnzimmers -, sei aber ruhig geblieben und habe die Polizei eingeschaltet. Und die habe dann eine Art Einbruch-nach-Bestellung-Ring ausgehoben. Die Auskundschafterei sei über das Putzpersonal erfolgt.

Was wir mit dieser Info nun anfangen sollten, fragte G., nachdem ich diese Version als Rundmail an die Essensrunde geschickt hatte. Doch bevor ich antworten konnte, hatte die Gastgeberin schon gepostet: Obwohl wir uns früher darüber lustig gemacht hätten, dass sie aus Prinzip und trotz mangelnder Zeit und ausreichendem Einkommen einmal pro Woche selbst zu Staubsauger & Putzfetzen griffen, würde sie gerne wissen, ob sie irgendjemandem einen Crash-Kurs im Abstauben und Bodenwischen geben solle.

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