Design im Kopf

28. September 2007, 17:43
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Die Erfolge in letzter Zeit hat Motorola auch dem Design-Chef Jim Wicks zu verdanken. Ein Gespräch über das Zusammenspiel von Technik und Design

DerStandard: Ist der Erfolg der Marke Motorola auf den Erfolg des neuen Designs zurückzuführen?

Jim Wicks: Der Designerfolg hat Motorola sicher geholfen, erfolgreich zu werden. Aber so ein Erfolg ist immer eine Gruppenanstrengung.

DerStandard: Die ewig alte Frage "Form follows function" betrifft auch Handyhersteller. Was kommt zuerst: Technik oder Design?

Jim Wicks: Der Design-Prozess ist wichtig, aber er ist ein Teil einer Gesamtstrategie. Wir legen als Unternehmen großen Wert darauf, unsere Konsumenten zu verstehen, in dem, was sie wollen. Und heute wollen es viele ein bisschen simpler. Das macht uns die Sache nicht immer einfacher. Dafür stecken wir viel Energie in Research. Nehmen wir zum Beispiel die Kamera am neuen MOTORIZR, die so simpel zu bedienen ist. Da spielen Technik und Design perfekt zusammen. Für ein gutes Produkt muss es also immerzu hin- und hergehen zwischen Design und Technologie. Das meine ich, wenn ich sage: keine Kompromisse!

DerStandard: Zeige mir dein Mobiltelefon und ich sage dir, wer du bist? Trifft das heute zu?

Jim Wicks: Das Mobiltelefon sagt heute einiges über seinen Träger aus. So gesehen ist es tatsächlich ein Objekt der Selbstreflexion. Man trägt es ständig mit sich herum. Man wechselt das Hemd und die Schuhe, aber das Handy bleibt. Es gibt zurzeit einen Wandel, der sich vollzieht: Früher ging es ausschließlich um simple Kommunikation. Heute ist das Mobiltelefon längst zum multimedialen Träger geworden. Und jetzt geht es zusätzlich auch um Individualisierung.

DerStandard: Was meinen Sie mit Individualisierung?

Jim Wicks: Was wir bei Motorola versuchen, ist, mithilfe von Farben und Materialien in Richtung Individualisierung zu gehen. Für uns bedeutet das: Qualität in allen Details und besonderes Augenmerk auf die Verarbeitung unserer Produkte. Es geht um Unterscheidbarkeit, und in diesem Bereich unterscheiden wir uns von anderen Mitbewerbern.

DerStandard: Das neue Motorola-Modell RIZR erinnert nicht sofort an ein Motorola.

Jim Wicks: Was den neuen RIZR betrifft, sehe ich das anders. Uns ist wichtig, dass etwas bei Motorola entsteht, das die Leute denken lässt: Ah, das ist ein Motorola! Das bedeutet nicht, dass man aus drei Metern Entfernung den Schriftzug erkennen muss. Da geht es mehr um eine Produkt-identität.

DerStandard: Will Motorola Marktführer werden?

Jim Wicks: Als ich vor fünf Jahren zu Motorola kam, gab es ganz andere Zielsetzungen. Da waren wir nur mit im Spiel, heute wollen wir mehr. Wir gehen als Unternehmen viel aktiver als früher auf die Herausforderungen der Zukunft zu. Das ist der große Unterschied zu früher, also ja: Wir wollen Nummer eins werden.

DerStandard: Es wird ständig kommuniziert. Wer macht als Gerät das Rennen?

Jim Wicks: Das Mobiltelefon ist schon das Ding, das immer dabei ist. Einen Laptop schleppt man nicht herum, wenn man abends aus ist. Das Handy integriert eine Menge an Funktionen. Und genau das ist die große Herausforderung für das Design: dass man alles so verpackt, dass wir damit gut leben und umgehen können.

DerStandard: Zum Abschluss: Denkt jemand wie Sie manchmal an Entschleunigung?

Jim Wicks: Doch, ein bisschen Abstinenz ist nie schlecht. Es ist von Zeit zu Zeit sehr gut, alles auszuschalten - und manchmal passiert das sogar unfreiwillig, und dann ist es wie eine gute Therapie. Aber ich habe leicht reden: Ich habe insgesamt vier Mobiltelefone. Wenn ich also eines abschalte, können immer noch drei klingeln. (Mia Eidlhuber, DerStandard/Rondo Printausgabe vom 25.8.2006)

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Motorola

Zur Person

Jim Wicks, Vizepräsident und Direktor der "Consumer Experience Design"-Sparte, hatte die Idee ein extrem flach gestaltetes Mobiltelefon zu kriieren. Der erste Sprössling "Razr" wurde bis heute über 50 Millionen mal ausgeliefert.

  • Chef-Designer Jim Wicks
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    Chef-Designer Jim Wicks

  • Das neue MotoRIZR von Motorola
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