US-Unis setzen auf kalkulierte Unbequemlichkeit

8. März 2007, 11:32
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Umgekehrte Mobilitätsmuster: Im Vergleich zu euro­päischen Unis haben Assistenz­-Professoren mehr Rechte

Wien - "Umgekehrte" Mobilitätsmuster, die unterschiedlichen Rollen und Rechte von Assistenzprofessoren sowie das andere Umgehen mit den Folgen von Definitivstellungen sind für den an der Yale University lehrenden österreichischen Professor für Evolutionsbiologie, Günter P. Wagner, Hauptunterschiede in den Laufbahnmodellen an europäischen und US-Unis. Jüngere haben in den USA mehr Rechte, während bei den arrivierten, definitiv gestellten Professoren auf "kalkulierte Unbequemlichkeit" gesetzt wird, so Wagner bei seinem Referat zum Thema "Wissenschafts- und Forschungsmodelle und Best Practice" am Donnerstag Abend bei den Alpbacher Technologiegesprächen.

"Unruhige" Jungforscher

In den USA führen Jungforscher zunächst ein "unruhiges Leben", meinte Wagner. Stellen an einer Graduate School sowie als Postdoc an unterschiedlichen Einrichtungen kennzeichnen die frühen Jahre. Ab dem Einstieg in den "Tenure Track" als Assistant Professor werde man aber nicht mehr zur Mobilität gezwungen. In Österreich und Deutschland sei es dagegen umgekehrt. Forscher würden oft im selben Institut bis zur Habilitation gelangen, dann aber praktisch zur Bewerbung an anderen Unis gezwungen.

Selbstständige Positionen

Die Assistant Professors in den USA wiederum würden im Vergleich zu ihren Kollegen in Europa sehr früh in eine selbstständige Position kommen, betonte Wagner. Sie würden von der gesamten Fakultät ausgewählt - und zwar als Kollegen, die selbst "ihr" Geld kontrollieren, eigene Studenten sowie Post-Docs haben.

Wenig Unterstützung

Etwas beschwerlicher ist etwa in Yale hingegen das Leben als Etablierter. Zwar könne man nicht so einfach hinausgeworfen werden, allerdings bediene man sich einer Art "kalkulierter Unbequemlichkeit". So gebe es keine institutionalisierte Unterstützung durch Sekretariate oder Laborpersonal. Auch der Raum werde nur nach Bedarf zugewiesen - sprich weniger Leistung, desto weniger Bedarf. Auch der "politische" Einfluss in der Fakultät hängt von der Leistung ab. (APA)

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    Jungakademiker haben es leichter, etablierte Professoren schwerer, berichtet Yale-Absolvent Wagner bei den Technologiegesprächen.

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