10.000 Häftlinge freigelassen

9. Oktober 2006, 15:56
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Betroffene warteten seit an die Jahre auf ihren Prozess

Abuja - Nigeria will 10.000 Häftlinge freilassen, die bereits seit bis zu zehn Jahren auf ihren Prozess warten. Das Justizsystem gilt als einer der größten Schandflecken, was die Menschenrechtssituation in dem westafrikanischen Land angeht.

Gefängnisreform

Einige der Häftlinge seien bereits freigelassen worden, die restlichen würden bis Ende des Jahres freikommen, sagte Justizminister Bayo Ojo am Rande der Auftakt-Veranstaltung einer Spendenaktion. Mit Hilfe der Aktion soll eine 64 Millionen Dollar (49,9 Millionen Euro) teure Gefängnisreform finanziert werden. In Nigeria sitzen mehr als 25.000 Gefangene ohne Verurteilung ein - das entspricht 65 Prozent aller dort Inhaftierten. In dem Land liegt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Prozess bei fünf bis zehn Jahren.

Verurteilung

Unter den Gefangenen, die bis Ende des Jahres freigelassen werden sollten, seien tausende, die wegen kleinerer Verbrechen in Haft seien, sagte Ojo. Sie hätten bereits mehr Zeit in Haft verbracht, als ein Gericht ihnen im Falle einer Verurteilung auferlegt hätte. Nach der Freilassung der ersten 10.000 würden die Behörden die Fälle der restlichen 15.000 nicht verurteilten Häftlinge in Betracht ziehen. Bei diesen handle es sich jedoch oftmals um Schwerverbrecher, die wegen bewaffneter Überfälle einsäßen. "Man kann sie nicht einfach so auf die Straße lassen." Die Behörden planten, die Gefangenen so schnell wie möglich vor Gericht zu stellen.

Auf der Veranstaltung kamen auch Ex-Häftlinge wie Präsident Olusegun Obasanjo - einst ein politischer Gefangener - zu Wort. Sie beschrieben die Gefängnisse als überfüllt und unhygienisch. Außerdem gebe es keine ordentliche Nahrung, und die Häftlinge seien oftmals Gewalt ausgesetzt. (APA/Reuters)

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