Seekirchen wehrt sich gegen Gemeindebeitrag für NS-Zwangsarbeiter- Fonds

22. Juni 2000, 18:53

Der freiheitliche Vizebürgermeister will statt dessen eine sogenannte "Gefallenen- und Vermisstenentschädigung".

Salzburg - Geht es nach der FPÖ-Seekirchen, so wird sich die Gemeinde nicht am NS-Zwangsarbeiter-Fonds beteiligen. Mehr noch: Der freiheitliche Vizebürgermeister und Landtagsabgeordnete Helmut Naderer fordert statt dessen von der deutschen Bundesregierung sowie den Nachfolgeregierungen der ehemaligen Alliierten Entschädigungen für jene Seekirchner, deren Angehörige seinerzeit nach Russland und in andere Siegerstaaten verschleppt wurden oder ihr Leben im Krieg verloren haben. Der entsprechende Antrag wird in der Gemeindevertretungssitzung am 27. Juni eingebracht, ob sich der Landtag ebenfalls mit einem solchen Ansinnen beschäftigen wird müssen, werde bei einer FP-Klubsitzung am Montag entschieden, erklärte Naderer am Mittwoch.

Der Dringliche Antrag, den die Seekirchner FP-Fraktion stellen wird, im Wortlaut: "Die Gemeindevertretung möge beschließen, dass die Gemeinde keinerlei Zahlungen für den Fonds für ehemalige NS-Zwangsarbeiter leistet. Zudem sollen durch die Gemeinde Seekirchen mit einem Rechtsanwalt bei den Nachfolgeregierungen der ehemals Alliierten und der rotgrünen deutschen Bundesregierung folgende Forderungen gestellt werden: 1) Gefangenen- und Zwangsarbeiterentschädigung (für Seekirchner, die nach Russland und in andere Siegerstaaten zur Zwangsarbeit verschleppt wurden) 2) Kriegsdienstentschädigung (für Seekirchner und deren Angehörige bzw. Rechtsnachfolger, die in den Krieg einrücken mussten und dadurch hohe persönliche und wirtschaftliche Verluste in Kauf nehmen mussten) 3) Gefallenen- und Vermisstenentschädigung (für Angehörige und deren Rechtsnachfolger von Seekirchner, die durch den Krieg um ihr Leben kamen oder noch vermisst werden)."

Als Begründung führt der freiheitliche Vizebürgermeister an, dass es für Seekirchen "historisch erwiesen ist, dass die Gemeinde keinerlei Zwangsarbeiter eingesetzt hat". Deshalb gebe es "auch keinen Grund, sich an dieser Aktion finanziell zu beteiligen". Ganz im Gegenteil seien viele Seekirchner lang nach Kriegsende noch in Russland und anderen Siegerstaaten zur Zwangsarbeit in Gefangenschaft gehalten worden. "Viele haben diese unmenschlichen Zustände nicht überlebt und sind in den Lagern zu Tode gekommen. Andere wieder kamen erst bis zu 10 Jahre später aus dieser Zwangsarbeit zurück, wobei ausdrücklich auf das Schicksal von Josef Huber, das im Detail in der Seekirchner Gemeindechronik dargestellt wird, verwiesen wird", so der FP-Antrag. (APA)

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