Kopf des Tages: Feldzug gegen die Korruption und für Martin

29. August 2006, 16:53
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Der Polizist Patrik Kutschi will auf H.-P. Martins Liste Politik machen.

Von den Mitarbeitern des Büros für interne Angelegenheiten (BIA) im Innenministerium wird erwartet, dass sie "politisch unbescholten" sind. Einer der wichtigsten Mitarbeiter dieser Einheit zur Korruptionsbekämpfung ist das seit Mittwoch nicht mehr: Patrik Kutschi kandidiert für die Liste von Hans-Peter Martin. Kutschi war immerhin stellvertretender Leiter des Büros, und er war in alle wichtigen Ermittlungen auch gegen ranghohe Polizeibeamte involviert. Jetzt will er den Mächtigen im Land auf die Finger schauen und im Parlament die Verstrickungen von Wirtschaft und Politik aufzeigen - "der Nährboden für Korruption und Machtmissbrauch", wie er sagt.

Kutschi ist seit mehr als drei Jahren im Büro für interne Angelegenheiten, eine Einheit, die bei den Kollegen nicht unbedingt beliebt ist. Die Innenministerin erfuhr erst am Mittwoch von Kutschis politischen Ambitionen, und eine Rückkehr in das Büro ist wohl ausgeschlossen. Ein Naheverhältnis zu einer Partei, und sei es eine Bürgerliste wie die von Martin, verträgt sich nicht mit dieser Art von Ermittlungen.

Martin sei ihm sympathisch gewesen, sagt Kutschi, eine Einschätzung, der wohl nicht alle folgen können. Aber Kutschi bezieht seine Sympathiekundgebungen mehr auf das Weltbild von Martin: "Unser Rechts- und Gerechtigkeitsverständnis deckt sich."

Der Zugang zum Recht sei nicht für alle Bürger gleich, "da spielen der finanzielle Hintergrund und politische Naheverhältnisse immer noch eine große Rolle". Kutschi weiß offenbar, wovon er spricht: "Natürlich gibt es auch bei Ermittlungen Interventionen." Er fordert die politische Unabhängigkeit von Staatsanwälten ein, insbesondere in der Korruptionsbekämpfung. "Da stößt man immer wieder an Grenzen."

Der 33-Jährige stammt aus Leoben, aus einfachen Verhältnissen. Der Vater war Arbeiter bei der Voest, die Mutter sitzt bei einem Baumarkt an der Kasse. Sein Studium hat sich Kutschi nebenbei mit seinem Gehalt als Polizeibeamter finanziert. Als fertiger Jurist wechselte er von Leoben ins Innenministerium nach Wien. Nun steht mit seiner Frau, einer karenzierten Krankenschwester, und dem neun Monate alten Sohn die Rückkehr nach Leoben an.

Den Wahlkampf will Kutschi vor allem mit "Bürgergesprächen" führen. Derzeit wirkt er noch ein wenig unsicher, manche Parolen muss er aus den Notizen ablesen und genauso klingt es: "Taten setzen", "genau hinschauen", "Transparenz einfordern".

Dass sein Mentor Martin tatsächlich ein so schwieriger Typ sei, wie viele behaupten, kann Kutschi nicht nachvollziehen: "Ich konnte bei ihm noch keinerlei Anzeichen mangelnder Teamfähigkeit feststellen." Und Martin jubelt über seinen Schützling: "Der Mann ist ein Glücksfall." (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2006)

  • Patrik Kutschi
    foto: standard/ fischer

    Patrik Kutschi

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