Die Artisten der Oberfläche

Redaktion, 24. August 2006, 18:47
  • Über den fluoreszierenden Dächern von Miami: Sonny Crockett (Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) müssen in Michael Manns Aktualisierung von "Miami Vice" neue Methoden gegen global ausgerichtetes organisiertes Verbrechen anwenden.
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    Über den fluoreszierenden Dächern von Miami: Sonny Crockett (Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) müssen in Michael Manns Aktualisierung von "Miami Vice" neue Methoden gegen global ausgerichtetes organisiertes Verbrechen anwenden.

Zum Spielfilm auffrisiert und an zeitgemäße Szenarien angepasst: Michael Manns "Miami Vice" mit Colin Farrell und Jamie Foxx

US-Regisseur Michael Mann hat seine populäre TV-Serie "Miami Vice" mit Colin Farrell und Jamie Foxx zum Spielfilm auffrisiert und dabei ganz an zeitgemäße Szenarien angepasst.


Wien - Hollywoods Zugriff auf TV-Serien folgt in der Regel immer demselben Kalkül. Ob "Starsky & Hutch", "Verliebt in eine Hexe", "Star Trek" oder demnächst auch die legendäre Sciencefiction-Serie "The Prisoner" - schon die kollektive Erinnerung garantiert Erfolg. Jeder hegt schließlich nostalgische Erinnerungen an die Helden seiner Jugend, und die Spätgeborenen vermögen Retro-Welten zu entdecken, in denen zumindest die Ausstattung variiert. Damals hat noch nicht jede Serie Jerry Bruckheimer produziert.

"Miami Vice", vielleicht die bestimmendste Serie der 80er-Jahre (sie lief von 84 bis 89), schien auch angesichts der modischen Renaissance dieses Jahrzehnts für einen solchen Relaunch wie gemacht. Wir erinnern uns: Zwei Undercover-Cops in schultergepolsterten Anzügen und T-Shirts in Pastelltönen, die Lifestyle mit Engagement verbanden, ein mieselsüchtiger Chef und jede Menge Dealer, die mit der Modedroge Kokain handelten. Hinzu kam eine Ästhetik, die mit unüblichen Schnitten Oberflächenreize garantierte, in Kontrast zur pessimistischen Grundstimmung stand und immer wieder merkwürdige Schwebezustände garantierte.

Um es kurz zu halten: Man hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Regisseur Michael Mann, wiewohl schon ausführender Produzent und kreativer Kopf der Serie, interessiert sich in seiner neuen Version für nichts weniger, als nostalgische Erwartungshaltungen zu befriedigen. "Miami Vice" im Jahr 2006 ist ein Update, das die seriellen Grundkonstellationen übernimmt, aber sie auf veränderte Verhältnisse überträgt - und sich auch stilistisch völlig gewandelt hat. "1984 war Miami größer als eine Kleinstadt, aber kleiner als eine Großstadt", sagte Mann unlängst in einem Interview mit L.A. Weekly, "Nun ist die Stadt völlig anders, kosmopolitischer. In einer postmodernen globalisierten Welt gibt es keine kriminelle Organisation mehr, die an einen geografischen Ort gebunden ist und nur eine Ware wie Kokain produziert. Nun ist man als Boss einer transnationalen Organisation ein Meister im Verschieben - von allen Dingen, die sich bewegen lassen."

Es ist charakteristisch für Mann, dass er solche topografischen Entwicklungen berücksichtigt. Schon seinen letzten Film "Collateral" konnte man als nächtliche Stadtbeschreibung (von Los Angeles) betrachten, obwohl er als Thriller konzipiert war. "Collateral" war auch eine ästhetische Neubestimmung Manns, die er nunmehr mit "Miami Vice" weiterführt: Wieder hat er mit hochauflösender Videokamera gedreht, was vor allem bei Nachtaufnahmen, ohne Hinzunahme von Kunstlicht, den Effekt eines völlig neuartigen Realismus ermöglicht.

Ohne Hierarchien

Sonny Crockett (Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) agieren mithin in einem Raum, der sich viel schwieriger kontrollieren lässt. Schon die erste Sequenz des Films, die ein Überwachungsszenario in einem Nachtclub zeigt, erzeugt zuallererst das Gefühl von Unübersichtlichkeit. Hier werden keine Hierarchien eingeführt, die den Blick des Zuschauers führen helfen. Zur wummernden Musik von Linkin Park / Jay Z überkreuzen sich die Perspektiven, Handys liefern zusätzliche Bildinformationen, die Ermittler wirken orientierungslos.

Der Anfang des Films vermittelt in seiner Direktheit und auch körperlichen Wucht - eine Exekution, die den Showdown antizipiert - den Eindruck, als wolle Mann, der hintergründigste Stilist des gegenwärtigen US-Kinos, "Miami Vice" als semidokumentarischen Reality-Blockbuster neu erfinden. Die Großstadt wirkt dabei nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein urbanes System, das bestimmte Handlungen vorgibt und als fluoreszierender Körper auch für eine Optik sorgt, die gängigen raumzeitlichen Kontinuitäten zuwiderläuft. Vieles passiert hier gleichzeitig.

Allerdings hält Mann dieses Schema nicht konsequent durch. Die Erzählung mündet in eine konventionellere Genrelogik, wenn Crockett und Tubbs die Geschäfte eines kolumbianischen Drogenbarons zu durchkreuzen versuchen, indem sie sich als Mittelsmänner ausgeben. Wie schon in "Heat" oder "The Insider" weitet sich dieses Manöver der Professionals zur existenziellen Bewährungsprobe aus. Crockett verliebt sich just in die Mätresse (Gong Li) seines Gegners. Ihr ausgedehnter Ausflug im Speedboat nach Kuba gehört zu den entbehrlicheren Passagen des Films.

Man ahnt jedoch, was Mann vorgeschwebt sein muss: die gleitende Bewegung seiner Protagonisten - ob im Flugzeug, Boot oder Auto - mit einer zähen Schwerkraft zu kontrastieren; Aggregatszustände für Emotionen zu finden, die sich in Bildern und Posen widerspiegeln. So bleibt auch in diesem "Miami Vice" der Stil entscheidend: Crockett und Tubbs sind als Undercover-Cops immer auch Schauspieler. Sie müssen überzeugen, wenn die skeptischen Augen ihrer Auftraggeber auf ihnen ruhen. Sie müssen sich aber auch selbst ein wenig beeindrucken. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2006)

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16 Postings
Action-Thriller 2006

Von der guten alten "Miami Vice"-Serie ist nichts mehr geblieben. Mann zaubert einen Look für's Kino und das gar nicht mal so übel. Trotz der laschen Story und den farblosen Charakteren, glänzt Manns Regie-Stil allemal. Halbwegs solider Action-Streifen, der sich etwas ernster als die "Bad Boys" nimmt.

Übrigens spitzer Film-Sound, der 2007 unbedingt mit einem Oscar für den Besten Ton geehrt werden sollte.

Gutes und Schlechtes

Das Gute ist: Manns Ästhetik, gestochen scharfe Bilder, kaum Parallelen zur Serie, kein schleißiger Umgang mit Explosionen oder Schüssen, die Endsequenz erinnert nahezu an Scorsese.

Schlecht war: Trotz alledem kam keine Spannung auf, die Liebesgeschichte, Farrells Augenbrauen.

wieder ein film

der handwerklich und technisch gut gemacht, aber unnötig ist. diesen handlungsablauf hatten wir schon x-mal, bringt nichts neues, keine überraschung.und schauspieler hatten wir auch schon bessere.

Ein ziemlich schlechter Film...

Der Film ist einfach langweilig. Nicht zuletzt dank so Null-Schauspielern wie Colin Farrell, dessen einzige Leistung darin besteht, bei egal welcher Szene (Colin ist böse, Colin lacht, Colin hat einen Orgasmus) gelangweilt dreinzuschauen. Die männliche Paris Hilton eben. Weder die Musik, noch die Lokation, noch die Handlung lassen Spannung aufkommen. Ich habe nach 1 Stunde (viel zu lange) den Saal verlassen...

gut oder schlecht...egal

toll finde ich immer die leute die ganz auf die coole mittendrin den film verlassen (dadurch bissi stören und nerven) und später leider öfters wichtig drüber reden....habe auch viel mist im kino gesehen, aber erst nach dem ganzen film als mist beurteilt.....

nur meine meinung, mfg ;-)

mmh. immer dasselbe posten. mal beim standard, dann bei der presse, dann bei ö1.

sie hassen diesen film wirklich, oder?

hm...

...also es reicht dir nicht, einfach nur unter den Filmstarts zu posten sondern auch - denselben Text - ein zweites Mal beim Standard zu posten.

Glaub mir, Standard-Leser sind intelligent genug um es beim ersten Mal zu verstehen.

PS: Du scheinst ja eine unglaubliche Aversion gegenüber Colin Farrell zu haben. Anders kann ich mir das ständig-neuposten deines Beitrags nicht erklären.

falsche markterkenntnis

in den usa gehen alle demographen und marketingexpertern davon aus, dass alle so sind wie in miami, la, sf und ny. dh, man bekommt fast immer etwas vorgesetzt, dass nur einheitsbrei aus gangsta, big city trash und subkultur ist. ich frage mich, warum man (in den usa) nicht mehr auf die gesammtheit der konsumenten hört. ich meine die republikaner haben ihre wahl auch im mittelwesten, farmland etc. gewonnen. das ist vielleicht nicht das anspruchvollste publikum, aber mit so einem gangsta shit können sich die gar nicht identifizieren. kein wunder das j. roberts, r. witherspoon oder auch k. kostner so konstante stars sind. anfassbarer mainstream. und... wann outet sich colin farrell?

Vielleicht sollte man sich auch einfach hinsetzen und ca. 2 Stunden das Hirn abschalten, ohne das Ganze mit mehr Tiefgang zu versehen als es hat? Krampfhaft da was reinzuinterpretieren ist doch eher lächerlich - zählts die Kugeln, beschwerts euch drüber und fertig ;)

total vergeigt

lediglich der titel ist miami vice sonst aber - leider - gar nischt

themenverfehlung also

früher war zumindest in florida alles besser, charmanter, witziger...

und collin hohlkopf farell ist sowieso ...na lassen wir das

Das 365ste Remake, das die Welt nicht braucht.

Wann zum Teufel wird endlich mal RAUMPATROUILLE ORION (http://www.imdb.com/title/tt0061289/) neuverfilmt, und zwar in Schwarzweiss!
Z.B. würde Andrea Händler eine veritable Eva Pflug abgeben, und bitte: der Düringer als Wolfgang Völz!
Nur beim reinkarnierten Dietmar Schönherr muss ich für's erste passen - da fällt mir niemand ein, der dieser Rolle gewachsen sein könnte.

Martina Gedeck.

und was nun?

soll ich mir den film jetzt geben, oder nicht?
vielleicht weiss ich mehr, sobald ich den folgenden Absatz dechiffriert habe.

"..Die Großstadt wirkt dabei nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein urbanes System, das bestimmte Handlungen vorgibt und als fluoreszierender Körper auch für eine Optik sorgt, die gängigen raumzeitlichen Kontinuitäten zuwiderläuft. .."

faz..

..und süddeutsche feuilleton lesen, die könnens klarer ausdrücken und wollen nicht mehr scheinen, als sie sind. faz heute, süddeutsche gestern..

auch etwas verklausuliert

aber doch fast als so etwas wie meinung wertbar und demnach möglicherweise reziprok auf das u.u. vorhandene (gesamt)urteil des rezensenten umlegbar wäre m.e.:

"... Ihr ausgedehnter Ausflug im Speedboat nach Kuba gehört zu den entbehrlicheren Passagen des Films."

ich errechne daraus eine 8/10 für den film als ganzes...

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