Rüsten gegen Raub

19. Oktober 2006, 18:32
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Helm aufsetzen, hinein und Geld rauben: Der Schaden durch Postüberfälle hat sich in den vergangenen Jahren verfünffacht.

Wien – Es ist die Postfiliale Nummer 1122 im Wiener Gemeindebezirk Meidling, die die Hitliste anführt. Keine andere Filiale der Post in Österreich wurde in den vergangenen fünf Jahren häufiger überfallen. Insgesamt fünfmal haben Räuber das Postamt besucht, zuletzt im Februar des heurigen Jahres.

"Das ist ein Klassiker, leider", sagt Michael Homola, Sprecher der Österreichischen Post, "eine abgelegene Filiale, und man ist sofort in den Parkanlagen von Schloss Schönbrunn, hat also ideale Fluchtmöglichkeiten." Und fügt dann hinzu: "Stellen Sie sich mal vor, Sie würden dort arbeiten."

Wunschfiliale der Posträuber

Wenige Mitarbeiter in der Filiale und abgelegen, so sieht die Wunschfiliale der Posträuber aus. Der Trend geht daher dahin, eher kleinere Filialen zu überfallen, sagt der Kriminalexperte Peter Jedelsky, weil dort weniger Personal arbeite als in den großen Hauptpostämtern – auch wenn da vielleicht mehr zu holen wäre.

Explosionsartig zugenommen hat der Schaden, den die Österreichische Post AG in den vergangenen fünf Jahren durch Raubüberfälle verzeichnet hat. Genau genommen verfünffacht: Vergangenes Jahr wurden insgesamt 300.000 Euro Bargeld bei Überfällen erbeutet – für die Räuber ein einträgliches Geschäft, denn darunter seien auch einige "dicke Fische". Aber auch etliche Überfälle, wo die Beute derart gering war, dass man sich wundert, wieso die Täter das Risiko eingingen.

Moderne Technik

Durch den Einsatz modernster Sicherheitstechnik möchte die Post das Problem in den Griff bekommen. Bis Ende 2007 sollen alle Filialen in Österreich mit neuen Systemen der Firma Siemens ausgestattet werden. Was immer dann in einem der Postämter passiert, wird von Videokameras am Tag oder Bewegungsmeldern in der Nacht an eine Sicherheitszentrale nach Nürnberg übertragen, wo auch die Bilder aus Banken anderswo in Europa zusammenlaufen.

"Wenn eine Filiale überfallen wird, drückt der Angestellte einen Alarmknopf. Innerhalb von sechs Sekunden wird dann die Situation analysiert, und spätestens 30 Sekunden später geht der Alarm an die Polizei", erklärt Postsprecher Michael Homola das System.

Zentrale Auswertung der Videobilder

Neu ist in erster Linie die zentrale Auswertung der Videobilder. Peinliche Fehlalarme könnten damit vermieden werden, wenn ein Angestellter versehentlich an den Alarmknopf kommt. Auch Bewegungsmelder sind Teil des Sicherheitssystems. Sie sollen nächtliche Einbrüche registrieren, was bislang nach Angaben der Post überhaupt nicht passiert ist. Gerade auf dem Land sind bisher viele Einbrüche überhaupt nicht rechtzeitig wahrgenommen worden. Trotz des steigenden Schadens plant die Post keine Renaissance der altbekannten dicken Panzerglasscheiben. „Das war früher schon nicht schön, und helfen würde es auch nichts“, meint der Postsprecher, auch Sicherheitsleute in den Filialen lehne man ab – insbesondere aus Kostengründen.

Die Post hofft, durch moderne Technik die Zahl der Raube zu drücken, möglichst auf null. Auch wolle man den Mitarbeitern wieder das Gefühl von Sicherheit geben – auch jenen in der Filiale 1122 in Wien-Meidling. (Jens M. Lang, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2006)

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  • Herbert Götz, Vorstand Markt und Kunden der Österreichischen Post AG und Siemens-Chefin Brigitte Ederer.
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    Herbert Götz, Vorstand Markt und Kunden der Österreichischen Post AG und Siemens-Chefin Brigitte Ederer.

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