Vortrag zum Abschied: Peter Ruzicka

20. Juli 2007, 16:45
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Der scheidende Intendant blickte im "Festspiel-Dialog" auf fünf Jahre zurück

Salzburg - Von Leutseligkeit keine Spur, aber nach dem alles in allem erfolgreichen Großprojekt "Mozart 22" hat der scheidende Intendant der Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, am Donnerstag im Rahmen der Gesprächsreihe "Festspiel-Dialoge" doch sichtlich entspannt auf seine fünf Jahre Salzburg zurück geblickt. Am 1. Oktober 2006 wird Ruzicka die Intendanz an Jürgen Flimm abgeben, und der wird an Ruzicka gemessen werden und jenes Buch im kommenden Jahr wieder aufschlagen müssen, das Ruzicka symbolisch heute nicht ohne Erleichterung geschlossen hat.

Auch im Moment des vielleicht größten Erfolges bewahrt Peter Ruzicka strenge Förmlichkeit. Von lockerer Plauderei war heute Mittag im randvoll besetzten Schüttkasten keine Rede. Ruzicka las seinen Vortrag in wie immer geschliffenem Deutsch, und selbst die süffisantesten Seitenhiebe auf Spaßgesellschaft, oberflächliche Eventkultur und seichte Gier auf Neues waren von schmunzelnder, aber konstruierter Rhetorik geprägt.

"Oberflächliche Gier nach Abwechslung"

Der 58-Jährige Kultur-Manager, der über Intendanzen in Berlin, Hamburg und München nach Salzburg gekommen war, verwies auf Opern, die 16 Jahre lang auf dem Programm der Festspiele gestanden hatten. "Allein die Vorstellung, dass der aktuelle 'Figaro' im Jahr 2022 noch immer gezeigt werden könnte, löst gemischte Gefühle aus. Und doch werde ich den Eindruck nicht los, dass es in der Oper zunehmend um oberflächliche Gier nach Abwechslung und weniger um eine Suche nach wirklich Neuem geht."

Als Eckpunkt seiner Opern-Arbeit nannte Ruzicka die Uraufführung der Henze-Oper "L'Upupa" im Jahr 2003 und natürlich die vierteilige Reihe der österreichische Exilkomponisten Alexander Zemlinsky, Egon Wellesz, Erich Wolfgang Korngold und Franz Schreker. deren Opern "hoffentlich nie wieder aus dem Repertoire verdrängt werden", so Ruzicka.

An keinem anderen Ort, bei keinem anderen Festival wäre das Projekt 'Mozart 22' denkbar gewesen. "Jetzt ist klar, dass es keine schwachen, also entbehrlichen Mozartopern gibt", so der Intendant, der in Zukunft zwar die Münchner Biennale leiten, sich im Wesentlichen aber mit seiner Hölderlin-Oper beschäftigen wird. Diese soll 2008 in Berlin uraufgeführt werden. (APA)

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