Nachwuchs an Unis: Rektoren setzen auf "Qualifikationsvereinbarung"

20. Oktober 2006, 10:37
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Bei Kollektivvertrags-Verhandlungen - Von Karriereschema mit Doktorat und Habilitation abgehen

Alpbach - Bei der Nachwuchsförderung an den Universitäten setzen die Rektoren auf ein Abgehen vom bisherigen Karriereschema mit Doktorat und Habilitation. An deren Stelle soll eine "Qualifikationsvereinbarung" zwischen Uni und Mitarbeiter treten, betonte der Rektor der Uni Linz und Vorsitzende des Dachverbands der Universitäten, Rudolf Ardelt, bei einer Veranstaltung des Bildungsministeriums zum Thema Nachwuchsförderung im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche Mittwoch Abend. Der Dachverband verhandelt mit der Gewerkschaft den ersten Kollektivvertrag für Uni-Mitarbeiter.

Selbstständige Positionen

Ziel müsse es sein, die Karriereentwicklung zu beschleunigen und junge Wissenschafter viel früher in selbstständige Positionen zu bringen. In der "Qualifikationsvereinbarung" sollen für den Mitarbeiter Ziele und Zeitrahmen festgelegt werden, die mittels Evaluation überprüft werden. Bei negativem Abschneiden müsse der Jung-Wissenschafter ausscheiden, bei positivem eine selbstständige Position als Wissenschafter erhalten - ohne Pragmatisierung und erhöhtem Kündigungsschutz, aber mit entsprechender sozialer Absicherung, so Ardelt.

Strukturen überdenken

Gleichzeitig müsse es Differenzierungsmöglichkeiten für unterschiedliche Laufbahnen geben, meinte Ardelt. So brauche man etwa an den Unis auch "Systembetreuer" wie die derzeit "unglücklich geregelten Staff Scientists". Gleichzeitig müsse man sich auch viel intensiver als bisher mit Personalentwicklung auseinander setzen und Unterstützung bei der Integration in die internationale Forschungsstruktur geben. In diesen Punkten sei man bisher "viel zu passiv gewesen - das war fast laissez-faire".

Abgelehnte Studenten nicht "abspeisen"

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) will schon viel früher ansetzen. "Nachwuchsförderung in der Wissenschaft beginnt schon im Kindesalter". In der Schule gehe es vor allem darum, den Kindern die Neugier am Erforschen und Lernen zu erhalten: "Wenn das verloren geht, haben wir etwas falsch gemacht." Einen Appell richtete sie an die Medizin-Unis: Deren Studenten müssten ihre Ausbildung auch in der vorgesehenen Zeit absolvieren können. Außerdem müsse man sich überlegen, beim Eignungstest gescheiterte Bewerber nicht nur mit einem trockenen Ablehnungsschreiben abzuspeisen. Hier solle man Beratung anbieten oder eventuell ein persönliches Gespräch einführen.

Mobilität fördern

Der stellvertretende Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, Günther Bonn, setzt vor allem auf die Erhöhung der Mobilität durch Stipendien. Gerade in der Doktoratsausbildung müsse eine Erhöhung der Stipendien und der Mobilität angegangen werden. So sei etwa die vom Rat empfohlene Stipendienreform auf einem guten Weg. Aus Steuermitteln würden jährlich 30 Mio. Euro für postgraduale Stipendien aufgewendet, die derzeit in einem "Wildwuchs" an Zuständigkeiten ausgeschüttet werden. Mit der Reform werde es zu einer Bereinigung kommen.

Anglo-amerikanisches Karrieremodell

Der Präsident der Wissenschaftsrats, Jürgen Mittelstraß, kündigte Empfehlung des Beratungsorgans an, die auf die Einrichtung von Graduiertenschulen auf höchstem Niveau, Nachwuchszentren, wo der wissenschaftliche Nachwuchs Forschung selbst organisieren kann, und ein Tenure-Track-System, ein Karrieremodell nach anglo-amerikanischen Vorbild, abzielen. (APA)

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