Es duftet in der Nelkengasse

26. August 2006, 17:00
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Die famosen Currys des "NeuDeli" in der Wipplinger Straße haben sich verdoppelt: Ab sofort wehen die feinen Aromen von Zimt, Kardamom und Kreuzkümmel auch durch die Nelkengasse in Mariahilf

Minimalistische Funktionalität, Self-Service und tolles Essen zu knochentrocken kalkulierten Preisen - im NeuDeli, einer Curryküche auf der Wipplinger Straße 20, führt dieses ebenso simple wie präzis ausgeführte Konzept zu Warteschlangen, die zur Mittagszeit schnell bis aufs Trottoir schwappen können. Jetzt haben Sandor Siklossy und sein Partner und Küchenchef Daniel Schlosser die Konsequenz gezogen und ein zweites Lokal aufgemacht. Und zwar in unmittelbarer Nähe der Mariahilfer Straße, wo man auf der Suche nach schnellem, gut gemachtem Lunch bislang glatt verhungert wäre.

Das neue Lokal ist größer als die Keimzelle in der Innenstadt - es gibt richtige Tische und Stühle mit Lehne, das Konzept aber ist dasselbe: Täglich werden je ein Curry mit Fleisch und einer auf Veggie-Basis angeboten, dazu gibt es erstklassigen Basmatireis, stets ein gut gewürztes Chutney oder kühlende Raita auf Joghurt-Basis. Alternativ wird täglich ein mediterranes Gericht gekocht, Risotto (etwa mit Safran, Austernpilzen und Karotten - souverän gewürzt, aber einen Tick zu weich gekocht) oder eine unorthodoxe Pasta al forno mit Shrimps, Fenchel und Ofentomaten.

Im Sommer kommt ein ziemlich elaborierter Salat dazu, demnächst soll es auch Suppen geben. Der rote Linsensalat mit Huhn hätte zwar optisch mehr Hingabe verdient, rein geschmacklich ist er perfekt: bissfeste Linsen, sehr gutes Dressing mit Jungzwiebel, Zitrone, Kreuzkümmel und frischem Koriander, dazu saftige Hendlstücke, kurz pochierte Marillen, oben drauf fantastisch aromatisches Minzjoghurt.

Die echte Sensation aber ist die durchgehende Qualität der Currys: So komplex gewürztes, leicht und zeitgemäß geschmurgeltes Essen der subkontinentalen Art war in Wien bislang nicht zu haben. Dabei hatte Koch Schlosser bei seinen vorigen Stationen (Daun-Kinsky, Figls, Hill's) eher keine Gelegenheit, sich eingehend mit der Kunst des Gewürze-Röstens und Curry-Mischens vertraut zu machen. "Das stimmt. Aber Sandor hat mir die Kochbücher von Madhur Jaffrey und Camellia Panjabi (beides Ikonen der neuen anglo-indischen Küche, Anm.) zu lesen gegeben, dann war ich infiziert", lacht Schlosser. Das schmeckt man. Er mörsert jede einzelne Gewürzpaste, jede Currymischung selbst, setzt köstliche Chutneys an und mariniert Pickles, die richtig Gas geben. Für das schnelle Mittagsgeschäft ist diese Form der Küche ideal: Sie verlangt zwar viel Hingabe bei der Zubereitung, dafür ist sie nachher schnell beim Gast: einfach aus dem Topf schöpfen und fertig. Ganz Eilige können das Essen in tropfdicht verschweißten Styroporbehältnissen mitnehmen - und es im Büro oder auf der nächsten Parkbank heiß und duftend genießen. Wäre schön, wenn es bald noch mehr NeuDelis dieser Art gäbe - auf derart spannendes Essen hat die Stadt nämlich immer Hunger!
Severin Corti/Der Standard/rondo/25/08/2006)

NeuDeli
Nelkeng. 1, 1060 Wien
Tel.: 01 / 913 09 34
Mo-Fr 11-19, Sa 11-17 Uhr Currybrunch
VS Euro 1-3,50, HS Euro 5,20-6,20
Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Lunch für eilige Großstädter mit wachem Gaumen: Das NeuDeli in Mariahilf bietet fantastische Currys mit oder ohne Fleisch, Salate und anderes mehr.
    foto: gerhard wasserbauer

    Lunch für eilige Großstädter mit wachem Gaumen: Das NeuDeli in Mariahilf bietet fantastische Currys mit oder ohne Fleisch, Salate und anderes mehr.

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